Coburg

Lange Haftstrafe nach Totschlag von vier Babys

Mutter muss für 14 Jahre ins Gefängnis. Gericht sieht keine Anzeichen für Mord. Vater freigesprochen

Coburg. Acht Babyleichen entdeckten Ermittler im vergangenen November in einem Haus im oberfränkischen Wallenfels. Wegen Totschlags ist die Mutter dieser Babys nun zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Damit blieb das Landgericht Coburg am Mittwoch unter der möglichen Höchststrafe, die ein Jahr länger vorsieht. Die 45-jährige Frau sei in vier Fällen schuldig, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Gillot.

Eine Verurteilung wegen Mordes, wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, lehnte das Gericht ab. „Sicherlich handelte sie egoistisch und selbstsüchtig, aber es gibt eben auch das Motiv, die Familie zu erhalten“, sagte Gillot. Das sei kein niedriger Beweggrund, der für einen Mord hätte festgestellt werden müssen. Die Mutter hatte eingeräumt, mehrere Säuglinge getötet zu haben.

Der wegen Beihilfe zum Mord angeklagte Vater wurde freigesprochen. Für eine Verurteilung des 55-Jährigen etwa wegen Beihilfe zum Totschlag hätte dieser damit rechnen müssen, dass seine Frau Kinder tötet. Dafür habe das Gericht aber keinen Nachweis. „Er hat es nicht gewusst, dass es hier Schwangerschaften gab, dass es hier Geburten gab“, sagte sein Anwalt während der Verhandlung. Das Paar hatte sich vor dem Leichenfund getrennt.

Die toten Säuglinge waren im November 2015 im oberfränkischen Wallenfels gefunden worden. Auf die Spur der Babyleichen kam die Tochter des Vaters aus erster Ehe. Er hatte ihr davon erzählt, dass seine Frau ihm gegenüber ein totes Kind im Haus erwähnt, dies später aber zurückgenommen habe. Das ließ der Tochter nach eigener Aussage keine Ruhe, sie machte sich auf die Suche und rief die Polizei. Sie hatte eine auffällige Kiste gefunden, in der Rechtsmediziner später fünf der acht Leichen entdeckten.

Bei vier der Babys war laut Staatsanwaltschaft nicht festzustellen, ob sie gelebt hatten oder lebensfähig gewesen wären. Die Anklage hatte für die Mutter lebenslange Haft wegen Mordes in vier Fällen und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. In diesem Fall hätte die Frau wohl für mindestens 20 Jahre im Gefängnis bleiben müssen. Ein Gutachter hatte die 45-Jährige für voll schuldfähig erklärt. Sie sei weder schwer psychisch krank noch alkoholabhängig.