Verwechslung

Wie ein chinesischer Tourist versehentlich Flüchtling wurde

Asylantrag statt Diebstahlsanzeige: Ein Tourist aus China geht auf große Europa-Reise – und landet ungewollt in einem Flüchtlingsheim.

Er wollte einen Diebstahl melden – dann unterschrieb der chinesische Tourist einen Asylantrag.

Er wollte einen Diebstahl melden – dann unterschrieb der chinesische Tourist einen Asylantrag.

Foto: imago stock&people / imago/Christian Ohde

Dülmen.  Ein chinesischer Tourist ist während seiner Europa-Reise ungewollt in einem Flüchtlingsheim gelandet. Über den unglaublichen Fall, über den zunächst der WDR berichtete, weiß Christoph Schlütermann so ziemlich alles. Der Mann vom Deutschen Roten Kreuz im Kreis Coesfeld war es, der den Behörden-Irrtum bemerkte. Und dem Touristen aus der misslichen Situation half.

Am Stuttgarter Flughafen sei der 31-Jährige ausgeraubt worden, so Schlütermann. Er habe einen hilfebedürftigen Eindruck gemacht. Deshalb setzten ihn die Beamten in einen Bus nach Heildelberg. Dort unterschrieb der Tourist letztlich einen Asylantrag statt einer Diebstahlsanzeige. So landete er im System – und kam über Dortmund in eine Flüchtlingseinrichtung in Dülmen.

Der Mann war „irgendwie anders“

Direkt am ersten Abend dort, am 8. Juli, sei aufgefallen, dass der Chinese „irgendwie anders war“. Zwar gab es eine weitere Chinesin in dem Haus – aber die konnte keine europäische Sprache. Schlütermann benutzte eine Sprach-App zur Verständigung. Ergebnis: Der Mann sagte immer wieder, er wolle „im Ausland spazieren gehen“ und bat um Hilfe „weil Pass weg“.

Hilfe kam schließlich von den Betreibern eines chinesischen Restaurants in der Nähe. Sie halfen als Dolmetscher aus – und brachten die ganze Geschichte zutage. Der Chinese, so Schlütermann, sei sich die ganze Zeit über bewusst gewesen, dass er in einer Flüchtlingseinrichtung war. Schließlich gab’s ja Kontakt zu seiner Landsfrau. Nur: Was sollte er schon tun, so ohne Pass oder Sprachkenntnisse?

Zwölf Tage dauerte die ungewollte Dülmen-Episode. Danach bekam der Chinese seinen Pass zurück, sein Visum wurde unter Tourist statt unter Flüchtling abgespeichert – und Verwandte aus China überwiesen ihm einen vierstelligen Betrag. Inzwischen hat er seine Reise fortgesetzt. Nach Frankreich und Italien. Als Tourist. Natürlich. (ger)