Neubau

Königspaar erzürnt das Volk

Carl Gustav fordert Baustopp für Nobel-Zentrum gegenüber dem Stockholmer Schloss

Stockholm.  Es ist ein Albtraum für die Architekten, die Stadtregierung und das Planungsamt. Auf der Halbinsel Blasieholmen gegenüber der Stockholmer Altstadt und dem Königsschloss soll in diesem Jahr der Bau am Nobel-Zentrum beginnen. Bis 2019 soll der in Goldfarben leuchtende Prunkkasten aus Messing und Stahl fertig sein. Dann wird er Veranstaltungen zur jährlichen Vergabe der Nobelpreise beherbergen. Doch ausgerechnet Schwedens König Carl Gustaf, der die Nobelpreise übergibt, fordert nun öffentlich den Baustopp.

Der Bau sei zu groß, habe die falsche Farbe und den falschen Ort, verkündet der Monarch öffentlich. „Es muss doch nicht so gigantisch sein. Das kann man verkleinern.“ Auch findet der Monarch es schade, dass das kleine, aber alte königliche Zollhaus dem Neubau weichen soll. Stattdessen könne man doch ein Restaurant einziehen lassen. Königin Silvia verlangt sogar: „Man sollte eine Volksabstimmung abhalten.“

Die königliche Einmischung erzürnt nun die Monarchiegegner. Die Befürworter – oft wohlhabende Bürger, die nahe dem geplanten Nobel-Zentrum wohnen – klatschen Beifall. Auch sie haben Angst um ihre schöne Aussicht. „Wenn der König eine Volksabstimmung fordert und den Bauort verändern will, ist das in höchstem Grad eine bedenkliche Einmischung in demokratische Prozesse“, konterte Roger Mogert, Chef für Städtebaufragen der rot-grünen Stadtregierung in SVT. „Es ist sehr merkwürdig, dass der König Lokalpolitik betreiben können darf“, so Mogert. Doch von König Carl Gustaf ist man in Schweden schon einiges gewöhnt. So hatte er 1989 öffentlich Norwegens Regierungschefin im Zusammenhang mit der Robbenjagd angeprangert. Damit löste er zwar eine kleinere diplomatische Krise zwischen den Nachbarländern aus, erntete aber Beifall von Tierschützern. Irritation rief er hervor, als er ein Badewannenverbot für Schweden gefordert hatte – wegen der Wasserverschwendung. Er selbst dusche deshalb nur noch, sagte er da.