Kommentar

Trumps Reaktion auf das Orlando-Attentat ist eine Schande

Nach dem Massaker in Orlando schürt Donald Trump die Ängste der Amerikaner. Sein Verhalten ist unverantwortlich und schändlich.

Donald Trump will US-Präsident werden. Doch nach dem Massaker in Orlando schürt er die Ängste der Amerikaner mit Populismus.

Donald Trump will US-Präsident werden. Doch nach dem Massaker in Orlando schürt er die Ängste der Amerikaner mit Populismus.

Foto: Justin Lane / dpa

Bonn/Washington.  Es war seit Monaten klar, dass ein islamistisch angehauchter Anschlag auf amerikanischem Boden für den dort seit Monaten irrlichternden Präsidentschaftswahlkampf das sein würde, was ein Kanister Benzin für ein loderndes Feuer ist. Und es war auch klar, dass niemand anderes als Donald J. Trump, der schamloseste Präsidentschaftskandidat, den Amerika in Jahrzehnten gesehen hat, keine Sekunde zögern wird, sich als Brandbeschleuniger zu betätigen. Seit Sonntag, seit Orlando sind die Vorhersagen eingetreten.

Anstatt nach dem Massaker auf flüchtige Bewertungen, vorschnelle Schuldzuweisungen und hemdsärmelige Rezepte zur Bekämpfung des Problems zu verzichten, anstatt inne zu halten, Land und Leuten, dort allem der verängstigten Schwulen-und-Lesben-Gemeinde eine Schulter anzubieten, an der man gemeinsam trauern und die Sprachlosigkeit über die monströse Tat des Omar Mateen überwinden kann, verhielt sich Trump erwartungsgemäß: unverantwortlich und schändlich.

Attentäter war nicht unmittelbar gefährlich

Ohne auch im Ansatz den Beweis anzutreten, dass eine pauschale Ausgrenzung von Angehörigen des muslimischen Glaubens die nationale Sicherheit stärken und Tragödien wie die jetzt in einem Nachtclub in Florida geschehene verhindern könnte, zitiert sich Trump selbstvergessen selbst. Er verlangte den Einreisestopp bereits nach dem Anschlag von San Bernardino im vergangenen Dezember und verkaufte schon damals die Menschen damit für dumm.

Für dumm deshalb, weil die logische Konsequenz des Trumpschen Populismus wäre, dass man jeden Muslim in den USA zu einer Bringschuld verdonnern müsste. Überschrift: Weise uns im Detail nach, dass du kein Terrorist bist oder wirst.

Omar Mateen, der Mörder von Orlando, war Amerikaner. Mit allen Rechten und Pflichten. Dass er sich von außen offenbar unbemerkt gegen sein Land gestellt hat, dass er sich die Ideologie der IS-Dschihadisten übergestreift hat wie einen Trainingsanzug, um bei seinem Abgang möglichst viele Unschuldige mit in den Tod zu reißen, kann nur ein Polizeistaat verhindern, der aus einer bestimmten Religionszugehörigkeit auf ein Risiko schließt – und flächendeckende Überwachungsmaßnahmen einleitet. Amerika ist kein Polizeistaat.

Auch darum hat die Bundespolizei FBI nach zwei Verdachtsmomenten Mateen ausgiebig durchleuchtet und danach wieder an der langen Leine laufen lassen. Eine unmittelbare Gefahr ging nicht von ihm aus.

Trump schürt Ängste verantwortungslos weiter

Was Donald Trump im Prinzip vorschlägt, ist eine Gesinnungspolizei, die am Ende potenziell Verdächtige interniert – eine Art Guantanamo light. Das wird eine große Mehrheit der Amerikaner niemals mittragen.

Die Annahme, dass der New Yorker Bau-Unternehmer auf breiter Front von der Katastrophe in Orlando profitieren wird, ist darum etwas übereilt. Gewiss werden in jenen Wählerschichten, die für holzschnittartige Lösungsvorschläge für hochkomplexe Problem empfänglich sind, Trumps Umfragewerte in den nächsten Wochen steigen.

Ein großer Teil der Amerikaner aber wird bald merken, dass Scheinlösungen nicht nur nicht weiterhelfen, sondern die Lage verschlimmern. Hillary Clinton, Trumps Gegenkandidatin am 8. November, hat auch keine Generallösung in der Tasche. Aber sie hat längst begriffen, dass Amerika nicht damit gedient ist, wenn man Ängste verantwortungslos immer weiter schürt.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen