Justiz

Mordfall wird nach Radio-Podcast „Serial“ neu aufgerollt

Nach 16 Jahren im Gefängnis könnte der wegen Mordes verurteilte Amerikaner Adnan Syed nun wieder frei kommen – dank eines Podcasts.

Adnan Syed hat immer beteuert, seine Ex-Freundin nicht umgebracht zu haben. Seit 16 Jahren sitzt er aber im Gefängnis.

Adnan Syed hat immer beteuert, seine Ex-Freundin nicht umgebracht zu haben. Seit 16 Jahren sitzt er aber im Gefängnis.

Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS

Baltimore.  Es gibt wenige Mordfälle, über die in Amerika mehr bekannt ist als über Adnan Syed und Han Min Lee. Die US-Journalistin Sarah Koenig hat den ominösen Fall des im Jahr 2000 in Baltimore des Mordes an seiner Freundin für schuldig befundenen Pakistani in ihrer preisgekrönten Hörfunk-Podcast-Reihe „Serial“ aufgegriffen. Seither haben weltweit 100 Millionen Fans ebenso gebannt wie süchtig zugehört, wie Koenig die vielen Ungereimtheiten rund um den seit 16 Jahren im Hochsicherheitsgefängnis des Bundesstaates Maryland einsitzenden Mann und ähnlicher Fälle in einem beispiellosen akustischen Kaleidoskop freigelegt hat.

Mit Hilfe einer neuen Erzählform aus investigativem Journalismus, Augenzeugenberichten, Original-Interviews mit Tatbeteiligten und emotionalen Ton-Collagen gab Koenig ihren Zuhörern das Gefühl, sie seien live bei den (Nach)-Ermittlungen dabei. Seit gestern steht fest, dass „Serial“ eine sensationelle Fortsetzung in der Realität findet. In Baltimore verfügte Richter Martin Welch die Neuauflage des Prozesses.

Adnan Syed, der seit Tag eins seine Unschuld beteuert, sei Unrecht widerfahren, sagte der Richter. Seine damalige Anwältin, die inzwischen verstorbene Cristina Gutierrez, habe bei der Beweiserhebung und Verteidigung Fehler gemacht.

Entlastungszeugen nicht ausreichend gewürdigt

In den einschlägigen Internetforen, in denen nach den von der US-Radioshow „This American Life“ produzierten „Serial“-Episoden wochenlang leidenschaftlich im Stil von Hobby-Kommissaren die Ermittlungsergebnisse diskutiert und ergänzt wurden, war die Reaktion einhellig: „Endlich!“ Das Gericht hatte sich bei der Verurteilung in erster Linie auf Jay, einen langjährigen Freund Syeds, gestützt. Entlastungszeugen wurden nicht ausreichend gewürdigt.

Koenigs Projekt, im Internet unter serialpodcast.org millionenfach heruntergeladen und längst preisgekrönt, hat den Druck auf die Justiz immer größer werden lassen. Das Gericht in Baltimore wies den Zusammenhang zwar zurück. Aber, so Leser der Lokalzeitung Baltimore Sun, „ohne ,Serial’ säße Adnan Syed wahrscheinlich bis an sein Lebensende weiter hinter Gittern.“