Auktion

Hitlers Socken und Görings Unterhose werden versteigert

In München werden Relikte von Hitler und anderen Nazigrößen versteigert. Das Auktionshaus wehrt mögliche Kritik schon vorher ab.

Socken von Adolf Hitler, „mächtige“ Unterhose von Herrmann Göring: Ein Münchner Auktionshaus sucht dafür einen Markt.

Socken von Adolf Hitler, „mächtige“ Unterhose von Herrmann Göring: Ein Münchner Auktionshaus sucht dafür einen Markt.

Foto: FMG

München.  Sie sind schwarz, nicht braun: Adolf Hitlers Socken stehen in München zum Verkauf, ebenso wie eine Unterhose von Hermann Göring, jeweils für mindestens 500 Euro. Ein auf Memorabilia und historische Objekte spezialisiertes Auktionshaus in München bringt Teile dessen auf den Markt, was ein verschrobener Sammler angehäuft hatte. „Hitler und die Nazi-Granden – ein Blick in den Abgrund des Bösen“ betitelt Hermann Antica die Auktion.

Am Donnerstag war der Katalog mit den Nazi-Erinnerungsstücken nur zugänglich für Kunden und Museen nach Registrierung. Die FAZ zitierte aber freimütig daraus. Über Görings monogrammbestickte „mächtige Unterhose aus feiner, leichter, heller Seide“ mit Bundweite 114 Zentimeter heißt es: „Bund mit dunkelblauen Vorstößen abgesetzt und dreimal geknöpft, (...) der Schritt nur einmal geknöpft.“

Auktionshaus will sozialen Frieden nicht stören

Auch auf der Seite des Auktionshauses wird deutlich, dass Hitlers Feldhemd, Kleider von Eva Braun, Görings Zyankalidöschen und die Stricke von der Hinrichtung von Wehrmachts-Befehlshaber Wilhelm Keitel brisante Objekte sind. Das Auktionshaus versichert, man wolle nicht den sozialen Frieden oder Gefühle verletzen. Die englische Presse hat sich bereits in breiter Front auf die Auktion gestürzt.

Wegen der „Ambivalenz des Themas“ und der „Gefahr, falsch verstanden zu werden“ sowie der Sorge vor „unerwünschten Interessenten“ äußert sich das Auktionshaus nicht öffentlich. Man sei sich aber der verhängnisvollen deutschen Geschichte von 1933 bis 1945 völlig bewusst; „Hermann Historica lehnt strikt alle neonazistischen und nationalsozialistischen Strömungen ab.“ Den öffentlichen Handel verteidigt das Auktionshaus auch damit, dass eine Tabuisierung zu einem intransparentem Markt führen würde, man helfe also Museen. Am 17. Juni können die Objekte besichtigt werden, am 18. werden sie versteigert.

Das Auktionshaus spricht davon, man vermittele nur „unter strengen Auflagen“ und nur an „ernsthafte Sammler“ – deren Motive das Auktionshaus im Einzelfall aber sicher nicht kennt. Wer den Zuschlag erhält, verpflichtet sich, „Gegenstände der deutschen Zeitgeschichte nur sozialadäquat im Sinne der §§ 86 a, 86 StGB zu erwerben“. Diese Paragrafen regeln das Verwenden der Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Objekte stammen von manischem Sammler

Die Relikte stammen aus dem Besitz des US-Amerikaners John K. Lattimer, der als Militärarzt bei den Nürnberger Prozessen vielleicht nicht immer rechtlich einwandfrei in den Besitz der Habseligkeiten einiger Nazi-Größen gelangte und sich auch die Stricke vom Erhängen der Verbrecher sicherte. 500 Euro Mindestpreis sind gefordert für 6,5 Zentimeter lange Abschnitte.

Zu Lattimers Tod 2007 schrieb die New York Times, dass seine 30-Zimmer-Villa einem Militärmuseum glich. Unter den Exponaten war auch eine angebliche Hinterlassenschaft Napoleons – Urologieprofessor Lattimer zumindest äußerte keine Zweifel, 1969 bei einer Auktion tatsächlich dessen Penis gekauft zu haben. Von Hitler hatte er Röntgenaufnahmen, die auch Gegenstand der Auktion sind. Aufgerufen werden auch Krawatten und ein Hundesteuerbescheid Hitlers. Sammelleidenschaft soll Lattimer schon als Kind besessen haben, zur Besessenheit wurde sie dem Artikel zufolge, als er im Zweiten Weltkrieg in der Normandie Hunderte Verletzte behandelte.

Gefängnis-Stuhl wurde für 7200 Euro verkauft

Die FAZ zitiert Alexander Schmidt vom „Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“ in Nürnberg, der Handel mit Hinterlassenschaften aus der NS-Zeit bewege sich in einem „durchaus problematischen Umfeld“. Im Nürnberger Dokumentationszentrum werden regelmäßig Nazi-Relikte von Privatpersonen abgegeben, die damit verhindern wollen, dass sie in den Handel und schließlich in die rechtsradikale Szene gelangen. Ein Experte des Deutschen Historischen Museums kritisiert, Auktionen wie die in München, aber auch die Berichterstattung darüber ließen es „begehrens- und erstrebenswert erscheinen, Realien aus dem Leben von Nazigrößen privat zu besitzen“.

Und in der Vergangenheit hat das Auktionshaus diese Erfahrung offenbar schon gemacht: Dort gingen immerhin auch schon Servietten von Hitler für 480 Euro und der Stuhl seiner Zelle in Landsberg für 7200 Euro weg. Diesmal erwartet das Auktionshaus mindestens 170.000 Euro Umsatz.