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Peinlich! MDR fällt auf Satire-Meldung des Postillon herein

| Lesedauer: 2 Minuten
Walter Bau
Sorgfältige Recherche gehört zum kleinen ABC des Journalismus. Beim MDR übernahm man nun leichtfertig eine angebliche Meldung zur Rechtschreibreform aus dem Internet – und machte sich zum Gespött.

Sorgfältige Recherche gehört zum kleinen ABC des Journalismus. Beim MDR übernahm man nun leichtfertig eine angebliche Meldung zur Rechtschreibreform aus dem Internet – und machte sich zum Gespött.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Mit Satire ist das so eine Sache. Man kann drüber lachen – oder drauf hereinfallen. Dann wird man selbst zum Lacher. Wie jetzt der MDR.

Berlin.  Wer auf Falschmeldungen steht, der ist hier richtig: Das Internetportal „Der Postillon“ verschickt regelmäßig „Nachrichten“ in die Netz-Welt, die witzig klingen, aber eher satirisch als real sind. „Hausschrauballergie: Ehemann läßt Gattin Ikea-Möbel aufbauen“, lautet aktuell solch eine Nonsens-Schlagzeile bei „der-postillon.com“, „Nie wieder zu Aldi: So erledigen Sie Ihre Einkäufe im Darknet“ eine andere. Und manchmal muss man zweimal lesen, um den Gag zu kapieren: „Madrid: Sachse erklärt Spanier, wie man Fahrrad fährt“. Legendär ist die „Postillon“-Geschichte über den Protz-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: „Limburger Bischof lässt Beichtstuhl für 5 Millionen Euro bauen, um dort seine Fehler einzuräumen.“

Manchmal liest sich eine „Postillon“-Meldung fast so, als wäre sie keine Satire, sondern nichts als die Wahrheit. Und wenn man dann das Portal nicht als Humbug-Webseite kennt – dann kann es einem so ergehen wie jetzt dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), der sich ziemlich blamierte. Und das kam so.

„Seidt ihr auch schon alle da?“

„,Seid’ oder ,seit’? An der richtigen Verwendung dieser beiden unscheinbaren Wörter scheitern mehr als 70 Prozent aller Deutschen. Nun hat das Bildungsministerium eine Reform angekündigt: Ab Beginn des neuen Schuljahres im Herbst ersetzt ein einheitliches „seidt“ die beiden Formen“, stand beim „Postillon“ in einer Meldung zu lesen, die offenbar auch bei „MDR-aktuell“ auf Interesse stieß. Und weiter war da zu lesen: Statt „Seit gestern regnet es“ oder „Seid ihr auch schon alle da?“ müsse es künftig „Seidt gestern regnet es“ und „Seidt ihr auch schon alle da?“ heißen.

Prompt schickte der Sender die vermeintliche Nachricht über den Äther – und stand damit ziemlich blamiert da.

Als die Rundfunkmacher gemerkt hatten, wem sie da aufgesessen waren, räumten sie ihren Blackout zerknirscht ein. „Die Reporterin hatte die Information bei den Recherchen erhalten und leider nicht gegengeprüft“, hieß es bei Twitter unter anderem.

In den sozialen Medien gab es danach reichlich Spott für die geleimte MDR-Reporterin. Einer twitterte beispielsweise:

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