Polizeigewalt

US-Polizisten erschießen Schwarzen vor laufender Kamera

| Lesedauer: 2 Minuten
Mehrfach protestierten in der jüngeren Vergangenheit Afroamerikaner gegen Gewalt von US-Polizisten, wie hier in Baltimore nach dem Tod des 25-jährigen Freddie Gray im April 2015.

Mehrfach protestierten in der jüngeren Vergangenheit Afroamerikaner gegen Gewalt von US-Polizisten, wie hier in Baltimore nach dem Tod des 25-jährigen Freddie Gray im April 2015.

Foto: © Adrees Latif / Reuters / REUTERS

Wieder ein Fall von fragwürdiger Polizeigewalt: In Baton Rouge haben Einsatzkräfte einen Mann erschossen - und wurden dabei gefilmt.

Baton Rouge.  Alton Sterling, ein 37-jähriger Afroamerikaner, ist am Dienstagmorgen in Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana bei einer Konfrontation mit zwei US-Polizisten vor einem Supermarkt erschossen worden. Wie er gestorben ist, ist im Internet zu sehen – jemand hat den Vorfall aus einem parkenden Auto heraus gefilmt und das Video ins Netz gestellt.

Nach dem Bekanntwerden von Sterlings Tod kam es zu Protesten auf den Straßen der 230.000-Einwohner-Stadt. Laut lokaler Medien verliefen diese weitgehend friedlich. Zahlreiche Twitter-Nutzer reagierten empört. Aktivisten der Anti-Rassismus-Bewegung „Black Lives Matter“ schrieben knapp: „Es reicht. #AltonSterling“.

Das Video, das in den sozialen Medien vielfach geteilt wurde (Achtung: expliziter Inhalt), zeigt zwei Polizisten, die einem Mann in rotem T-Shirt gegenüberstehen. Einer der beiden Ordnungshüter reißt den Mann, bei dem es sich um Alton Sterling handelt, zu Boden. Der zweite hilft seinem Kollegen, ihn zu fixieren. Während der erste Polizist zu diesem Zeitpunkt von einem parkenden Auto verdeckt wird, erkennt man, wie der andere einen Gegenstand hervorzieht – mutmaßlich eine Pistole. Es folgen Schreie, dann Schüsse.

Polizisten vorübergehend beurlaubt

Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtet, teilte die Polizei in Baton Rouge mit, dass inzwischen Ermittlungen aufgenommen worden seien. Auch das geteilte Video werde dabei ausgewertet. Die betroffenen Polizisten wurden vorübergehend beurlaubt. Das sei so üblich, wenn bei einem Einsatz Schüsse abgefeuert wurden, sagte ein Polizeisprecher.

Nach Angaben lokaler Medien war Sterling als „CD man“ in Baton Rouge bekannt, der Tonträger und DVDs vor dem Supermarkt verkaufte, vor dem er erschossen wurde. Dessen Besitzer zitiert CNN mit den Worten, dass es mit Sterling nie Konflikte gegeben habe. Die Polizisten sollen zum Supermarkt gerufen worden sein, weil Sterling einen Pistole auf jemanden gerichtet haben soll.

Rassenunruhen nach ähnlichen Fällen

Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren Fälle von fragwürdiger Polizeigewalt in den USA bekannt. Der wohl bekannteste ist jener des 18-jährigen Afroamerikaners Michael Brown, der am 9. August 2014 von einem weißen Polizisten in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri mit mehreren Pistolenschüssen getötet worden war. Monatelang gingen Menschen in der Kleinstadt zu Hunderten auf die Straße. Ebenfalls große Rassenunruhen verursachte der Fall des jungen schwarzen Freddie Grey aus Baltimore, der im April 2015 in Polizeigewahrsam starb. (cho)

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos