Greenpeace-Studie

Giftfreie Mode: Lob für H&M und Zara, Esprit fällt durch

Greenpeace hat führende Modemarken auf den Einsatz von giftigen Chemikalien getestet. Gut schnitten ausgerechnet günstige Labels ab.

Bei H&M können die Kunden laut einer neuen Studie sicher sein, dass sich keine gefährlichen Chemikalien in der Kleidung befinden.

Bei H&M können die Kunden laut einer neuen Studie sicher sein, dass sich keine gefährlichen Chemikalien in der Kleidung befinden.

Foto: © Fred Prouser / Reuters / REUTERS

Berlin.  Die Modemarken Zara, H&M und Benetton dürfen sich mit dem Titel „Trendsetter für eine saubere Textilproduktion“ rühmen. Die Umweltorganisation Greenpeace bescheinigt den Unternehmen in einer Studie, dass sie bei der Herstellung ihrer Mode keine Schadstoffe einsetzen. Schlechte Noten gab es hingegen für Esprit, Nike und die Unterwäschefirma Victoria’s Secret. Sie produzierten laut der Studie weiterhin mit gefährlichen Chemikalien. Auch bei Adidas, Levis, Primark und Puma sieht Greenpeace noch Nachholbedarf.

„Giftige Chemikalien haben in Alltagskleidung und Schuhen nichts zu suchen“, sagt Manfred Santen, Chemiker und Textilexperte von Greenpeace. „Zara, H&M und Benetton beweisen, dass eine schadstofffreie Produktion für Unternehmen jeder Größe möglich ist.“ Immerhin: Alle geprüften Unternehmen haben sich der Textilkampagne „Detox“ von Greenpeace angeschlossen und zugesagt, bis 2020 auf eine saubere Produktion umzustellen.

Große Versprechen, aber wenig Taten

Santen zweifelt jedoch daran, dass das gelingt: „Die Hinhaltetaktik von Konzernen wie Nike und Esprit ist nicht hinnehmbar. Bis 2020 schaffen sie es nicht, giftfreie Mode zu garantieren.“ Zwar hätten sie sich dazu bekannt, umweltfreundlicher zu produzieren, „seitdem passiert aber nicht mehr so viel“, sagt Santen. Wer in ein paar Jahren schadstofffreie Mode anbieten wolle, müsse zum Beispiel schon jetzt nach Ersatzstoffen für gesundheitsschädliche per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) forschen. Daran hapere es etwa bei Nike. Auch die Lieferkette werde nicht offengelegt.

Chemikalien in Kleidung sind nicht nur für die Kunden ein Problem, sondern viel mehr noch in den Herstellungsländern. Denn die Schadstoffe, die Modefirmen zum Färben und Ausrüsten von Textilien einsetzen, belasten Gewässer und Trinkwasserreserven. In den großen Städten Chinas etwa sind laut Greenpeace über 60 Prozent der Trinkwasserreserven ernsthaft verschmutzt.

Kritik am Geschäftsmodell von H&M und Zara

Bei allem Lob für Zara und H&M beim Umwelt- und Verbraucherschutz: Mit dem Geschäftsmodell dieser so genannten Fast-Fashion-Marken hat Greenpeace durchaus Schwierigkeiten. „Die Kleidung wird vielleicht nur ein-, zweimal getragen. Das ist ein irrer Ressourcenverbrauch“, so Santen. Ideal fände es der Textilexperte, wenn Modeunternehmen einen lebenslangen Reparaturservice für ihre Kleidung anböten.