Operation

Dieser Russe will seinen Kopf transplantieren lassen

Der schwerbehinderte Russe Waleri Spiridonow soll einen neuen Körper bekommen. Ein italienischer Arzt will die riskante OP vornehmen.

Der 31-jährige Waleri Spiridonow sitzt seit seiner Kindheit wegen eines Gendefekts im Rollstuhl.

Der 31-jährige Waleri Spiridonow sitzt seit seiner Kindheit wegen eines Gendefekts im Rollstuhl.

Foto: REUTERS / MAXIM ZMEYEV / REUTERS

Moskau.  Organtransplantationen gehören längst zur Normalität. Um das Überleben zu sichern, werden Niere, Leber oder Herz verpflanzt. Nun will sich ein Russe einen neuen Körper transplantieren lassen, wie „Spiegel Online“ berichtet. Der italienische Chirurg Sergio Canavero plant, den Wunsch umzusetzen.

Waleri Spiridonow (31) sitzt von Kind an im Rollstuhl. Er leidet unter spinaler Muskelatrophie, einem seltenen Gendefekt, der Muskeln schrumpfen lässt und für Bewegungen zuständige Nerven zerstört. Der italienische Neurochirurg Sergio Canavero will dem Patienten 2017 den Kopf abnehmen und auf einen anderen Körper transplantieren. Auf einer Fachtagung im vergangenen Jahr präsentierte der Arzt das Ergebnis der chinesischen Forscher, die einen Affenkopf auf den Körper eines anderen Affen setzten. Das Tier soll überlebt haben.

Die größte Hürde: das Rückenmark

Immer wieder gab es solche Versuche auch mit Hunden. Nie überlebten die Versuchstiere den Eingriff länger als ein paar Tage, das durchtrennte Rückenmark ließ sich nicht reparieren.
Genau das ist laut Kritikern auch die größte Hürde. Es sei unmöglich, durchtrennte Nervenfasern im Rückenmark des Patienten wieder zu verbinden. Sonst könnten auch Querschnittsgelähmte geheilt werden. Dass Nervenzellen zum Wachsen gebracht werden, ist der große Traum der Forschung.

Das Affenprojekt sei auch nicht wirklich geglückt: Zwar habe das Hirn des Affen keinen Schaden durch Sauerstoffmangel genommen. Aber der Affe konnte seinen neuen Körper nicht bewegen. Aus ethischen Gründen musste er nach 20 Stunden eingeschläfert werden.
Der italienische Arzt plant während der Operation, den Körper von 37 Grad auf zwölf bis 15 Grad herunterzukühlen. Bei niedrigeren Temperaturen gehen laut Experten die Zellen in eine Art Stand-by-Modus und brauchen weniger Energie – das bringt wertvolle Zeit. Die Abstoßungsreaktion sei mit Medikamenten in den Griff zu bekommen.

Gehirn könnte Körper nicht kontrollieren

Dass das Hirn den langen Sauerstoffmangel bei der Transplantation unbeschadet übersteht, scheint dennoch unwahrscheinlich.

Experten weisen auf eine weitere Gefahr hin: Canavero plane, die Wirbelsäule an einem sehr hohen Punkt zu durchtrennen. Damit würde er die Kontrolle des Hirns über die Atmung abschneiden, so die Kritik. Wenn technisch gesehen alles gut ginge, habe man am Ende einen lebenden Kopf, der keine Kontrolle über seinen Körper habe, so die Befürchtung. Der Patient werde nicht selbst essen, nicht selbst atmen, nicht selbst reden und auch nicht auf Toilette gehen können. (FMG)