Sicherheit

Sechs Fragen und Antworten zum Kampf gegen Wohnungseinbrüche

Die Aufklärungsrate bei Wohnungseinbrüchen ist nach wie vor gering. Was hindert die Ermittler? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Zahl der Einbrüche ist in den vergangenen Jahren gestiegen – die Ermittler sind bei ihrer Arbeit mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert.

Die Zahl der Einbrüche ist in den vergangenen Jahren gestiegen – die Ermittler sind bei ihrer Arbeit mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert.

Foto: imago / Jochen Tack

Saarbrücken.  Der Kampf gegen Einbrecher beschäftigt die Politik schon lange. Während die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt, geht die Aufklärungsrate weiter zurück. Das muss sich ändern, findet der Chef der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon (CDU). Der saarländische Ressortchef fordert eine einheitliche europäische Datenbank, um international agierenden Banden schneller das Handwerk legen zu können.

Sechs wichtige Fragen und Antworten zum Thema.

1. Wie groß ist das Problem?

Seit rund zehn Jahren steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche kontinuierlich. Aufgeklärt werden die wenigsten Fälle. Gerade mal rund 15 Prozent waren es bundesweit im vergangenen Jahr. Rund 167.000 Einbrüche und Einbruchsversuche in Häuser und Wohnungen zählte die Polizei. In mehr als vier von fünf Fällen wird kein Tatverdächtiger ermittelt. In den vergangenen Jahren ist die Aufklärungsquote sogar noch gesunken.

2. Wie ist der Anstieg zu erklären?

Die Ermittler führen die Zunahme zu großen Teilen auf kriminelle Banden aus dem Ausland zurück. Nach der Tat schaffen die Täter die Beute oft sofort außer Landes, und Opfer und Ermittler stehen mit leeren Händen da. Das macht eine erfolgreiche Aufklärung schwierig. Ein Großteil der Wohnungseinbrüche in den vergangenen Jahren geht Experten zufolge auf das Konto solcher Banden.

3. Welche Probleme gibt es bei den Ermittlungen?

Ein großes Problem ist, dass organisierte Banden nicht an Landesgrenzen halt machen – nicht an nationalen und auch nicht an internationalen. Das Tatortprinzip macht eine erfolgreiche Aufklärung oft schwierig: zuständig ist die Polizei des Landes, in dem der Einbruch stattgefunden hat. Oft wissen die Beamten nichts von den Einbrüchen in anderen Ländern.

4. Was tut die Politik bereits?

Der Bund hat im vergangenen Jahr 30 Millionen Euro in ein Investitionsprogramm zum Einbruchsschutz gesteckt. Es gibt Zuschüsse zum Material, Handwerkerarbeiten sind steuerlich absetzbar. Hintergrund: Gut 40 Prozent der Einbrüche werden abgebrochen, weil die Täter gestört werden oder nicht ins Haus kommen. Die Innenminister von Bayern und Baden-Württemberg haben 2015 zudem eine länderübergreifende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

5. Wie soll die Situation weiter verbessert werden?

Auch Hessen und Rheinland-Pfalz wollen sich jetzt der Kooperationsvereinbarung von Baden-Württemberg und Bayern anschließen. Das soll auf der Innenministerkonferenz im Saarland offiziell vereinbart werden. Ziel ist es, die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen den Ländern zu verbessern. IMK-Chef Bouillon fordert außerdem eine einheitliche europäische Datenbank zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität.

6. Welche Auswirkungen haben Einbrüche auf die Opfer?

Die Opfer brauchen oft sehr lange, bis sie einen Einbruch verarbeitet haben. Jeder Achte fühlt sich laut Experten danach in seinem Heim nicht mehr sicher und zieht um. Jeder Fünfte bis Sechste leidet auch langfristig unter Ängsten und psychosomatischen Belastungen. (dpa)