Waffengewalt

Mutmaßlicher Lieferant der Amok-Waffe von München gefasst

Der Amokläufer von München besorgte sich seine Tatwaffe im Darknet. Der Verkäufer flog nun auf. Offenbar hatter er eine Komplizin.

Mit einer Waffe vom Typ „Glock 17“ tötete der Amok-Läufer von München seine Opfer und dann sich selbst.

Mit einer Waffe vom Typ „Glock 17“ tötete der Amok-Läufer von München seine Opfer und dann sich selbst.

Foto: Boris Roessler / dpa

München.  Der mutmaßliche Verkäufer der Waffe des Amok-Laufs von München ist bei einem Scheingeschäft gefasst worden. Der 31-Jährige wurde am Dienstag in Marburg in Hessen festgenommen, wie die Generalstaatsanwaltschaft und das Zollfahndungsamt Frankfurt mitteilten. Zudem hatte der Mann nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ offenbar eine Komplizin. Sie sei ebenfalls in Marburg festgenommen worden.

Die Ermittler hatten dem mutmaßlichen Waffenhändler, der Ware im Darknet angeboten hatte, eine Falle gestellt. Bei der Anbahnung des Geschäfts habe der Mann gesagt, dem Amokschützen bei einem Treffen im Mai in Marburg die verwendete Pistole und vier Tage vor dem Amoklauf die Munition verkauft zu haben. Diese Angaben würden durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München und des Bayerischen Landeskriminalamts gestützt.

Maschinenpistole sichergestellt

Bei dem Scheingeschäft stellten die Ermittler am Dienstag die vereinbarte Maschinenpistole, eine weitere Pistole und Munition zum Preis von insgesamt 8000 Euro sicher. Der Mann habe zu seiner Eigensicherung in einem Schulterholster eine durchgeladene Pistole bei sich gehabt. Er wurde festgenommen.

Der mutmaßliche Waffenhändler habe mit dem vermeintlichen Käufer zunächst das Finanzielle abwickeln wollen, die Komplizin habe offenbar anschließend die Ware liefern sollen, heißt es in dem „Spiegel“-Bericht unter Berufung auf Ermittlerkreise. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt habe auf Anfrage bestätigt, dass es in Marburg eine zweite Festnahme gab.

Ermittlungen gegen einen 62 Jahre alten Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und gegen einen 17 Jahre alten Schüler aus Hessen hatten die Strafverfolger auf die Spur des mutmaßlichen Waffenhändlers gebracht. Beide sollen Schusswaffen und Munition bei dem Mann gekauft und die Geschäfte über das Darknet angebahnt haben.

Täter sympathisierte mit Breivik

Ein 18 Jahre alter Amokschütze hatte am 22. Juli am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen und sich anschließend selbst getötet. Beim dem Amoklauf verletzten sich Dutzende Menschen unter anderem auch bei der Flucht. Klar ist den Ermittlern zufolge, dass der 18-Jährige wohl Sympathien für den rechtsextremen norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik hatte. Zudem habe er seinen Geburtstag am 20. April, derselbe wie von Adolf Hitler, als „besonders positives Schicksal“ angesehen. Es gebe aber keine Hinweise, dass er in rechtsextreme Netzwerke verstrickt gewesen war.

In einem von dem 18-Jährigen verfassten mehrseitigen Schriftstück äußere sich dieser hauptsächlich über seine schulische Situation, sein örtliches Umfeld und seine psychiatrischen Erkrankungen, wie die Ermittler mitgeteilt hatten. „Vor dem Hintergrund der psychiatrischen Erkrankung des Amoktäters ist derzeit eine abschließende Bewertung, was reales Geschehen und was Fantasie des Täters ist, nicht möglich.“ (dpa)