Flugzeuge

Rocker-Jumbo lässt Merkel und Hollande bescheiden aussehen

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Lars Wienand
Iron Maiden hat den größten: Auf den Parkflächen des Flughafens Zürich regiert der Flieger der Hardrocker, die Reisemittel von Merkel und Hollande sehen dagegen winzig aus.

Iron Maiden hat den größten: Auf den Parkflächen des Flughafens Zürich regiert der Flieger der Hardrocker, die Reisemittel von Merkel und Hollande sehen dagegen winzig aus.

Foto: Andy Gaggioli/daily-rock.com

Hier regiert der Rock: Neben Iron Maidens Jumbo sehen die Flugzeuge von Merkel und Hollande winzig aus. Die Geschichte zum Viral-Foto.

Zürich/Berlin.  Die Flugzeuge von zwei der mächtigsten Politiker der Welt verschwinden fast vor dem riesigen Jumbo der Musikgruppe Iron Maiden. Ein Foto von den drei Fliegern auf dem Flughafen Kloten in Zürich macht derzeit Furore mit der Botschaft: Iron Maiden hat mit Abstand den größten. Was steckt hinter dem kuriosen Bild, das sich in sozialen Netzwerken rasend verbreitete?

Gelungen ist die Aufnahme dem Schweizer Fotografen Andy Gaggioli: Der dokumentiert für das Magazin „Daily Rock“ vor allem Konzerte – und berichtete auch, wie der Iron-Maiden-Flieger am Mittwoch um 16 Uhr mit etwas Verspätung landete. Als der Jumbo dann seine Parkposition Whiskey 22 annahm, standen in direkter Nachbarschaft die Maschinen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident François Hollande. Die waren zur Einweihung des Gotthardtunnels um kurz nach 12 Uhr eingeflogen. Iron Maiden reisten für ein Konzert an.

Jumbo fast dreimal so hoch wie Regierungsflieger

Die Politiker kommen deutlich kürzer und nicht so groß raus wie die Rocker: Der Jumbo von Iron Maiden ist 70 Meter lang und fast 20 Meter hoch, die doppelte Länge und fast dreifache Höhe der Politikermaschinen. Merkel saß in einer Bombardier Global 5000, Hollande in einer noch etwas kleineren Falcon 7x des französischen Herstellers Dassault. In der Merkel-Maschine ist Platz für bis zu 13 Menschen. Es sind die neuesten Maschinen der Flugbereitschaft, im Einsatz seit Oktober 2011.

Doch die Bilder täuschen: Merkel und Hollande können auch deutlich größer auf Reisen gehen. Diese kleinen weißen Maschinen sind vor allem für Kurztrips gedacht. Der Regierungs-Airbus A340-313 „Konrad Adenauer“ bietet dagegen Platz für bis zu 143 Passagiere, davon 116 im Delegationsbereich. Dazu gibt es den Privatbereich mit Schlafzimmer und Dusche und einen Konferenzbereich. Neu angeschafft wurde die Maschine nicht. Bevor sie 21 Monate in Hamburg von Lufthansa Technik umgebaut wurde, war er bei der Lufthansa für Linienflüge unterwegs gewesen. Zwei Maschinen des Typs sind seit 2011 im Einsatz, seit 2013 sind sie auch mit einem laserbasierten Abwehrsystem gegen infrarotgelenkte Raketen ausgerüstet. Das hat Iron Maiden nicht.

Um neue Flugzeuge hatten deutsche Bundesregierungen kämpfen müssen: Der einstige Außenminister Joschka Fischer hatte sich 2005 über die zum Teil von Honecker angeschafften Maschinen der Flugbereitschaft aufgeregt: „Muss ich erst im Sarg im Auswärtigen Amt aufgebahrt werden, ehe die Flugbereitschaft neue Maschinen bekommt?“. Da war seine Maschine nach einem Triebwerksbrand und mit Rauch in der Kabine kurz nach dem Start in Berlin notgelandet.

Bei Iron Maiden fliegt der Chef selbst

In Frankreich gab es die Diskussionen erst im Nachhinein. Hollande kann auf einen 60 Meter langen Airbus A330-200 zurückgreifen, den sein Vorgänger Sarkozy für rund 50 Millionen Euro gebraucht kaufen und für rund 260 Millionen Euro präsidial umbauen ließ. Zwei Backöfen für gehobene französische Küche kosteten demnach alleine 75.000 Euro. Ein wenig „Air Force One“ für „Sarko“ – auch wenn US-Präsident Barack Obama Jumbo fliegt.

Iron Maiden reisen zwar geräumig, aber einfacher: Bei einem Besuch eines Fernsehsenders fiel vor allem der Vorrat an Bierdosen auf. Und hier fliegt auch noch der Chef selbst: Sänger Bruce Dickinson ist früherer Berufspilot und sitzt auf dem Pilotensitz des Jumbos. Er ist von der Band nur gemietet, um mit ihrem kompletten Equipment auf der Tour schnell weiterziehen zu können.

In Zürich kamen sich Regierungsflieger und Rocker-Jet nur kurz nahe: Im Abstand von einer Minute flogen die kleine deutsche und die putzige französische Maschine um 17.25 Uhr und 17.26 Uhr wieder ab und ließen den großen Rocker-Flieger alleine. Der bleibt noch bis Samstag: Die Band tritt am Freitag im Rahmen ihrer „The Book Of Souls“-Tour in Luzern auf.

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