Rettungsaktion

Tierfreunde fordern Gerechtigkeit für getöteten Zoo-Gorilla

Ein Gorilla wurde in einem US-Zoo erschossen – und einem Jungen damit das Leben gerettet. Der Tod des Tieres löst nun Proteste aus.

Vor der bronzenen Gorilla-Statue im Zoo von Cincinnati wurden Blumen niedergelegt.

Vor der bronzenen Gorilla-Statue im Zoo von Cincinnati wurden Blumen niedergelegt.

Foto: WILLIAM PHILPOTT / REUTERS

Cincinnati.  Der Tod eines Gorillas im Zoo von Cincinnati hat für einen öffentlichen Aufschrei gesorgt. Wärter hatten das Tier erschossen, um ein Kind zu retten. Zehntausende Menschen beteiligten sich daraufhin bis zum Dienstag an zwei Online-Petitionen, die „Gerechtigkeit für Harambe“ fordern. Angriffe auf Social-Media-Plattformen richteten sich gegen die Eltern des Kindes, das am Samstag in das Gorillagehege gefallen und von dem riesigen Silberrücken umhergeschleift worden war. Eine Seite mit 120.000 Fans erinnerte immer wieder daran, dass Kontaktdaten der Eltern sofort gelöscht würden.

US-Sender hatten zuvor ein Video mit dramatischen Bilder aus dem Affengehege gezeigt. Das große, kräftige Tier zog das Kind an sich, schien es aber eher beschützen als verletzen zu wollen. Der Junge schaut den riesigen, 200 Kilogramm schweren Gorilla entgeistert an. Der Affe zerrt ihn am Bein durch einen Wassergraben, legt ihn sich zwischen die Beine. Er greift ihn aber nicht an, wirkt fast liebevoll im Umgang mit dem Kind. Das Video zeigt nicht, wie „Harambe“ erschossen wird.

Zoodirektor Thane Maynard hält die umstrittene Tötung des Tieres für gerechtfertigt, auch wenn er sich über den Tod des Silberrückens erschüttert zeigte. „Das Risiko geht einfach von der schieren Kraft des Tieres aus“, sagte er. Eine Betäubungspatrone hätte ihre Wirkung erst mit bis zu zehn Minuten Verzögerung entfaltet. Der Wildtierexperte Jach Hanna sagte dem Sender ABC, es gebe „keinen Zweifel“, dass der Junge getötet worden wäre. „Ein Betäubungspfeil dauert zu lange.“

„Das Kind wurde nicht angegriffen“

„Harambe“, der in einem Zoo in Texas geboren war, sollte eigentlich weitere Junge zeugen. Die Westlichen Flachlandgorillas sind eine extrem selten gewordene Art, die unter Schutz steht und akut vom Aussterben bedroht ist. 175.000 Exemplare leben noch in freier Wildbahn.

Der Junge hatte sich am Samstag zunächst durch das Schutzgeländer gezwängt und war daraufhin mehrere Meter tief in die Affengrube gestürzt. Zwei weibliche Gorillas konnten noch rechtzeitig aus dem Gehege geholt werden, aber der knapp 200 Kilogramm schwere Silberrücken blieb drinnen.

„Das ist ein rundum schrecklicher Tag“, sagte Zoodirektor Maynard. Die Entscheidung der alarmierten Sicherheitskräfte zum Abschuss des seltenen Tieres sei schwierig, aber richtig gewesen, weil sie dem Jungen damit das Leben gerettet hätten. „Das Kind wurde nicht angegriffen, aber es hätten alle möglichen Dinge passieren können“, erklärte er. „Er war ganz sicher einem Risiko ausgeliefert.“

Eltern äußern sich zurückhaltend

Mehrere Sender veröffentlichten ein Video, das ein Augenzeuge von dem Vorfall gemacht haben soll. Darauf ist zu sehen, wie der Gorilla in einer Ecke im Wasser vor dem Jungen sitzt. In der nächsten Szene sitzt der Junge zwischen seinen Beinen. Der Gorilla greift nach ihm.

Der Zorn von Tierschützern richtete sich gegen die Eltern des Kindes, die nicht genug auf den Jungen aufgepasst hätten. Mehrere Tierschutzorganisation forderten strafrechtliche Ermittlungen gegen die Mutter.

Auf Social Media entspann sich eine Diskussion, die in zum Teil menschenverachtenden Kommentaren gipfelte. Vor dem Zoo, der das Affengehege vorübergehend sperrte, trauerten Tierschützer mit Plakaten wie „Harambe – In liebender Erinnerung...“

Die Familie des Kindes äußerte sich zurückhaltend. „Urteile sind schnell gefällt“, heißt es in einer Stellungnahme der Mutter. „Wer mich kennt, weiß, dass ich alles für mein Kind tun würde.“ (dpa/jei)