US-Wahlkampf

Wie Donald Trump die Bluttat von Orlando instrumentalisiert

Einreiseverbot für Muslime, Rücktritt von Obama: Bevor Details zur Tat in Orlando bekannt sind, nutzt sie Trump für den Wahlkampf.

Nach dem Attentat von Orlando erneuert US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump seine Warnungen vor dem radikalen Islam.

Nach dem Attentat von Orlando erneuert US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump seine Warnungen vor dem radikalen Islam.

Foto: Andrew Kelly / dpa

Orlando.  Chris Enzo verliert für einen Moment die Fassung, als am späten Sonntagabend keine drei Blocks vom Nachtclub „Pulse“ entfernt der Name Donald Trump fällt. Der junge Geschäftsmann bangt um seinen Freund Rodney. Der ist Barmann am Schauplatz des größten Einzeltäter-Massakers in der amerikanischen Geschichte und hat „drei Kugeln abbekommen“, wie Enzo vor einer Traube von Kameraleuten und Journalisten auf der abgesperrten South Grand Avenue berichtete. Dass der republikanische Präsidentschaftskandidat schon wenige Stunden nach der Schreckensbotschaft von Orlando versucht hat, den Massenmord für sich „nutzbar zu machen“, widert den 27-Jährigen nach eigenen Worten an.

Der Geschäftsmann, der am Dienstag 70 Jahre alt wird, hat sich über sein bevorzugtes Kommunikationsmittel – den Kurzmitteilungsdienst Twitter – früh in die Riege der Ferndiagnostiker eingereiht, die den Amoklauf des 29-jährigen Omar Mateen bereits bewerteten, als noch nichts über die möglichen Hintergründe bekannt war.

Trump erneuerte seine nach dem Amoklauf von San Bernardino im vergangenen Dezember erhobene Forderung nach einem US-Einreiseverbot für Muslime, die nicht in den USA geboren wurden. Das Täter-Paar von damals hatte pakistanische Wurzeln. Dass der Mörder von Orlando in New York auf die Welt kam, amerikanischer Staatsbürger war und nicht vorbestraft, ließ Trump unerwähnt.

Trump verlangt Rücktritt von Obama

Stattdessen rühmte er sich, mit seinen Kassandra-Rufen – „es wird alles noch schlimmer mit dem radikalen Islam, es werden wieder Flugzeuge in Türme fliegen“ – den Nagel auf den Kopf getroffenen zu haben. Noch am Sonntag verstieg sich der Milliardär zu der Formulierung, er „begrüße“ die „Gratulationen“, mit seinen Warnungen vor dem radikalen Islam richtig gelegen zu haben. Er wolle aber keine Glückwünsche. „Ich will Stärke und Wachsamkeit. Wir müssen schlau sein.“ Wie das Massaker von Orlando hätte verhindert werden können, sagte Trump nicht.

Stattdessen ging er die Spitze des Staates frontal an. Weil Präsident Obama „verharmlosend“ darauf verzichtet habe, in seiner Ansprache am Sonntag den „radikalen Islam“ für die Tat verantwortlich zu machen, verlangte Trump den sofortigen Rücktritt des Amtsinhabers. Seine Rivalin im Rennen um die Präsidentschaft, die Demokratin Hillary Clinton, müsse ihre Bewerbung zurückziehen, falls sie die Dinge nicht beim Namen nenne. US-Beobachter gehen davon aus, dass Trump im Bereich innere Sicherheit in den fünf Monaten bis zur Wahl seine Positionen „noch weiter verschärfen wird“.

Pauschales Einreiseverbot verfassungswidrig

Dass die republikanische Partei Trumps auf Ausgrenzung zielende Rhetorik weitgehend stützt, obwohl dessen Forderung nach einem pauschalen Einreiseverbot für Muslime gegen die Verfassung verstößt, liegt am Zuspruch in Teilen der konservativen Wählerschaft. Wenige Forderungen Trumps sind laut Umfragen so populär wie sein Ruf, Angehörigen des islamischen Glaubens bis auf weiteres den Zutritt zu Amerika zu verwehren. Trumps Konkurrentin Hillary Clinton schlug eine andere Tonlage an, versagte sich voreilige Schlüsse und verlangte, dass Amerika seine Anstrengungen „verdoppeln“ müsse, Waffen wie sie Omar Mateen eingesetzt hat, „aus den Fängen von Terroristen und anderen gewalttätigen Kriminellen“ fernzuhalten.

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