Viernheim

Amokalarm in hessischem Kino

Bewaffneter von SEK erschossen. Offenbar handelt es sich um einen verwirrten Einzeltäter

Viernheim. „Ice Age – Kollision voraus“ prangt auf dem Plakat über dem Eingang zum „Kinopolis“ in Viernheim. Doch was sich am gestrigen Donnerstagnachmittag in dem Kinocenter in der südhessischen Stadt abgespielt hat, ist keine Fiktion. Ein Mann war mit einem Gewehr in den Komplex eingedrungen und hatte Geiseln genommen. Die angerückte Polizei erschoss den Täter. Entgegen ersten Berichten wurde sonst offenbar niemand verletzt.

Nach Angaben eines Sprechers der Polizei Darmstadt hat die Tat vermutlich keinen islamistischen Hintergrund. Bei dem Mann soll es sich um einen verwirrten Einzeltäter gehandelt haben, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gab es weder Hinweise auf einen islamistisch-terroristischen Hintergrund noch auf Mittäter. Die Identität des Täters war am Abend noch unklar.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt übernahm die Ermittlungen. Zu Berichten, wonach neben der Leiche des Täters eine Handgranate und ein Sprengstoffgürtel gefunden worden sein sollen, wollte sich die Behörde nicht äußern. Somit blieb unklar, ob sie der Täter tatsächlich dabei hatte und ob es sich um echte Waffen oder Attrappen handelte.

Noch unklar war am Abend auch, wie viele Geiseln der maskierte Täter genommen hatte. „Ich gehe aufgrund der Witterung davon aus, dass das Kino spärlich besetzt war“, sagte der Polizeisprecher weiter. Seines Wissens nach habe der Geiselnehmer vier Schüsse abgegeben, bevor er getötet wurde. Wo genau sich dies in dem Komplex abspielte, war nicht bekannt.

Täter zielte mit Waffe auf den Kopf von Kino-Mitarbeiter

Die Gegend um das Kino war am späten Nachmittag weiträumig abgesperrt. Hubschrauber kreisten über dem Gelände, schwerbewaffnete Polizisten waren vor Ort. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) war mit einem Hubschrauber von Frankfurt nach Viernheim geeilt. Gegen 18 Uhr teilte die Polizei dann mit, die Bedrohungslage in dem Kinocenter sei beendet.

Von der Polizei hieß es weiter, die Beamten hätten den Mann in dem Kinokomplex orten können, dann sei es zu „einer Bedrohungssituation“ gekommen. Daraufhin seien von der Polizei Schüsse abgegeben worden.

Dem 21-jährigen Kino-Mitarbeiter Guri Blakaj steht der Schreck am frühen Abend noch ins Gesicht geschrieben. „Wenn man eine Waffe an den Kopf bekommt, hat man Angst“, erzählt er. Nach Blakajs Schilderung war den Mitarbeitern am Nachmittag ein Mann mit Sturmhaube und einer langen Waffe aufgefallen. Dann habe der Mann die Angestellten gefragt, ob die Türen zu seien. Blakaj habe sie geschlossen. „Die letzte Tür hat geklemmt, da hat er mit der Waffe direkt auf meinen Kopf gezielt.“ Geld habe er nicht gewollt. Der Täter habe ihn dann nach oben in die Personalräume geschickt. Im Aufzug habe er gehört, wie auf einen Kollegen geschossen wurde. Dieser sei aber unverletzt geblieben. Zu der Zeit hätten sich etwa 30 bis 40 Menschen in dem Kino aufgehalten.

Durch die Überwachungskamera hätten er und seine Kollegen verfolgt, wie der Täter durchs Foyer gelaufen sei. Er habe verwirrt gewirkt. Wie die Polizei ihn überwältigte, habe er nicht mitbekommen. Den Täter beschreibt Blakaj als „klein, schwarzhaarig und 18 bis 22 Jahre alt“.

Oguzhan Türk, Verkäufer in einem Geschäft neben dem Kino, erinnert sich, wie eine Kinomitarbeiterin mit Panik im Blick in sein Geschäft gelaufen kam. „Ich wurde mit einer Waffe bedroht!“, habe sie gerufen und von einem Überfall gesprochen. „Rufen Sie sofort die Polizei“, schildert er ihre Worte. Sie sei „sehr geschockt“ gewesen. „Die hat gezittert, mit der konnte man gar nicht mehr reden.“