Brexit

Briten fragen verstärkt nach deutscher Staatsbürgerschaft

Viele Briten sorgen sich um die Zukunft – auch die, die in Deutschland leben. Ämter registrieren mehr Anfragen für deutsche Papiere.

Immer mehr in Deutschland lebende Briten interessierten sich nach dem Brexit-Votum für die deutsche Staatsbürgerschaft.

Immer mehr in Deutschland lebende Briten interessierten sich nach dem Brexit-Votum für die deutsche Staatsbürgerschaft.

Foto: Imago

Berlin.  In Deutschland lebende Briten interessieren sich verstärkt für eine deutsche Staatsbürgerschaft. Seit dem Brexit-Referendum verzeichnen deutsche Ämter einen Anstieg entsprechender Anfragen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in deutschen Städten ergab. So stehen bei der Einbürgerungsbehörde in Stuttgart die Telefone nicht mehr still, wie eine Sprecherin mitteilte. Es habe mehr als 50 Anfragen von britischen Staatsangehörigen zur Einbürgerung gegeben, sagte die Sprecherin. Erste Anträge seien bereits abgeholt worden.

Zum Vergleich: Seit dem 1. Januar 2000 sind in Stuttgart insgesamt 70 Einbürgerungsanträge von britischen Staatsangehörigen gestellt worden – davon 14 seit Anfang dieses Jahres. Deutschlandweit lebten zuletzt (2015) nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 106.000 Menschen aus dem Vereinigten Königreich (England, Wales, Schottland und Nordirland) in der Bundesrepublik.

Anfragen schon vor dem Referendum

Auch Ämter in Nordrhein-Westfalen verzeichnen ein steigendes Interesse britischer Bürger an deutschen Pässen. „Derzeit gehen täglich bis zu zehn telefonische Anfragen ein“, sagte eine Sprecherin der Stadt Köln. Bereits vor dem Brexit-Votum vom vergangenen Donnerstag sei ein gestiegenes Interesse am deutschen Pass spürbar gewesen. Im ersten Halbjahr 2016 habe es 40 persönliche Beratungsgespräche zur Einbürgerung gegeben. Im Gesamtjahr 2015 dagegen seien es fünf Beratungsgespräche in Köln gewesen.

In Hamburg steigt unter den dort lebenden Briten das Interesse an deutschen Papieren ebenfalls spürbar. Die dem eigentlichen Einbürgerungsantrag vorgelagerten Beratungsgespräche hätten deutlich zugenommen, sagte ein Sprecher. In ehemaligen britischen Garnisonen wie in den niedersächsischen Städten Hameln, Celle oder Bergen-Hohne zeigten sich Bürger von der Insel bislang zurückhaltend: Die Ämter verzeichneten noch keine entsprechenden Anfragen.

In Hessen haben seit Jahresanfang 2016 bereits mehr als 100 Briten Nägel mit Köpfen gemacht: Sie haben nach Auskunft des Darmstädter Regierungspräsidiums die deutsche Staatsbürgerschaft schon beantragt. Das Kreisverwaltungsreferat in München berichtete von mindestens 20 Anfragen pro Tag.

SPD bringt doppelte Staatsbürgerschaft ins Spiel

Bei der Volksabstimmung in Großbritannien hatte vor anderthalb Wochen eine Mehrheit der Wahlberechtigten für ein Ausscheiden des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Während ältere Menschen eher für den Brexit stimmten, sprachen sich viele junge Briten für einen Verbleib aus. SPD-Chef Sigmar Gabriel warb am vergangenen Samstag dafür, auf junge Briten zuzugehen. Dafür brachte Gabriel eine doppelte Staatsbürgerschaft ins Spiel. „Lasst sie uns auch den jungen Briten anbieten, die in Deutschland, Italien oder Frankreich leben, damit sie EU-Bürger bleiben können“, forderte der Parteivorsitzende.

(dpa)