Hochwasser

Fünftes Todesopfer nach Unwetter in Bayern geborgen

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Ein Feuerwehrmann geht durch eine überflutete Straße in Simbach am Inn. Das Wasser geht zurück, die Suche nach Opfern läuft.

Ein Feuerwehrmann geht durch eine überflutete Straße in Simbach am Inn. Das Wasser geht zurück, die Suche nach Opfern läuft.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Fünf Menschen starben bei der Flut in Niederbayern. Zwei Person werden vermisst. Und neuer Starkregen in Südbayern kündigt sich an.

Simbach/Düsseldorf.  Nach den schweren Unwettern der vergangenen Tagen mit inzwischen insgesamt neun Toten gegen die Behörden noch keine Entwarnung: Weitere Unwetter brauen sich vor allem in Bayern zusammen. In Niederbayern alleine sind mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Am Donnerstag wurde nach Polizeiangaben in Simbach am Inn die Leiche eines 75-jährigen Mannes geborgen. Bei den drei bereits zuvor bekannten Toten in der Stadt handelt es sich um drei Frauen einer Familie. Großmutter, Mutter und Tochter seien 28, 56 und 78 Jahre alt, teilte die Polizei mit.

Im Nachbarort Julbach starb eine 80-Jährige. Ihre Leiche hing über einem Baumstamm in einem Bach. Die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen zu den Todesfällen. Zwei Menschen werden noch vermisst. Es sei nicht auszuschließen, dass es noch mehr Tote geben werde, sagte Michael Emmer vom Polizeipräsidium Niederbayern. Weiterhin würden Menschen vermisst. „Es werden Taucher eingesetzt, um nach den Vermissten zu suchen“, sagte Innenminister Joachim Herrmann. Hunderte Häuser seien betroffen, zahlreiche Gebäude seien total zerstört worden.

„Es ist ein Schreckensbild“, sagte der Landrat des Kreises Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU), in Pfarrkirchen. Er appellierte an die Anwohner und ehrenamtlichen Helfer, das Gebiet derzeit nicht aufzusuchen. „Viele Straßen sind weggeschwemmt und Brücken zerstört. Das ist hochgefährlich.“ Nach stundenlangem Dauerregen hatte der Landrat Katastrophenalarm ausgelöst. Dieser werde auch noch einige Tage aufrechterhalten bleiben, betonte Fahmüller. Die überschwemmte Fläche sei doppelt so groß wie der Chiemsee. Insgesamt seien seit Mittwoch rund 2000 Hilfskräfte im Einsatz.

In Simbach war das Technische Hilfswerk bis zum Donnerstagmorgen mit der Rettung von Menschen beschäftigt, die von den Wassermassen eingeschlossen waren. Viele Häuser sind noch überflutet. Taucher suchten hier nach weiteren möglichen Opfern, nachdem sie am Mittwoch wegen der reißenden Strömung nur eingeschränkt arbeiten konnten.

Der kleine Simbach war binnen eines halben Tages von einem halben Meter auf mehr als fünf Meter angeschwollen und lag am Donnerstagnachmittag wieder bei einem halben Meter. Das Bayerische Umwelt-Landesamt berichtete, dass der Bach in der Nacht zum Mittwoch noch einen Pegelstand von rund 50 Zentimetern hatte. Gegen 13.15 Uhr war das Gewässer bereits mehr als zweieinhalb Meter tief. Anschließend erfolgte „innerhalb 60 Minuten ein weiterer Anstieg auf 506 Zentimeter“. Die Behörde spricht von einem Hochwasser, wie es nicht einmal alle 1000 Jahre vorkomme.

Was in fünf Jahren aufgebaut ist, ist in fünf Minuten weg“, sagt Muhammed Fidanci. Dem 25-Jährigen gehört ein Kebab-Stand. „Ich bin nur rausgerannt, als das Wasser kam“, berichtet er. Innerhalb von zehn Minuten stand das Wasser zwei Meter hoch, und es hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Fidanci muss alle Geräte wegschmeißen - fünf Kühlschränke, eine Kebab-Maschine, den Pizzaofen.

Freistaat Bayern kündigt finanzielle Hilfen an

Am, Donnerstag liefen dort und in den Marktgemeinden Tann und Triftern die Aufräumarbeiten: Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks pumpten mit Spezialpumpen Häuser und Straßen leer. Der Stab an Hilfskräften wurde dazu aufgestockt. In der Stadt Griesbach war es am frühen Morgen bereits gelungen, eine Notstromversorgung einzurichten. Mehrere Schulen sollten am Donnerstag geschlossen bleiben, die Prüfungen zum Abitur wurden vielerorts ausgesetzt.

Landesinnenminister Herrmann hat finanzielle Hilfen des Freistaats angekündigt. „Wir werden so gut es geht helfen“, sagte Herrmann dem Bayerischen Rundfunk. „Es geht jetzt darum, dass der Freistaat denen, die das dringend brauchen, unmittelbar finanzielle Hilfen bereitstellt.“

Plünderer festgenommen

Das Hochwasser hat auch Plünderer auf den Plan gerufen. „Die Polizei hat bereits zwei Plünderer aus dem Bereich Salzburg festgenommen, die das Leid der Menschen in Simbach am Inn ausnutzen wollten“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag in Eggenfelden. Der Ort in Niederbayern ist besonders von der Hochwasserkatastrophe betroffen, viele Menschen können ihre Häuser nicht erreichen, weil die Zufahrtsstraßen überspült sind. Herrmann verurteilte das Plündern auf Schärfste: „Das ist unbegreiflich und schändlich.“

In Rheinland-Pfalz Camper von Dach gerettet

Auch in Rheinland-Pfalz mussten nach heftigem Regen Keller ausgepumpt werden. In Altenahr (Kreis Ahrweiler) rettete die Polizei zahlreiche Camper mit dem Hubschrauber - teils von den Dächern ihrer Wohnwagen - nachdem die Ahr über die Ufer getreten und die Zeltplätze geflutet hatte. In Müsch holten Feuerwehrleute zwei Männer vom Dach ihres Lastwagens, der im tiefen Wasser auf einer Straße nicht weiterkam.

Auch Frankreich ist von Unwettern betroffen: Kunstwerke im weltberühmten Pariser Louvre müssen vor dem Hochwasser der Seine in Sicherheit gebracht werden. Dafür bleibt das Museum am Freitag geschlossen, wie die Direktion ankündigte. Zudem sei ein Krisenstab eingerichtet worden. Kunstwerke sollen in höher gelegene Stockwerke der ehemaligen Residenz französischer Könige gebracht werden.

In Baden-Württemberg und Franken hatte das Tief „Elvira“ schon am Sonntagabend schwere Verwüstungen angerichtet. Vier Menschen waren bereits bei diesem Unwetter im Südwesten ums Leben gekommen. (dpa)

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