Gerichtsverhandlung

Mädchen erfindet Vergewaltigung mit „Fifty Shades of Grey“

Ein Mädchen beschuldigt ihren Vater vor Gericht des sexuellen Missbrauchs. Erst dank des Buchs „Fifty Shades of Grey“ kann er aufatmen.

Das Buch „Fifty Shades of Grey“ wurde weltweit mehr als 130 Millionen Mal verkauft.

Das Buch „Fifty Shades of Grey“ wurde weltweit mehr als 130 Millionen Mal verkauft.

Foto: imago stock&people / imago/Levine-Roberts

Berlin.  Als die Britin Erika Leonard „Fifty Shades of Grey“ 2011 veröffentlichte, hätte sie wohl nicht gedacht, dass ihr Roman einmal selbst zur Vorlage für eine Geschichte im echten Leben wird. Der Fall: Ein Vater wird von seiner Tochter beschuldigt, sie achtmal über einen Zeitraum von sechs Jahren missbraucht zu haben. „Ich habe nichts getan“, beteuert dieser dagegen immer wieder. Seine Anwältin Cathy McCulloch hat den Fall in einem Blogeintrag zusammengefasst.

McCulloch schildert, wie der Angeklagte sie erst kurz vor der Gerichtsverhandlung zur Verteidigerin berief. Etwa eine Woche hatte sie Zeit, um all die Akten des Falls zu studieren. In den Unterlagen sei sie dann auf das Vernehmungsprotokoll der Tochter mit den Polizisten gestoßen, wie sie auf ihrem Blog schreibt. Sie war verwundert. „Das Seltsame an der Sache war die Verwendung bestimmter Wörter, Phrasen und Beschreibungen wie sie sich gefühlt hat, die für ihr Alter untypisch zu sein schienen.“

Anwältin findet viele Gemeinsamkeiten

Als McCulloch kurz vor der Gerichtsverhandlung von dem Vater erfährt, dass „Fifty Shades of Grey“ das Lieblingsbuch seiner Tochter ist, wird sie hellhörig. Die Anwältin beauftragt ihren Assistenten damit, in der Nacht vor dem folgenden zweiten Verhandlungstag den weltweit mehr als 130 Millionen Mal verkauften Roman zu lesen und Auffälligkeiten zu finden – mit Erfolg: Zwischen dem Buch und dem Fall habe es einfach zu viele Gemeinsamkeiten gegeben, schreibt die Anwältin in das Blog, über den zuerst die britische Tageszeitung „Independent“ berichtet hatte.

Für den letzten und dritten Verhandlungstag bereitete die Anwältin ein Kreuzverhör mit der Klägerin vor. Zunächst habe sie Fragen über das Zusammenleben mit dem Vater gestellt. „Sie stimmte zu, dass ihr Vater sehr streng gewesen war und dass er ‘ihr das Leben ruiniert’ hat“, schreibt McCulloch weiter. Sie habe bemerkt, wie die Tochter immer unsicherer wurde.

Freispruch für den Vater

Dann konfrontierte sie das Mädchen mit den Ähnlichkeiten ihrer Aussagen mit „Fifty Shades of Grey“ – und die Fassade bröckelte. Sofort gab sie zu, dass sie sich die Geschichte aus dem Roman und anderen Büchern zusammengereimt habe. „Sie hat das alles nur gemacht, um ihrem Vater eine Lehre zu erteilen.“ Der Vater wurde freigesprochen.