Gotthardtunnel-Eröffnung

Tanzende Heuhaufen sind Schweizer Politikerin zu muslimisch

| Lesedauer: 2 Minuten
Diese tanzenden Heuhaufen und Fabelwesen wurden von manchen mit islamischen Derwischen verwechselt.

Diese tanzenden Heuhaufen und Fabelwesen wurden von manchen mit islamischen Derwischen verwechselt.

Foto: Gabriele Putzu / dpa

Viel Multikulti-Lametta und zu wenig Schweizer Käse: Einer SVP-Politikerin war die Eröffnungszeremonie des Gotthardtunnels zu bunt.

Bern.  Eine Woche nach Eröffnung des Gotthardtunnels gibt es Ärger um die Einweihungszeremonie. Eine Politikerin der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) hatte in einer Anfrage an die Regierung moniert, dass „tanzende Derwische“ Teil der Zeremonie gewesen seien. Ein muslimischer Derwisch repräsentiere keinesfalls Schweizerische Grundwerte. „Mit tanzenden Derwischen, die in der Enzyklopädie des Islams eine Form zur Annäherung an Allah bedeutet, werden unsere Grundwerte jedoch verraten“, schrieb die Aargauer Nationalrätin Sylvia Flückiger.

Die knappe Antwort der Regierung bekam in den sozialen Medien viel Zuspruch: „Die künstlerische Inszenierung mit dem Leitbild Mythos Gotthard bedient sich ausschließlich an Figuren und Sagen, die der Alpenkultur entstammen. Bei den angesprochenen Figuren handelte es sich nicht um Derwische, sondern um tanzende Heuhaufen.“

Zeremonie intellektuell und emotional gut nachvollziehbar gewesen

Der Deutsche Volker Hesse, der das Eröffnungsspektakel „Sacre Gottardo“ inszeniert hatte, sagte der „Neuen Luzerner Zeitung“: „Die Normalmenschen aus Uri und dem Tessin und all die Festbesucher konnten die Aufführung ganz mühelos emotional und intellektuell nachvollziehen. Wenn eine „wild gewordene SVP-Nationalrätin“ dies als „islamistische Propaganda“ missverstehe, könne er sich darüber nur wundern.

Projektleiter Gregor Saladin sagte: „Es gab primär viele tanzende Heuhafen und einzelne Figuren, die man als Derwische interpretieren könnte.“ Die Eröffnung sei „extrem schweizerisch“ gewesen, aber nicht im Sinne eines „Musikantenstadls“, sondern mit Blick auf die auch von Dämonen bevölkerten Sagen. Darüber hinaus sei gejodelt worden und 57 Alphornbläser hätten ihre Kunst gezeigt.

Der Gotthard-Basistunnel war am 1. Juni unter anderem in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet worden. Der mit 57 Kilometern längste Eisenbahntunnel der Welt gilt als technisches Meisterwerk, auf das die Schweizer besonders stolz sind. (aba, dpa)

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos