Attentat

US-„The Voice“-Kandidatin bei Autogrammstunde erschossen

Vor den Augen ihrer Fans erschoss ein Mann Christina Grimmie und anschließend sich selbst. Täter und Opfer kannten sich offenbar nicht.

Christina Grimmie bei einem Auftritt im September 2015.

Christina Grimmie bei einem Auftritt im September 2015.

Foto: STEVE MARCUS / REUTERS

Orlando.  Der US-„The Voice“-Star Christina Grimmie ist kurz nach ihrem Konzert am Freitagabend in Orlando im US-Staat Florida erschossen worden. Der Schütze eröffnete bei einer Autogrammstunde das Feuer auf die 22-jährige Sängerin. Sie starb in der Nacht zu Samstag an ihren schweren Verletzungen.

Die Polizei forschte am Wochenende nach dem Motiv. Vermutungen gingen dahin, dass der Täter ein geistig gestörter Fan war. Näheren Aufschluss erhoffte sich die Polizei von der Untersuchung seines Telefons und Computers. Die Polizei identifizierte den Täter als einen 27-jährigen Mann: Er sei gezielt aus dem rund zwei Autostunden entfernten St. Petersburg angereist, um die Sängerin zu töten.

Kinder und Jugendliche erleben Tat aus nächster Nähe mit

Grimmie hatte am Freitagabend ein Konzert der Band Before You Exit eröffnet. Dann kam sie im hinteren Teil der Halle mit Fans zusammen und gab Autogramme, als sich der Schütze näherte und feuerte, wie Polizeichef John Mina am Samstag auf einer Pressekonferenz sagte. Der Mann habe zwei Schusswaffen, zusätzliche Magazine und ein Jagdmesser bei sich gehabt.

Grimmies Bruder Marcus konnte den Angreifer überwältigen, daraufhin erschoss sich der Täter selbst, wie Mina schilderte. Die Sängerin starb wenig später in einem Krankenhaus an ihren Verletzungen. Etwa 60 Kinder und Jugendliche hätten die Tat aus unmittelbarer Nähe miterleben müssen, berichten britische und amerikanische Medien. Verletzt worden sei niemand.

Bruder verhindert möglicherweise Schlimmeres

Das Eingreifen von Grimmies Bruder habe möglicherweise weiteres Blutvergießen verhindert, sagte der Polizeichef. Über das mögliche Motiv sagte Mina zunächst lediglich: „Es sieht danach aus, dass es der Mord einer verwirrten Person war.“ Es gebe keine Hinweise darauf, dass sich Täter und Opfer persönlich gekannt hätten.

Die Familie des Angreifers hängte einen Zettel an die Tür ihres Hauses in St. Petersburg, wie US-Medien berichteten. Darauf war zu lesen: „Tiefstes Beileid der Familie, den Freunden und Fans der sehr talentierten, geliebten Christina Grimmie. Keine weiteren Kommentare.“

Pop-Experten sahen in Grimmie ein großes Talent. Sie wurde 2014 als Finalistin im NBC-Wettbewerb „The Voice“ einem breiteren Publikum bekannt, schaffte es auf den dritten Platz und wurde danach immer populärer. Grimmies YouTube-Fangemeinde wuchs auf drei Millionen Menschen an. Ihr Coversong „Just A Dream“ mit dem Sänger Sam Tsui wurde auf YouTube weit über 100 Millionen Mal geklickt. Viele von ihnen äußerten am Wochenende Entsetzen und Trauer. Tsui postete: „Ich habe keine Worte für diesen Verlust, nur Musik“ und veröffentlichte einen Abschiedssong. Unter den Hashtags #RIPChristinaGrimmie und #RIPChristina sprechen die Fans auf Twitter ihre Anteilnahme aus. (jkali/dpa)