Deutschland & Europa

Was Sie übers Taxifahren wissen müssen

| Lesedauer: 6 Minuten
Darf man bei einer Taxischlange auch ins zweite oder dritte Taxi steigen?

Darf man bei einer Taxischlange auch ins zweite oder dritte Taxi steigen?

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Die Ferien stehen vor der Tür, und viele Deutsche reisen ins Ausland. Wer dort ein Taxi nehmen will, sollte sich vorher informieren.

Am Flughafen angekommen, wollen die meisten Urlauber zunächst einmal ins Hotel. Wenn kein Shuttle bereitsteht, muss aufs Taxi zurückgegriffen werden. Doch gilt in Polen, Spanien, Italien und Co. auch das, was in Deutschland gilt? Der Hamburger Taxivermittlungsdienst Mytaxi liefert Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Muss man am Bahnhof oder Flughafen immer das erste Taxi in der Reihe nehmen?

Fahrgäste in Deutschland haben die freie Wahl. Es gilt der „Grundsatz der Vertragsfreiheit". Wer also lieber in das zweite oder dritte Taxi einsteigen will, muss keine Rücksicht auf die Reihenfolge in der Taxischlange nehmen.

Anders in Italien, Polen oder Portugal: Hier kann der Fahrgast nur in begründeten Ausnahmefällen ein anderes als das erste Fahrzeug in der Reihe wählen. Etwa dann, wenn er mit Karte zahlen muss und das erste Fahrzeug dafür keine Möglichkeit bietet. Ähnlich in Spanien: Hier ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass stets das erste Fahrzeug in der Reihe zu wählen ist. Nur falls das Fahrzeug in offenkundig schlechtem Zustand ist oder die gewünschte Zahlungsweise nicht unterstützt, kann der Fahrgast es verweigern.

Neben dem Fahrer oder auf der Rückbank: Wo soll man sitzen?

Auch wenn sich die Taxischlangen vor den großen Flughäfen und Bahnhöfen Europas ähneln: Schon beim Einstiegen werden Unterschiede deutlich. Während in Deutschland allein reisende Fahrgäste häufig auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, sitzen Fahrgäste in Italien, Spanien, Portugal und Polen grundsätzlich hinten. Nur wenn es dort eng wird, weil drei oder vier Personen zusammen reisen, wird in diesen Ländern der Beifahrersitz genutzt.

Wieviel Trinkgeld ist angemessen?

Egal wo, wann, wie lange und auf welcher Route das Taxi fährt: Am Ende der Fahrt stellt sich die Frage nach dem Trinkgeld. Geben oder nicht – und wenn ja, wie hoch? In Deutschland gilt: Man sollte, muss aber nicht. Denn hierzulande sind die Bediengelder im Fahrpreis enthalten. Dennoch sollte es für gute Leistung auch ein gutes Trinkgeld geben. Üblich sind zehn Prozent des Fahrpreises. Auch in Spanien und in Polen wird ein Trinkgeld in Höhe von ca. 10 Prozent von Touristen erwartet – auch wenn die Einheimischen nur dann Trinkgeld geben, wenn sie einen besonderen Service erhalten haben. In Portugal gelten generell 50 Cent oder ein Euro als angemessen, in Italien ist Trinkgeld im Taxi allgemein nicht üblich.

Gepäck: Wieviel und zu welchem Preis?

Während in Deutschland Hand- und Reisegepäck des Fahrgastes in der Regel kostenlos befördert wird, ist in Portugal nur das Handgepäck im Fahrpreis inbegriffen. Reisegepäck kostet 1,60 Euro extra. Ausnahmen sind Kinderwagen oder ein Rollstuhl, die ebenfalls kostenlos befördert werden.

Pragmatisch sieht die Regelung in Italien, Spanien und Polen aus: Was in den Kofferraum passt, muss mit, sofern es nicht das Fahrzeug beschädigt oder die Sicherheit beeinträchtigt. In Italien und Spanien werden jedoch in einzelnen Städten zusätzliche Gebühren fällig. So kostet die Beförderung eines Koffers, der größer ist als 55 x 40 x 20 cm, in Barcelona einen Euro und in Sevilla 49 Cent.

Sehr gründlich ist das Thema in Deutschland geregelt: Hier muss ein Taxi laut Gesetz mindestens 50 Kilogramm Gepäck mitnehmen können. Und wenn beim ersten Versuch nicht das ganze Gepäck in den Kofferraum passt, ist der Taxifahrer sogar verpflichtet, mehrere Beladungsversuche zu unternehmen.

Darf das Haustier mitfahren?

In Italiens Taxis ist das Mitnehmen von Tieren - außer Blindenhunden - grundsätzlich verboten. Hier muss ein spezieller Taxi-Service gebucht werden. Weniger klar ist die Situation für Spanien-Urlauber: Nur wenn der Fahrer zustimmt, darf das Tier an Bord.

In Deutschland hingegen dürfen Tiere grundsätzlich mitgenommen werden – allerdings nicht auf den Sitzplätzen. Einzige Voraussetzung ist hier, wie auch in Polen, dass die Sicherheit des Betriebs nicht gefährdet wird und andere Fahrgäste nicht belästigt werden. Außerdem fallen in Deutschland vielerorts Zusatzkosten an – nicht jedoch für Blindenhunde. Sie müssen kostenlos transportiert werden. In Portugal müssen die vierbeinigen Begleiter in Käfigen untergebracht sein.

Darf man im Taxi essen und trinken?

Das Essen und Trinken der Fahrgäste während der Fahrt ist bei Taxifahrern in allen Ländern wenig beliebt, weil es leicht zu Verschmutzungen und Geruchsbelästigung führt. Darüber hinaus ist es in Portugal und Italien generell verboten und in Spanien zumindest solange der Fahrer es nicht ausdrücklich erlaubt.

Auch in Deutschland kann der Fahrer grundsätzlich selbst bestimmen, ob in seinem Auto gegessen werden darf. Hungrige Fahrgäste sollten das vor Fahrtantritt klären. Gegen einen Schokoriegel oder einen Apfel wird kaum jemand etwas sagen. Bei einem Döner, einem Fischbrötchen oder einer Currywurst kann das schon anders aussehen.

Darf ein Taxifahrer eine Fahrt ablehnen?

Generell haben Taxifahrer und -unternehmen eine Beförderungspflicht - auch bei Kurzstrecken. Das bedeutet, dass sie eine Fahrt nur dann ablehnen können, wenn der Fahrgast eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Betriebs darstellt. Das ist etwa dann der Fall, wenn Personen stark betrunken sind, sich aggressiv verhalten oder eine ansteckende Krankheit haben. Diese Regelung gilt auch in anderen Ländern. In Italien können außerdem Jugendliche unter 18 Jahren ohne erwachsene Begleiter als Fahrgäste abgelehnt werden und spanische Taxifahrer können Fahrten zu gefährlichen Bereichen, wie etwa Drogenumschlagsplätzen, verweigern.

Und kaum zu glauben, aber wahr: Auch Familien mit Kindern können als Fahrgäste abgelehnt werden, wenn das Fahrzeug nicht über genügend Kindersitze verfügt. Beim Bestellen des Taxis sollten Reisende mit Kindern deshalb immer angeben, ob und wie viele Kindersitze sie benötigen.

( BM/jc )

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