Brückeneinsturz

Tödlicher Unfall: A7-Brücke wird untersucht wie ein Tatort

An einer Baustelle an der A7 in Bayern ist eine Brücke zum Teil eingestürzt. Ein Mensch starb. Der Ort erinnert an einen Bombenangriff.

Werneck.  Bei dem Einsturz des neu gebauten Brückenteils in Unterfranken sind am Mittwoch ein Bauarbeiter ums Leben gekommen und weitere elf schwer verletzt worden. Diese aktuellen Zahlen teilten Polizei und Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) am Donnerstag übereinstimmend mit. Die Identität des beim Brückeneinsturz in Unterfranken getöteten Bauarbeiters ist auch geklärt. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, handelt es sich um einen 38 Jahre alten Mann aus Kroatien.

Unklarheit gibt es noch zur Zahl der Leichtverletzten: Während das BRK die Zahl von zehn Leichtverletzten nannte, sprach die Polizei von nur drei leicht verletzten Bauarbeitern und einem Schaulustigen, der mit seinem Motorrad gestürzt sei. Am Mittwochnachmittag war ein frisch betoniertes Teil der neuen Brücke für die viel befahrene Autobahn 7 bei Werneck abgestürzt und hatte ein Gerüst mitgerissen.

Die Ursache ist weiterhin ungeklärt. Die Baustelle ist inzwischen gesichert, sie würde nun behandelt „wie ein Tatort, an dem nichts verändert werden kann“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken in der Nacht zum Donnerstag. Nachdem der Rettungseinsatz am Mittwochabend beendet worden ist, gehen die Ermittler davon aus, dass sich unter den Trümmerteilen keine Menschen mehr befinden. Der Unglücksort gleicht nach Angaben von Augenzeugen dabei einer Szene aus einem Kriegsgebiet.

Ein Strang von Metallstäben läuft von dem Brückenpfeiler 20 Meter in die Tiefe – hinab zu den Trümmern der Fahrbahn, die auf dem Boden liegen. Aus dem Betonpfeiler gegenüber ragen Metallstreben wie aus einer Pusteblume heraus. Dazwischen ein Trümmerfeld von Schutt, verbogenen Absperrungen und Gerüststäben – „wie wenn ein Gebäude gesprengt worden wäre“, sagte ein Augenzeuge. Auf einer Wiese neben der Autobahn landeten und starteten am Mittwochabend fortlaufend Rettungshubschrauber. Insgesamt waren mehr als 150 Helfer von Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk im Einsatz.

Einsatzkräfte beginnen mit Ultraschall-Ortung

Die Talbrücke Schraudenbach nahe Werneck (Landkreis Schweinfurt) wird seit 2015 neu gebaut, danach soll die alte Brücke abgerissen werden. Kurz nach 16 Uhr stürzte ein frisch betoniertes, komplettes Bauteil der neuen Brücke in die Tiefe. 40 Meter Fahrbahn zwischen zwei Pfeilern brachen ein. Zu dieser Zeit arbeiteten nach Angaben der Polizei rund 20 Menschen auf der Baustelle. Viele von ihnen wurden verschüttet, als die Betonmassen zusammenbrachen. Niemand wollte am Mittwoch spekulieren, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

Am Mittwochabend hatten die Einsatzkräfte mit Ultraschall-Ortung in dem Haufen aus Geröll, Schutt und Stahl nach Vermissten gesucht. Zwei Kräne schwenkten über dem Trümmerfeld. Per Lautsprecher forderte ein Mann: „Achtung, Achtung! Absolute Ruhe an der Einsatzstelle!“ Einsatzkräfte wühlten sich durch den Schutt, auch Hunde waren im Einsatz. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich sehr betroffen über das Unglück: „Den Angehörigen spreche ich mein tiefstes Beileid aus. Den Verletzten wünsche ich eine schnelle Genesung.“

In Bayern muss jede vierte Brücke saniert werden

Gerhard Eck, Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, selbst gelernter Maurer und Leiter eines eigenen Bauplanungsbüros, sagte: „Ich hab’ sowas noch nie gesehen, sowas noch nie erlebt, ein richtiges Trümmerfeld, wie wenn in einem Gebäude die Bomben einschlagen.“ Konsequenzen für andere Baustellen habe das Unglück nicht. Man dürfe jetzt „keine Unsicherheit verbreiten“, sagte Eck. Es müsse sorgsam aufgearbeitet werden, was genau passiert ist. „Wenn’s denn dann Fehler waren, menschliche Fehler, technische Fehler, dann muss das einfach bis ins feinste Detail geklärt sein.“ Danach könne über weitere Konsequenzen gesprochen werden.

Im Januar war bekannt geworden, dass jede vierte Brücke in Bayern saniert werden muss. Bei der Schraudenbach-Brücke an der wichtigen Nord-Süd-Verbindung A7 war mit einem Ersatzneubau schon begonnen worden. Am Mittwoch war es Glück im Unglück, dass der Verkehr noch über die alte Brücke floss. Zeitweise bildete sich lediglich ein Stau durch Schaulustige, die nicht glauben konnten, was nur 25 Meter neben ihnen mit der neuen Brücke passiert war. (dpa)