Proteste

Gewalt gegen Polizisten: Aufatmen nach neuem Alarm in Dallas

Tödliche Polizeischüsse auf Schwarze, fünf ermordete Polizisten - die vergangenen Tage waren aufwühlende für die USA.

Nach einer anonymen Drohung wurde die Gegend um die Polizeizentrale in Dallas/Texas am Samstag abgesperrt.

Nach einer anonymen Drohung wurde die Gegend um die Polizeizentrale in Dallas/Texas am Samstag abgesperrt.

Foto: Erik S. Lesser / dpa

Dallas/Washington.  Zwei Tage nach den Polizistenmorden in Dallas hat ein neuer Sicherheitsalarm die Polizei und Bewohner der texanischen Großstadt aufgeschreckt. Ein Teil des örtlichen Polizeihauptquartiers wurde nach einer anonymen Drohung abgesperrt. Danach suchte die Polizei in einer Parkgarage hinter ihrem Hauptquartier nach einer möglichen verdächtigen Person, hob den Alarm aber später wieder auf.

Kurz zuvor hatte Präsident Barack Obama die Einheit der Nation beschworen und seine Landsleute aufgerufen, nach vorn zu blicken. Das Land sei nicht so gespalten, wie manche es behaupteten, sagte Obama nach Abschluss des Nato-Gipfels in Warschau. Den Heckenschützen, der in der Nacht zum Freitag fünf Polizisten in Dallas erschossen hatte und danach selber von der Polizei getötet worden war, bezeichnete er als „verrückt“. Obama versuchte am Samstag, die aufgewühlte Nation zu beruhigen. Er sprach von einer „schmerzhaften“ Woche, betonte aber zugleich, dass „die Taten von Einzelnen nicht für uns alle stehen dürfen“. Schwarze verurteilten die Polizistenmorde und Weiße die Polizeigewalt gegen Schwarze, sagte er.

Mögliches Motiv des Dallas-Täters ist Hass gegen Weiße

Der 25-jährige Micah Johnson hatte in der Nacht zum Freitag während einer Demonstration gegen Polizeigewalt aus dem Hinterhalt geschossen und dabei nicht nur die fünf Polizisten getötet, sondern auch fünf weitere Beamte und zwei Zivilisten verletzt. Zwei Polizisten befanden sich nach Angaben des Senders MSNBC am Samstag noch im Krankenhaus.

Als wahrscheinliches Motiv des Schützen gilt Hass auf Weiße. In diese Richtung deuten Äußerungen des Mannes bei Verhandlungen mit Polizisten vor seinem Tod und Facebook-Einträge hin. Die Polizei fand nach eigenen Angaben zudem in seiner Wohnung jede Menge Waffen und paramilitärisches Material - auch zum Bombenbau - sowie Schutzwesten, Munition und ein Handbuch für den bewaffneten Kampf. Außerdem seien afro-nationalistische Schriften aufgetaucht.

Wieder gewaltsame Angriffe gegen Polizisten

Auch am Samstag gingen in mehreren US-Städten wieder Tausende Menschen gegen Polizeigewalt auf die Straße. Dabei kam es in mehreren US-Städten erneut zu gewaltsamen Angriffen auf Polizisten. In der Stadt Saint Paul im Bundesstaat Minnesota kam es in der Nacht zu Sonntag zu Krawallen und Festnahmen am Rande einer Bürgerrechtler-Demonstration. Nach Angaben der örtlichen Polizei auf Twitter wurden mindestens fünf Beamte verletzt. Die Polizisten seien mit Steinen, Flaschen und Böllern beworfen worden, hieß es.

Die Zeitung „Star Tribune“ zeigte auf ihrer Internetseite Fotos, die zeigen, wie ein Pulk aus Demonstranten auf einer abgesperrten Schnellstraße einer Polizeikette gegenübersteht. Über der Straße steigt eine dichte Rauchwolke auf. Laut der Zeitung hatten die Sicherheitskräfte Rauchbomben eingesetzt, um die gegen Polizeigewalt demonstrierenden Anhänger der Bewegung „Black Lives Matter“ auseinanderzutreiben.

Derweil wurden in der Metropole San Antonio anscheinend mehrere Schüsse auf das Polizeihauptquartier im Stadtzentrum abgefeuert. Polizisten zufolge wurde das Gebäude getroffen und mindestens eine Patronenhülse gefunden, wie der örtliche Sender KSAT berichtete. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden.

Die landesweiten Proteste waren durch den Tod zweier Afroamerikaner ausgelöst worden, die in den US-Staaten Minnesota und Louisiana durch Polizeischüsse ums Leben gekommen waren. Für Sonntag sind weitere Demonstrationen geplant. Anfang der Woche wird Präsident Obama in Dallas erwartet. (dpa/rtr/sdo)