Betrugsfall

Mutter ließ jahrelang ihre gesunden Kinder operieren

Mehr als zehn Jahre ließ eine britische Mutter ihre gesunden Kinder operieren, um Beihilfen zu kassieren. Jetzt muss sie ins Gefängnis.

Eine Mutter aus Großbritannien erschlich sich mit falschen Krankheitssymptomen und unnötigen Operationen ihrer Kinder mehrere Hunderttausend Pfund.

Eine Mutter aus Großbritannien erschlich sich mit falschen Krankheitssymptomen und unnötigen Operationen ihrer Kinder mehrere Hunderttausend Pfund.

Foto: imago/Westend61

Croydon.  In Großbritannien hat eine Mutter ihre Kinder jahrelang unnötig operieren lassen, um staatliche Beihilfen zu erschleichen. Wie die britische Tageszeitung „Telegraph“ berichtet, habe die 49-jährige Mutter ihren zwei Kindern bestimmte Krankheitssymptome eingeredet, die sie bei Untersuchungen von verschiedenen Ärzten zeigen sollten. Insgesamt kassierte die Mutter auf diese Weise 375.000 Pfund für Behindertenbeihilfe und Medikamente vom Nationalen Gesundheitsdienst (NHS). Von einem Gericht in Croydon bei London wurde sie jetzt wegen Kindesmisshandlung und Betrugs zu siebeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Mehr als zehn Jahre soll die Mutter ihre Kinder auf diese Weise misshandelt haben. So wurden bei den Kindern wegen Magenproblemen Schläuche gelegt. Ihrem Sohn, der bis zu seinem achten Lebensjahr Windeln getragen haben soll, wurde in einer nicht rückgängig zu machenden Operation der Magen um etwa 20 Prozent verkleinert. Zudem wurden ihm wegen angeblicher Atemprobleme Steroide verabreicht, dazu sollte er sich wie ein Autist verhalten. Seine Schwester soll in der Schule über einen Schlauch gefüttert worden sein – und das obwohl sie wie alle anderen Kindern auch normal essen hätte können. Auch wollte die Mutter nicht, dass beide Kinder aufgrund ihrer angeblich schlechten körperlichen Konditionen am Schulsport teilnehmen.

Mediziner ignorierten Warnung von Kinderärztin

Weil die Kinder immer mehr Verhaltensauffälligkeiten zeigten, wurden Lehrer aufmerksam und schalteten die Polizei ein. 2013 seien die Mutter und ihr Lebensgefährte schließlich festgenommen worden. Doch warum ist kein Mediziner eher auf die Betrügereien der Mutter aufmerksam geworden? „Die meisten Menschen wünschen ihren Kindern vor allem Gesundheit“, sagte Richter Smaller in der Verhandlung. Das sei der Ausgangspunkt dafür gewesen, dass die Ärzte der Mutter die Schilderungen der Symptome ihrer Kinder überhaupt erst abgenommen hätten. „Sie glaubten ihnen“, sagte Smaller über die Angeklagte, „weil sie äußerst plausibel in ihren Erklärungen war“.

Der Richter ließ es sich nicht nehmen, auch die behandelnden Ärzte zu kritisieren, die auf Warnungen einer Kinderärztin im Jahr 2010 einfach nicht reagiert hätten. Dadurch hätte die Mutter seiner Ansicht zufolge viel früher gestoppt werden können.