Resozialisierung

Ein Geiselgangster von Gladbeck könnte bald frei sein

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Dieter Degowski bedroht am 18. August 1988 in Köln die Geisel Silke Bischoff mit einer Waffe. Bischoff und zwei weitere Menschen starben bei der Geiselnahme. Degowski könnte jetzt frei kommen.

Dieter Degowski bedroht am 18. August 1988 in Köln die Geisel Silke Bischoff mit einer Waffe. Bischoff und zwei weitere Menschen starben bei der Geiselnahme. Degowski könnte jetzt frei kommen.

Foto: Hartmut Reeh / dpa

Ein „freundlich-friedlicher Mensch, der seine Tat sehr bereut“? Gladbeck-Geiselnehmer Dieter Degowski (60) winkt die Haftentlassung.

Werl.  Fast drei Jahrzehnte nach dem Geiseldrama von Gladbeck kann einer der beiden Gangster auf Freiheit hoffen. Dieter Degowskis Vorbereitung auf die Haftentlassung zur Bewährung läuft nach Angaben der JVA Werl gut. „Wir haben im Moment nichts zu meckern“, sagte auch die Anwältin des mittlerweile 60-Jährigen, Lisa Grüter.

Weder die Rechtsanwältin noch JVA-Leiterin Maria Look wollten sich äußern zu den Lockerungen, mit denen Degowski auf eine Entlassung vorbereitet wird. Vor drei Jahren hatte das Landgericht in Arnsberg die JVA aufgefordert, diesen Weg zu gehen. „Wir könnten nun jederzeit einen neuen Antrag auf Entlassung stellen“, sagt Grüter. Das werde aber vermutlich „im Einvernehmen mit der JVA“ geschehen. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht.

JVA-Chefin Look zeichnet ein positives Bild von ihrem vermutlich bekanntesten Häftling. „Er zieht gut mit. Trotz dieser langen Zeit ist er positiv gestimmt“, sagte sie. Er müsse sich in Geduld üben. „Das ist für ihn auch eine starke Prüfung. Ich bin aber froh, dass er die Füße stillhält.“ Das liege daran, dass Degowski Fortschritte sehe. Derzeit werde ein weiteres Gutachten erstellt. „Die Gutachterin hat ihn schon besucht und einen weiteren Termin ausgemacht.“

Degowski-Anwältin Grüter sieht das ähnlich. „Ich erlebe meinen Mandanten als einen freundlich-friedlichen Menschen, der seine Tat sehr bereut“, sagte sie erneut. Er wisse, dass sein Fall besonders sei und er auch darunter leiden müsse, dass er „ein öffentliches Verbrechen“ begangen habe. Andere Häftlinge wären nach ihrer Einschätzung bei ähnlichen Taten vermutlich schon wieder in Freiheit.

Vom 16. bis 18. August 1988 hielten Degowski und sein Komplize Hans-Jürgen Rösner die Republik in Atem. Drei Tage lang flüchteten sie nach einem missglückten Bankraub mit Geiseln vor der Polizei. Drei Menschen starben. Degowski hatte in einem Linienbus in Bremen einen 15-Jährigen erschossen, ein Polizist starb bei einem Unfall der Verfolger und als die Polizei dann am dritten Tag auf der A3 bei Bad Honeff den Fluchtwagen stoppte und zugriff, starb die 18-jährige Geisel Silke Bischoff durch eine Kugel aus Rösners Waffe. (dpa)

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