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„Rock am Ring“ ist nur knapp einer Katastrophe entgangen

Ein Blitzeinschlag, Verletzte und zerstörte Zelte: „Rock am Ring“ wurde von Unwettern heimgesucht – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Mendig.  Es geht ganz schnell. Rabenschwarze Wolken ziehen auf. Blitze zucken, Donner grollen, Starkregen prasselt. Rund 90.000 Fans blicken am Freitagabend beim Auftakt von „Rock am Ring“ in der Eifel gebannt nach oben. Das US-amerikanische Comedy-Rocker-Duo „Tenacious D“ will gerade loslegen, als das Unwetter das legendäre dreitägige Musik-Spektakel unterbricht. Lautsprecher fordern die Fans auf, von Metallzäunen zurückzutreten, ihre Zelte aufzusuchen und auch dort keine Metallstangen zu berühren.

Und dann passiert es auf dem Flugplatz Mendig in Rheinland-Pfalz: Der Blitz schlägt ein, 51 Besucher werden nach Angaben der Mayener Polizei verletzt, 15 von ihnen schwer. „Zwei davon wurden erfolgreich reanimiert“, teilt ein Polizeisprecher am Samstagmorgen mit. Krankenwagen brausen heran, Blaulicht zuckt durch die Nacht, ein Rettungshubschrauber landet, ein Polizeihelikopter kreist über dem Gelände.

Die Gefahr ist noch nicht vorbei

„Rock am Ring“ ist möglicherweise nur knapp einer noch größeren Katastrophe entgangen. Die Gefahr ist jedoch noch nicht vorbei: Der Deutsche Wetterdienst sagte auch für das restliche Wochenende heftige Gewitter in Rheinland-Pfalz voraus. Wo genau, das lasse sich zunächst nicht sagen. Eine Sprecherin der Veranstalter weist Spekulationen zurück, „Rock am Ring“ werde vorzeitig beendet. Die Wetterlage mit einem Mix aus Sonnenschein und Regen werde im Auge behalten – und das Festival notfalls erneut unterbrochen. Auch 2015 waren hier 33 Menschen bei einem Blitzeinschlag verletzt worden.

Die Bands drehen am Freitagabend nach etwa eineinhalb Stunden wieder die Verstärker auf. Bald kocht die Stimmung in der Vulkaneifel. Die Metal-Band „Volbeat“ aus Kopenhagen heizt mit kraftvollen Rhythmen auf der „Volcano Stage“ (Vulkanbühne) ein und das US-Elektromusik-Projekt „Major Lazer“ mit Lichtspektakeln auf der „Crater Stage“ (Kraterbühne).

Samstagabend werden bei „Rock am Ring“ unter anderem die US-Rockband „Red Hot Chili Peppers“ und die deutschen Country-Rocker von „The BossHoss“ erwartet. Für Sonntagabend haben sich die Heavy-Metal-Band „Black Sabbath“ und die deutsche Hip-Hop-Gruppe „Fettes Brot“ angesagt. „Black Sabbath“ verabschiedet sich in diesem Jahr nach fast einem halben Jahrhundert auf der Bühne von den Fans. Insgesamt spielen in Mendig und beim Zwillingsfestival „Rock im Park“ auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg mehr als 80 Bands.

Pfützen so groß wie Teiche

Der Starkregen hat in der Osteifel viele Zelte zerstört. Fans bergen ihre Schlafsäcke und Grills, helfen sich gegenseitig und trösten sich mit in Planschbecken gekühltem Bier. Vor und nach der Unterbrechung tanzen sich die Besucher in Gummistiefeln oder barfuß, in kurzen Hosen und Regenjacken in Stimmung. Die Wiesen sind völlig verschlammt, die Gummistiefel sinken tief in den Morast ein, manche Pfützen sind so groß wie Teiche.

Ein junger Fan bringt es auf den Punkt: „Super Musik, aber Mistwetter.“ Marek Lieberberg, legendärer Frankfurter Konzertveranstalter und „Vater“ von „Rock am Ring“, sagt: „Wir haben eine Notsituation, eine Unwettersituation.“ Schlammige Parkflächen seien gesperrt worden, ein Ausweichparkplatz mit Shuttlebussen ausgerechnet am Nürburgring eröffnet worden. Dort ging „Rock am Ring“ jahrzehntelang über die Bühne, bis ein Streit ums Geld Lieberberg zum Umzug an den Mendiger Flugplatz bewog. Hier haben Lastwagen nun noch tonnenweise Rindenmulch für die nassen Böden herangekarrt. Doch das bleibt nur eine Flickschusterei.

Gummistiefel sind rund um „Rock am Ring“ längst Mangelware. In einem Schuhgeschäft in Mayen hängt am Freitag ein Schild: „Keine Herren-Gummistiefel – ausverkauft! Damen-Gummistiefel nur in Größe 37+.“ Eine Verkäuferin sagt: „Schon die ganze Woche fragen die hier nach Gummistiefeln. Ich erkenne diese Kunden sofort: Die kommen hier gleich mit so einem Gummistiefel-Suchblick rein.“ (dpa)

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