Tourismus

Wie das schwedische Kaufhaus Gekås zum Urlaubsort wird

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André Anwar
Gekås in Ullared ist das größte Warenhaus in Skandinavien.

Gekås in Ullared ist das größte Warenhaus in Skandinavien.

Foto: Alamy / mauritius images

Gekås in dem kleinen schwedischen Ort Ullared ist das größte Warenhaus in Skandinavien. Manche Besucher kommen sogar für längere Zeit.

Stockholm.  Sommerurlaub im Schnäppchenmarkt statt am Meer. Ausgerechnet in Schweden mit seinen Seen, Küsten und wunderschönen Städten ist ein Supermarkt eines der beliebtesten Ausflugsziele. Millionen Besucher legen teils weite Strecken zurück, um mehrere Tage im Schnäppchenmegamarkt Gekås im südwestlich von Göteborg liegenden Örtchen Ullared einzukaufen – und zu wohnen.

Jetzt im Sommer ist Hochsaison. Jede Nacht schlafen bis zu 3000 Kunden auf den supermarkteigenen Wohnanlagen. Vom Camping- und Wohnwagenplatz, gemütlichen Schwedenholzhütten bis hin zum Motel und Hotel mit Zimmerservice ist für jeden Komfortanspruch und Geldbeutel etwas dabei.

Frauengruppen campen vor dem Einkaufszentrum

„Gekås Ullared ist nicht nur ein Warenhaus. Es ist ein Reiseziel“, schwärmt Warenhauschef Jan Wallberg im Gespräch mit dieser Redaktion. „Man kommt für das Gesamterlebnis her. Nach Paris fährt man ja auch zum Einkaufen, wie zu uns.“ Wallberg ist Herr über 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 69 Kassen und 1800 Mitarbeiter in der Hauptsaison. 29.000 Besucher strömten am 21. Juli 2015 in den Markt – Rekord. „Das Wetter war schlecht, viele kamen zu uns, statt am Strand rumzuhängen“, sagt Wallberg. Normal seien 20.000 Kunden am Tag. Weil der Andrang so groß ist, sprengt Gekås derzeit einen Hügel in der Nähe, um weitere 20.000 Quadratmeter Platz zu schaffen.

Schon morgens bildet sich eine Schlange vor dem Eingang. Über eine halbe Stunde warten die Schnäppchenurlauber dort geduldig mit großen Einkaufswagen auf den Einlass. „Frauengruppen richten sich etwa auf dem Campingplatz ein. Sie kaufen den ganzen Tag bei uns ein. Abends öffnen sie eine Flasche Wein und probieren ihre neuen Kleider und Schminkartikel aus, um den Tag dann mit einem Besuch in einem unserer Restaurants abzuschließen“, fasst Wallberg ein typisches Reisegruppenerlebnis zusammen. 63 Prozent der Kunden sind Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 42.

Freizeitangebot lockt nach dem Shoppen

Neben Restaurants gibt es für die Zeit außerhalb des Warenhauses einen Badesee mit Saunaanlagen. Fischen gehen können die Kunden auch, für Kinder gibt es ein Spielland. Für Zerstreuung sorgt auch eine Minigolfanlage, ein Abenteuerpark mit Kletteranlage und im Winter sogar ein Berg zum Skifahren.

Warum nehmen so viele Schweden die weite Reise auf sich, um etwas zu erleben, das noch extremer ist als ein Sommernachmittag bei Ikea? Zum einen gehe es freilich um das soziale Erlebnis, so Wallberg, aber vor allem auch um die Preise. „Wir sind bei allen Waren die Billigsten auf dem Markt. Wir haben keine Kampagnen. Alles ist immer bis zu zwei Drittel billiger als andernorts. Das ganze Jahr über“, sagt er. Dem Sortiment sind fast keine Grenzen gesetzt. „Wir verkaufen alles, was in ein Auto passt“, sagt Wallberg. 2015 machte Gekås so 5,2 Milliarden Kronen Umsatz und einen Gewinn von über 360 Millionen Kronen. 4,8 Millionen Besucher kommen durchschnittlich jedes Jahr. Das ist eine Menge bei insgesamt gut neun Millionen Schweden.

Auch das Königspaar geht zu Gekås

Seit 2009 gibt es auch eine populäre TV-Dokusoap zum Warenhaus, in der Kunden und Angestellte begleitet werden. Die Serie spielt ironisch mit dem eher schlechten Ruf des Supermarktes – und vor allem seiner Kunden. Angeblich sind es vor allem Hausfrauen und Rentner auf Schnäppchenjagd, die Gekås besuchen. Chef Jan Wallberg stört dieses Image aber nicht: „Das ist aber ein Vorurteil. Zu uns kommen Menschen aller Einkommensschichten. Alle machen gerne Schnäppchen.“

In der Tat hat Gekås inzwischen Kultstatus. Weil es so schräg ist. Sogar König Carl Gustaf und Königin Silvia von Schweden waren schon da. Verkäufer Morgan Karlsson ist dank der TV-Serie landesweit berühmt. Man benannte gar eine Chipssorte nach ihm. Die sieht man ihn ab und zu im Warenhaus verteilen. „Ich bin froh, dazu beitragen zu können, ein paar zusätzliche Chipstüten zu verkaufen“, sagte er unlängst durchaus ernst gemeint. Auch andere prominente Schweden, etwa Schlagersänger, treten hier immer wieder auf. Und viele Firmen bieten ihren Kunden sogar ein Gratiswochenende in Gekås an. Für viele sicherlich ein Hauptgewinn.