Fernsehbilder

Heute verpassen Sie keine Szene beim Deutschland-Spiel

Das ZDF will sich nicht auf das „Weltsignal“ der Uefa verlassen und bringt eigene Kameras ins Stadion. So sollen Fans nichts verpassen.

Egal ob beim Public Viewing oder Zuhause: Das ZDF will für vollständige Berichterstattung beim Deutschlandspiel gegen Polen sorgen.

Egal ob beim Public Viewing oder Zuhause: Das ZDF will für vollständige Berichterstattung beim Deutschlandspiel gegen Polen sorgen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Paris.  Das ZDF reagiert auf die Diskussion um die Zensur des Fernsehbildes bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Nachdem der Europäische Fußballverband Uefa in gleich mehreren Vorrundenspielen wichtige Szenen geschnitten oder ausgeblendet hat, will sich der TV-Sender beim zweiten Gruppenspiel von Weltmeister Deutschland gegen Polen an diesem Donnerstag nicht mehr nur auf das „Weltsignal“ des europäischen Fußballverbandes verlassen.

Bei der Partie am Donnerstagabend um 21 Uhr werden deshalb zehn eigene Live-Kameras des ZDF im Stade de France in Paris eingesetzt. So kann das Zweite das von der Uefa angebotene Weltbild ergänzen und überspielen, falls die Regie der Uefa wichtige Szenen ausblendet. „Wir haben nur bei den deutschen Spielen eine ausreichende Zahl von Live-Kameras im Einsatz, um alles abdecken zu können“, berichtete ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.

ARD und ZDF hatten sich nach der Partie zwischen Russland und England in Marseille über die Bildauswahl bei der UEFA beschwert. So hatte die Uefa Aufnahmen von Hooligan-Krawallen auf den Tribünen einfach ausgeblendet. Offizielle Begründung: Man wolle Gewalttätern keine Bühne bieten. Nur aus den Worten von Kommentator Oliver Schmidt erfuhren die Fernsehzuschauer, welche Szenen sich auf den Rängen abspielten. Die ARD konnte aber diese Bilder nicht zeigen – und stellte Eindrücke der Szenen zumindest später ins Netz.

Auch der Flitzer bei der Partie Kroatien gegen die Türkei war in der ARD kaum zu sehen, weil die Uefa es so wollte. Die Szene hatte sich unmittelbar vor einem Kameramann abgespielt, wie ein getwittertes Foto eindrucksvoll zeigte. Doch im Fernsehen war dieser Moment kaum nachzuvollziehen, weil die Uefa schnell auf die jubelnden Kroaten auf der Tribüne umschwenkte.

ARD und ZDF hatten sich nach diesen Vorfällen offiziell bei der Uefa beschwert. Am Montag gab es bei den öffentlich-rechtlichen Sendern dann wohl auch noch Hoffnung, dass sich die Umstände bessern würden. „Wir gehen davon aus, dass wir alle relevanten Bilder bekommen“, sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Doch von der Uefa ist stets nur zu hören: „Wir wollen nicht, dass Szenen von Gewalt im Fernsehen zu sehen sind.“

Das ZDF hat vermutlich auch aufgrund dieser Haltung der Uefa reagiert und setzt auf eigene Technik. Der Fernsehzuschauer kann deshalb davon ausgehen, dass er am Donnerstagabend keine Szene verpasst – ob auf oder neben dem Spielfeld. (ac/law/dpa)