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Schnee im Juli: Chaos-Sommer geht in die nächste Runde

50 Zentimeter Neuschnee! Der Sommer wird immer kurioser. In Alpenregionen sank die Schneefallgrenze auf bis zu 1500 Meter.

Plötzlich Winter: der Campingplatz Morteratsch in der Nähe von St. Moritz auf 1800 Meter am Donnerstagmorgen.

Plötzlich Winter: der Campingplatz Morteratsch in der Nähe von St. Moritz auf 1800 Meter am Donnerstagmorgen.

Foto: Screenshot / Camping Morteratsch

Berlin.  Mit einem "eindrücklichen Naturerlebnis" wirbt der Schweizer Campingplatz Morteratsch auf seiner Webseite um Gäste – und die Betreiber haben nicht zu viel versprochen: Als die Urlauber am Donnerstagmorgen aus ihren Wohnwagen ins Freie traten, stapften sie in Schnee – mitten im Juli! Was für diese Schweizer Region nicht ungewöhnlich ist, ist in anderen Teilen etwas Ungewöhnliches.

Wie mehrere Wetterdienste übereinstimmend melden, ist die Schneefallgrenze in Teilen von Österreich und der Schweiz in der Nacht zu Donnerstag deutlich unter 2000 Meter gesunken. Vor allem entlang der Alpen seien bei intensiveren Niederschlägen auch Flocken bis auf 1500 Meter möglich, teilte etwa der Schweizer Wetterdienst Meteonews mit. Mittels Modellkarten prognostizierte kachelmannwetter.de am Donnerstagmorgen fast flächendeckend Schneehöhen bis zu 50 Zentimeter im Süden und Osten der Schweiz sowie im Südwesten Österreichs.

Dass es sogar unterhalb von 1500 Meter geschneit hat, verdeutlicht das Foto eines Twitter-Users. Es zeigt ein schneebedecktes Auto in Mittelberg im Kleinwalsertal. Die Gemeinde liegt auf einer Höhe von 1200 Meter.

Meteorologe: Für Juli extrem selten

"Für Mitte Juli ist so eine tiefe Schneefallgrenze extrem selten", sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net. Zwar könne es im Juni oder im späten August bis auf diese Höhen herab schneien, aber im Juli sei das ein eher seltenes Schauspiel, so Jung.

Erst Hitze, dann Unwetter und jetzt auch noch Schnee: Der Sommer 2016 scheint nicht so recht zu wissen, was er will. Auch in Deutschland wird das Wetter derzeit noch von einem Tiefdruckgebiet beeinflusst, das laut Deutschem Wetterdienst am Donnerstag vor allem im Osten und Südosten für länger anhalten Regen sorgt. Im Rest des Landes soll es neben einigen Wolken auch freundliche Abschnitte geben, gepaart allerdings mit Schauern, im Westen und Südwesten seien auch einzelne kurze Gewitter möglich. Temperaturen im Dauerregen: 13 bis 18 Grad, mit Sonne sind bis 22 Grad drin.

Wetter bleibt wechselhaft

In den nächsten Tagen sieht es in Deutschland nur wenig besser aus. Aber immerhin: Am Samstag steigen die Temperaturen an und erreichen Werte zwischen 20 und 25 Grad.

Auch in der Schweiz verabschieden sich die winterlichen Verhältnisse zum Wochenende. Laut Meteonews sorgt ein Hoch dann für "viel Sonne und am Sonntag auch wieder für sommerliche Temperaturen." Bis es soweit ist, können die Schweizer dem Wintereinbruch im Hochsommer sogar noch etwas Gutes abgewinnen: "Ein weißer Campingplatz im Juli", schreiben die Camping-Morteratsch-Betreiber auf ihrer Homepage: "Natürlich ein vergängliches Ereignis – und zum Vorteil für die Oberengadiner Gletscherwelt!"

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