Kriminalität

Medizintechnik im Wert von 300.000 Euro aus Klinik gestohlen

In einem hessischen Krankenhaus sind teure Endoskope gestohlen worden. Die Polizei glaubt an einen Zusammenhang zu anderen Fällen.

Ein Behandlungsraum für Endoskopien im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern)

Ein Behandlungsraum für Endoskopien im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern)

Foto: Jens Büttner / dpa

Frankfurt/Main.  Aus einer Klinik im hessischen Dillenburg sind Endoskope im Wert von rund 370.000 Euro gestohlen worden. Das teilte die Polizei in Dillenburg mit. Dabei haben es die Behörden offenbar mit einer bundesweiten Serie von Diebstählen dieser Art betrifft zu tun.

„Es wird praktisch auf Bestellung gestohlen“, sagt Polizeisprecher Guido Rehr. „Wir gehen davon aus, dass organisierte Banden gezielt Kliniken und Arztpraxen aufsuchen und nach Vorbestellung die medizinischen Geräte mitnehmen.“

Einzelne Teile kosten Tausende Euro

Seit Februar 2014 seien bundesweit mehr als 50 Fälle bekannt geworden, erzählt Ralf Britz, der stellvertretende Leiter der Schadensabteilung beim Krankenhaus-Versicherungsmakler Ecclesia. Das Unternehmen betreut nach eigenen Angaben Kliniken in ganz Deutschland.

Bei den meisten der bislang 56 registrierten Diebstähle hätten es die Täter auf Endoskopiegeräte abgesehen, insbesondere auf deren Köpfe. Endoskope werden beispielsweise bei der Untersuchung innerer Organe eingesetzt.

„Ein solcher Kopf kostet zwischen 10.000 und 160.000 Euro“, sagte Britz. Die Köpfe können demnach leicht auf Produkte anderer Hersteller montiert werden. Den bislang angerichteten Schaden schätzt Britz bundesweit auf 11,5 Millionen Euro.

Medizintechnik in Frankfurt im Auftrag von südamerikanischen Ärzten gestohlen

In der Dillenburger Klinik verschwanden Ende Juli insgesamt 18 medizinische Geräte – auch hier größtenteils Endoskope. Um an die Technik heranzukommen, hatten die Täter die Tür zur Endoskopie-Abteilung aufgebrochen.

Der Schwerpunkt der Diebstähle liegt in Nordrhein-Westfalen. Dort schlugen Täter in den vergangenen Monaten unter anderem in Bergisch-Gladbach, Bad Berleburg, Gelsenkirchen, Hagen, Düsseldorf und zweimal in Recklinghausen zu. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt in den Recklinghausener Fällen, sagte Sprecher Christian Kuhnert. „Es ist sicherlich eine Form der organisierten Kriminalität.“ Die Polizei weiß bislang zu wenig über Täter und Abnehmer.

In Frankfurt am Main konnten vor einiger Zeit Täter gefasst und zu Haftstrafen verurteilt werden. Das Trio aus Kolumbien hatte in zwei Krankenhäusern der Mainmetropole Endoskope im Wert von 90.000 Euro gestohlen, die den Ermittlungen zufolge von Betreibern sogenannter Hinterhofkliniken in dem südamerikanischen Land bestellt worden waren. (dpa/aba)