Flugbereitschaft

Warum Minister de Maizière das EM-Viertelfinale verpasste

Innenminister de Maizière verpasste das EM-Viertelfinale gegen Italien, weil die Flugbereitschaft nicht funktionierte – wieder einmal.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) steigt aus einem Flugzeug der Flugbereitschaft aus

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) steigt aus einem Flugzeug der Flugbereitschaft aus

Foto: dpa Picture-Alliance / Maurizio Gambarini / picture alliance / dpa

Berlin.  Die Kanzlerin hatte keine Zeit. Daher wollte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nach Bordeaux fliegen, zum EM-Viertelfinale Deutschland gegen Italien. Klappte aber nicht. Die Maschine der Flugbereitschaft blieb am Boden. Probleme nach einem Vogelschlag. Also schaute sich de Maizière das Spiel mit seiner Frau und ein paar Freunden an.

Die Flugbereitschaft fliegt die Regierungsmitglieder ins Ausland, etwa zu Truppenbesuchen oder internationalen Gipfeln. Sie gehört zur Bundeswehr und hat acht Maschinen. Die Pannen der Flugbereitschaft sind legendär. Vor allem die alten Maschinen machten über Jahre Probleme, sorgten für unangenehme Verspätungen und peinliche Terminabsagen.

Und ungefährlich war es auch nicht. Anfang 2005 entzündeten sich Enteisungsmittel am Ansaugstutzen der Lüftung beim Start einer Maschine in Berlin. Qualm drang in die Kabine. An Bord: Außenminister Joschka Fischer. Der Grüne motzte danach: „Muss ich erst im Weltsaal des Auswärtigen Amts aufgebahrt werden, ehe die Flugbereitschaft neue Maschinen bekommt?“

Mit den neuen Maschinen sollte alles besser werden

Doch damals war nicht die Zeit für neue Flugzeuge. Die Bundesregierung war mit den Hartz-Gesetzen beschäftigt. Zu groß war die Angst vor Schlagzeilen über Politiker, die Sozialleistungen zusammenstreichen, aber Geld für neue Flieger ausgeben. Also nutzte man weiter die alten Airbus-Maschinen, die kurz vor dem Mauerfall noch von der staatseigenen DDR-Fluggesellschaft Interflug angeschafft wurden und in denen noch Staatschef Erich Honecker geflogen wurde. Nach der Wiedervereinigung wurden die Maschinen dann für die Flugbereitschaft fit gemacht.

Dann sollte alles besser werden. Anfang dieses Jahrzehnts wurden gebrauchte Maschinen von der Lufthansa gekauft – und mit einer speziellen Raketenabwehr ausgerüstet. Doch die Pannenserie riss nicht ab. Fast jeder Minister am Kabinettstisch kann Geschichten von Verspätungen oder abgesagten Reisen erzählen. Laut einer Bundeswehrstatistik, aus der die „Stuttgarter Zeitung“ zitiert, fielen die Airbus 340 und die Airbus 319 der Flugbereitschaft in den letzten zwei Jahren bei 14 Reisen komplett aus, die vier kleineren Flugzeuge des Typs Global 5000 sogar 18 Mal. Ein paar Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit:

Geplatze Reifen, kaputte Motoren

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will im Oktober 2015 zu den deutsch-indischen Regierungskonsultationen nach Neu Delhi fliegen. Doch der Airbus 340 bleibt am Boden. Der Grund: technische Probleme. Sie muss auf den grauen Truppentransporter „Kurt Schumacher“ ausweichen, einer Maschine ohne Besprechungsraum oder Schlafkabine für die Kanzlerin.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sitzt Anfang April diesen Jahres in der chinesischen Stadt Changsha fest, verpasst den Auftakt des Treffens der G7-Außenminister in Tokio. Beim Airbus 340 „Konrad Adenauer“ ist ein kleiner Motor kaputt, der für die Spritversorgung erforderlich ist. Mit mehr als acht Stunden Verspätung hebt die Maschine schließlich ab.

Am 1. Mai sitzt Steinmeier in dem Airbus 340, der ihn ins afrikanische Mali bringen soll. Die Maschine rollt zur Startbahn, beschleunigt – dann platzt ein Reifen.

„Bei der Wartung ist sicher noch viel Luft nach oben“

Tobias Lindner, Verteidigungsexperte der Grünen, hat die Wartung als größtes Problem ausgemacht. „Die Flugbereitschaft der Bundeswehr hat trotz der neuen Maschinen erhebliche Probleme“, sagte Lindner dieser Redaktion. „Bei der Wartung ist sicher noch viel Luft nach oben.“ Zivile Luftgesellschaften, die über die gleichen Maschinen verfügten, hätten nicht so viele Pannen. Lindners Fazit: „Vielleicht sollte die Bundeswehr die Wartung an einen zivilen Anbieter übertragen – und nicht alles selbst machen.“

Es ist noch unklar, ob Thomas de Maizière zum EM-Halbfinale fliegt. Gern würde der Innenminister das Spiel gegen Frankreich sehen. Doch sein Terminkalender ist am Donnerstag ziemlich voll. Vormittags muss er das Integrationsgesetz im Bundestag verteidigen. Danach reist er zur Konferenz der europäischen Innenminister nach Bratislava. Wenn dann noch Zeit bleibt, fliegt er nach Marseille – falls die Maschine der Flugbereitschaft startklar ist.