Technologie

Die Roboter von heute können fast alles – außer Fußball

Roboter können sich bewegen, sprechen, sie helfen alten Menschen und heben schwere Sachen. Nur mit Deutschlands Volkssport hapert’s noch.

Künstliches Kicken beim „Robocup“ in Leipzig“: Irgendwann soll ein Roboter den amtierenden Fußball-Weltmeister schlagen.

Künstliches Kicken beim „Robocup“ in Leipzig“: Irgendwann soll ein Roboter den amtierenden Fußball-Weltmeister schlagen.

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Leipzig.  Der Ball liegt kaum auf dem Abstoßpunkt, da lMäuft die „Nummer drei“ mit blauem Shirt schon darauf zu. Auf dem Weg zum Tor reißt der Roboter den Gegner zu Boden. Es steht 5:0 für Chile – und der am Boden liegende Roboter bäumt sich wie zu einer Yoga-Figur, knickt mit den Knien ein und stützt sich mit einer Hand auf: Dann steht er wieder – und trippelt weiter.

Zum 20. Mal findet gerade in Leipzig der „Robocup“ statt. Es ist eine Art weltweite Leistungsschau der Wissenschaftler, die sich mit Robotern beschäftigen. In 17 verschiedenen Disziplinen müssen sich die computergesteuerten Wesen beweisen. Es gibt Wettbewerbe für Rettungsmissionen in Labyrinthen, für Lagerroboter. Auch in der Medizintechnik werden Roboter eingesetzt. Rund 3500 Teilnehmer aus 45 Ländern nehmen am „Robocup“ teil.

Organisationschef Gerhard Kraetz­schmar ist bewusst, dass die prominente Fußballdisziplin die meisten Zuschauer anzieht, aber auch oft belächelt wird. „Aber wenn jemand den Menschen vor 100 Jahren gesagt hätte, wir fliegen eines Tages zum Mond, hätten die auch gelacht.“ Das Ziel ist seit dem ersten „Robocup“ im Jahr 1997 klar gesetzt: „Wir wollen“, sagt Kraetzschmar, „bis 2050 einen Roboter bauen, der den amtierenden Fußballweltmeister schlagen kann.“

In Japan arbeiten Roboter in Altenheimen

Von dem Ziel sind die Roboterbauer noch ein ganzes Stück entfernt. Dafür sind sie an anderer Stelle viel weiter. Nicht nur in der Industrie können Roboter inzwischen „lernen“, bessere Löcher zu bohren, auch in der Medizin sorgen sie schon jetzt dafür, bessere Blutbilder von Menschen herzustellen. Doch auch im Alltag kommen sie immer mehr an: In Japan wurde der Roboter Pepper seit vergangenem Herbst 18.000 Mal verkauft. Der einen Meter hohe, weiße Roboter erklärt Kunden, wo sie Dinge im Geschäft finden und wo die Toilette ist. Oder er steht in Altenheimen und hört sich Geschichten von früher an.

Es ist die andere Zukunft von Robotern, die sich hier zum ersten Mal in Deutschland einer großen Öffentlichkeit präsentiert. Seine Macher von NoDNA führen begeistert vor: Pepper kann Gesichter erkennen, Befehle befolgen – und tanzen kann er auf Befehl. Robert Dotzauer von NoDNA erklärt, dass Pepper eines Tages auch die Sekretärin ersetzen könnte. „Er kann Termine planen und wenn er mit dem System der Firma verbunden ist, automatisch E-Mails an Mitarbeiter sende.“ Die Batterien halten zwölf Stunden – also wie eine Schicht in einem Geschäft.

Moralische Bedenken

Max Schwarz kennt auch das moralische Problem. Er ist 24 Jahre alt, aber kommt seit zehn Jahren zum „Robocup“: Mexiko, Eindhoven, Brasilien. „Ich fand Shanghai am besten.“ Jetzt studiert Max Schwarz in Bonn „Computer Science“ – auf Englisch. „Ein bisschen komisch fühlt man sich schon“, sagt er, „wenn man dafür sorgt, dass Menschen vielleicht durch unsere Arbeit ihren Job verlieren.“ Aber er sagt sich, dass die Menschen sich dann auch weiterentwickelten und nicht mehr so langweilige Arbeiten erledigen müssten.

Das Team von Max Schwarz aus Bonn nimmt an der „Pick-up-Challenge“ teil, die von einem großen Onlineversandhaus veranstaltet wird. Ihr Roboter kann Flaschen, Bücher und sogar eine schwere Hantel aus dem Regal wegtransportieren. Die Objekte sind vom Versandhaus vorgegeben: kantig, klein, groß, schwer – oder rund wie ein Fußball.