Kult

Superman-Heft von 1938 ist der heilige Gral der Comicwelt

| Lesedauer: 5 Minuten
Jonas Erlenkämper
Der Comicheld Superman rettet bereits seit 1938 die Welt – und seine Liebste Lois Lane.

Der Comicheld Superman rettet bereits seit 1938 die Welt – und seine Liebste Lois Lane.

Foto: Mark Dadswell / Getty Images

Käufer gibt eine Million Dollar für Comic aus, in dem Superman 1938 das erste Mal in Aktion trat – ein Heft mit bewegter Geschichte.

Berlin.  Als das Heft 1938 an US-amerikanischen Kiosken auslag, hatte wohl keiner der überwiegend jugendlichen Käufer mit dieser Wertsteigerung gerechnet: 10 Cent kostete die erste Ausgabe der „Action Comics“ damals. Jetzt ist ein gut erhaltenes Exemplar für knapp eine Million Dollar (ca. 896.000 Euro) versteigert worden. Der Preis liegt sogar noch deutlich über dem Schätzwert von 750.000 Dollar, heißt es beim Auktionshaus Heritage Auctions im texanischen Dallas.

Das Besondere: In diesem Heft hatte Superman seinen ersten großen Auftritt – jene vom fernen Planeten Krypton stammende Heldenfigur mit dem roten Umhang und dem S auf der Brust.

Für Sammler so wertvoll wie die Mona Lisa

Das Cover zeigt Superman, wie er ein Gangsterauto hochhebt, um die Entführung seiner geliebten Lois Lane zu verhindern. Eigentlich war die Geschichte des damals völlig unbekannten Heroen nur eine von vielen in dieser Zeitschrift – gerade mal 13 von 64 Seiten lang. Doch die wenigen Exemplare, die die Zeit überdauert haben, gelten in Sammlerkreisen heute als die Mona Lisa unter den Comics. Nur noch um die 100 Hefte gibt es, schätzt das Auktionshaus Heritage Auctions. Selbst ziemlich zerfledderte Ausgaben sind wenigstens 100.000 Dollar wert. Nur eine Handvoll soll in einem so guten, unvergilbten Zustand sein, dass sie siebenstellige Verkaufssummen erzielen. Das jetzt verkaufte Stück ist nicht einmal das teuerste: Vor zwei Jahren wechselte ein Heft über Ebay für umgerechnet 2,4 Millionen Euro den Besitzer.

Es waren zwei Teenager aus Cleveland, die sich den Mann in Blau 1933 ausgedacht haben. Jerry Siegel und Joe Shuster wollten aus der Figur ursprünglich einen Superbösewicht machen. Doch als Siegels Vater bei einem Raubmord ums Leben kam, änderte das alles – so jedenfalls lautet die Legende. Aus dem Saulus wurde ein Paulus, ein strahlender Draufgänger, der die Menschheit immer wieder vor dem Verderben rettet. Zunächst wollte niemand diese Heldensagen haben, erst nach vielen Absagen griff ein Verlag zu. Die Startauflage der „Action Comics“ betrug 200.000 Stück.

Cage trug zur Mystifizierung der Reihe bei

Jetzt, 78 Jahre später, sind die Hefte selbst Stoff spannender Geschichten. Einer der wenigen Menschen, die in jüngerer Zeit eine Originalausgabe besessen haben, ist der Hollywood-Schauspieler Nicolas Cage (52), ein bekennender Comicsammler. Cage trug selbst zur Mystifizierung der Reihe bei: Im Jahr 2000 brachen Diebe in seine Villa ein und stahlen mehrere wertvolle Hefte, darunter „Detective Comics“ Nummer 27 – in dem Batman seinen ersten Auftritt hatte – und die erste Ausgabe der „Action Comics“. Erst elf Jahre später tauchte das Superman-Heft unter dubiosen Umständen in einem Schließfach im San Fernando Valley wieder auf. Es hieß, ein Unbekannter habe den Inhalt des aufgegebenen Schließfachs ersteigert. Darin soll sich das einst in Cages Haus gestohlene Exemplar befunden haben, das der Unbekannte anschließend für 2,1 Mio. Dollar erneut versteigert habe. Andere Quellen behaupten, das Heft sei Cage nach seinem Wiederauffinden zurückgegeben worden, und der Schauspieler habe es versteigert.

Cage will darüber nicht mehr reden. Als ein Journalist ihn darauf ansprach, sagte Cage: „Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich mag das Mysterium, das diese Geschichte umgibt. So soll es auch bleiben.“ Die Geschichte bleibe „am besten ein Rätsel“.

Der Beginn des Mythos

Fest steht, dass Nicolas Cage beispielhaft ist für die Leidenschaft, mit der gut betuchte Sammler den wenigen erhaltenen Ausgaben hinterherjagen. Er versuche, auf diese Weise ein Stück seiner Kindheit zu konservieren, so Cage. Superman ist für ihn eine der prägenden Heldenfiguren der Gegenwart: „Er ist der Ausgangspunkt einer modernen Mythologie, an der die Menschen bis heute rund um die Welt festhalten.“ Jenes erste „Action Comics“-Heft sei „der Anfang von all dem“ gewesen. Cages Enthusiasmus geht so weit, dass er seinen jüngsten Sohn Kal-El nannte – das ist Supermans Geburtsname.

Wegen ihrer Seltenheit und der horrenden Verkaufspreise sprechen Sammler wie Cage von der Erstausgabe als dem „heiligen Gral der Comicwelt“. Die am Donnerstag versteigerte Ausgabe stammte von einem Amerikaner, der das Heftchen in den 90er-Jahren für 26.000 Dollar erstanden hatte.

Der Käufer will anonym bleiben. Nur eines weiß man von ihm: Er ist bereit und in der Lage, eine Million Dollar für einen Comic auszugeben.

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