Amoklauf

Neue Wende im Fall Orlando: Massaker aus Rache an Schwulen?

Was steckt wirklich hinter dem Massaker von Orlando? Ein geheimnisvoller Zeuge sagt: Der Täter war selbst schwul und tötete aus Rache.

Omar Mateen, der Todesschütze von Orlando. Über das Motiv für seine Tat wird weiter spekuliert.

Omar Mateen, der Todesschütze von Orlando. Über das Motiv für seine Tat wird weiter spekuliert.

Foto: HANDOUT / REUTERS

Washington.  Die Theorie, wonach der Massenmörder von Orlando homosexuell war und vorwiegend aus Hass auf Schwule gehandelt haben könnte, hat durch ein spektakuläres Fernseh-Interview Auftrieb bekommen. Univision, Amerikas größter spanischsprachiger TV-Sender, hat einen Mann ausführlich zu Wort kommen lassen, der sich als früherer Sex-Partner des Amokläufers Omar Mateen beschreibt, der in dem Nachtclub „Pulse“ am 12. Juni 49 Menschen erschoss und am Ende bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam. „Ich glaube nicht, dass Terrorismus sein Motiv war, meiner Meinung nach war es Rache“, sagte der als „Miguel“ zitierte Mann, dessen Identität aus Sicherheitsgründen mit einer Gesichtsmaske verschleiert wurde.

Demnach soll Mateen nach einem Sex-Abenteuer mit zwei Männern aus Puerto Rico erfahren haben, dass einer seiner Partner mit HIV infiziert war. Mateen sei darüber sehr besorgt gewesen. Ein Test habe erst nach Monaten ergeben, dass er sich nicht angesteckt habe. Mateen, so Miguel, habe angekündigt, sich für das, was ihm angetan worden sei, zu rächen.

Hatte der Täter panische Angst vor seinem Vater?

Der von der Bundespolizei FBI bereits drei Mal vernommene Zeuge sagte im Gespräch mit der Moderatorin Maria Elena Salinas, dass Omar Mateen eine liebesbedürftiger Mann war, der panische Angst davor hatte, dass sein Vater von seinem Schwulsein erfährt. Seeddique Mateen, ein aus Afghanistan eingewanderter Polit-Aktivist, hatte unmittelbar nach dem Amoklauf seines Sohnes in sozialen Netzwerken geschrieben, dass nicht der Mensch, sondern „Gott für die Bestrafung von Homosexuellen zuständig ist“.

Laut Miguel, der mit Mateen bis Dezember 2015 eine sexuelle Beziehung unterhalten haben will, fühlte sich der Attentäter zu dunkelhäutigen Latinos hingezogen. „Aber er wurde oft zurückgewiesen.“ Mateens Frau habe gewusst, dass ihr Mann regelmäßig Schwulen-Bars aufsuchte. Die Ehe sei nur Fassade gewesen, da Mateen „zu 100 Prozent schwul war“.

Ermittler schließen noch kein Motiv aus

Miguel betonte, dass Mateen während ihrer Beziehung keine Anzeichen für eine Hinwendung zum radikalen Islamismus gezeigt habe. Dagegen steht, dass der 29-Jährige während des Massakers in Gesprächen mit der Polizei dem „Islamischen Staat“ (IS) die Treue schwor und seine Tat unter anderem als Vergeltung für US-Militäreinsätze in Syrien und im Irak verstanden wissen wollte. Außerdem fand das FBI heraus, dass Mateen im Internet häufiger Seiten mit radikal-islamistischen Inhalten aufgerufen hatte.

Einige Ermittler gehen von der Arbeitsthese aus, dass Mateen seiner möglicherweise auf homosexuellen Identitätsproblemen fußenden Gewalttat nur einen politisch-religiösen Anstrich geben wollte. US-Justizministerin Loretta Lynch wollte sich bei einem Besuch in Orlando nicht festlegen: „Ich schließe zum jetzigen Zeitpunkt kein Motiv aus.“