Antanz-Täter

Wie an Silvester: Fast 30 Frauen melden sexuelle Übergriffe

In Darmstadt haben Frauen der Polizei nach einem Fest von sexuellen Übergriffen berichtet. Das Muster erinnert an Silvester in Köln.

In Darmstadt wurden bei einem Fest mehrere Frauen sexuell belästigt. Bei der Polizei haben sich weitere mögliche Opfer gemeldet. (Symbolfoto)

In Darmstadt wurden bei einem Fest mehrere Frauen sexuell belästigt. Bei der Polizei haben sich weitere mögliche Opfer gemeldet. (Symbolfoto)

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Darmstadt.  Nach sexuellen Übergriffen auf Frauen bei einem Musik-Festival in Darmstadt haben sich weitere mögliche Opfer gemeldet. Bis Dienstagnachmittag seien es 26 Frauen gewesen, erklärte die Polizei. Inzwischen gebe es 14 Anzeigen, noch nicht alle Angaben der Frauen seien geklärt. Zunächst hatte die Polizei von 18 Anzeigen gesprochen.

Zum Ende des viertägigen Schlossgrabenfestes mit etwa 400.000 Besuchern hatten zunächst drei Frauen in der Nacht zum Sonntag die Polizei darüber informiert, von mehreren Männern unsittlich angefasst worden zu sein. Ähnlich wie in der Kölner Silvesternacht sollen die Verdächtigen in Kleingruppen vorgegangen und die Frauen umzingelt haben. In Köln liegen inzwischen mehr als 1000 Strafanzeigen vor.

Verdächtige wieder auf freiem Fuß

In einer Pressemitteilung der Polizei Darmstadt hieß es, nach dem Eindruck der Frauen habe es sich „um Männer aus dem südasiatischen Raum gehandelt“. Die Beamten nahmen kurz darauf drei verdächtige Männer im Alter von 28 bis 31 Jahren fest. Diese sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. „Es gibt keine Haftgründe“, sagte Polizeisprecher Derigs, die Männer hätten einen festen Wohnsitz. Laut Polizei stammen sie aus Pakistan. Zwei seien Asylbewerber, der dritte vermutlich auch.

Ermittelt werde wegen sexueller Nötigung und Beleidigung auf sexueller Grundlage. Die Tatverdächtigen hätten sich den Schilderungen zufolge den auch jugendlichen Opfern mit dem sogenannten Antanzen genähert und „fast immer im Intimbereich“ berührt. Allem Anschein nach sei es um sexuelle Absichten gegangen, nicht um Diebstahl. Von Vergewaltigungen wie in Köln hätten die Frauen nicht berichtet.

In einer ersten Mitteilung hatte die Polizei berichtet, die drei Tatverdächtigen könnten von zwei bis drei unbekannten Männern begleitet worden sein. Zu diesem Hinweis gebe es aber noch keine genauen Erkenntnisse.

Beamte sind während des Musik-Festivals, das die Veranstalter als größtes in Hessen bewerben, regelmäßig als Streife unterwegs. „Das Schlossgrabenfest steht bei uns seit Jahren aufgrund der allgemeinen Sicherheitslage im Fokus“, betont Polizeisprecher Derigs. „Wir sind hier seit Jahren präsent.“ Die Frauen hätten sich „unmittelbar“ an die Polizei gewendet. „Für uns ist es wichtig, dass sich Frauen gleich melden.“

Weißer Ring: Opfersicht kommt zu kurz

Übergriffe dieser Art sind nach Ansicht der Hilfsorganisation Weißer Ring keine Einzelfälle. „Bei Volksfesten oder auch an Karneval kommt es in Feierstimmung und mit Alkohol immer wieder zu sexueller Gewalt gegen Frauen, die verharmlost wird und über die überhaupt nicht gesprochen wird“, sagte Bundesgeschäftsführerin Bianca Biwer. „Die Opfersicht kommt viel zu kurz. Dies ist nicht hinnehmbar und muss sich dringend ändern.“

Für den Vorsitzenden des Weißen Ringes Hessen, Horst Cerny, zeigt Darmstadt, dass die Herkunft der Tatverdächtigen betrachtet werden muss: „Das eigentliche Problem ist doch, dass die Menschen, die so etwas tun, ein Frauenbild haben, das unserer Gesellschaft entgegensteht“, sagte der 69-Jährige frühere Kriminalbeamte. „Die sind von Geburt an so erzogen, dass der Mann die Macht über die Frau hat.“

Die Veranstalter des Festivals, Frank-Friedrich Grossmann und Thiemo Gutfried von der Stage Groove Festival GmbH, zeigen sich „sehr bestürzt, dass durch diese Vorfälle ein Schatten auf das diesjährige Schlossgrabenfest fällt“. Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) erklärt: „Wir tolerieren keine Form von Gewalt und verurteilen sexuelle Übergriffe ebenso wie häusliche Gewalt. Täter, egal wo sie herkommen, müssen bestraft, Opfer müssen geschützt werden.“ (dpa)