Verkehr

Sieben Visionen für die Mobilität in der Stadt der Zukunft

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Der „TF-X“ des Herstellers Terrafugia: Das fliegende Auto soll Geschwindigkeiten von 320 km/h erreichen – wenn es nicht nur ein Entwurf bleibt.

Der „TF-X“ des Herstellers Terrafugia: Das fliegende Auto soll Geschwindigkeiten von 320 km/h erreichen – wenn es nicht nur ein Entwurf bleibt.

Foto: Terrafugia.com

Die Mobilität der Zukunft erschöpft sich in Car-Sharing und Uber? Stimmt nicht. Ingenieure glauben weiter an ausgefallene Ideen.

Berlin.  Staus, Smog, Feinstaub-Alarm: Von Athen über Bukarest und Paris bis Teheran und Peking leiden Menschen unter hohen Schadstoffbelastungen. Ingenieure und Stadtplaner entwerfen immer wieder neue Projekte und Verkehrsmittel, um den Stadtverkehr zu entlasten. Kurzfristig spielen dabei neue Mobilitäts-Konzepte wie Car-Sharing und E-Autos eine Rolle.

Der Traum vom fliegenden Auto scheint etwas aus der Mode gekommen zu sein. Dabei entwerfen Ingenieure weltweit originelle Alternativen zu herkömmlichen Autos und U-Bahnen. Einige Projekte dürften Beobachtern zufolge Zukunftsvisionen bleiben, andere haben hingegen das Zeug, den Stadtverkehr umzukrempeln. Ein Blick auf besonders originelle Konzepte.

1. „Straddling Bus“: Die Brücken-Bahn aus China

Ein im Netz viel beachtetes Projekt hat das chinesische Unternehmen Transit Explore Bus am vergangenen Wochenende auf der Internationalen High-Tech Expo in Peking vorgestellt. Das Video zeigt eine Animation des sogenannten „Straddling Bus“, der die Straße wie eine Brücke überspannt und auf Schienen fährt. Autos können unter dem „Straddling Bus“ hindurchfahren. Insgesamt sollen etwa 1400 Passagiere in dem futuristischen Gefährt Platz haben. Laut Hersteller wäre der Bau günstiger und schneller möglich als der von gewöhnlichen U-Bahnen.

Das Unternehmen Transit Explore Bus rechnet vor: Der futuristische Bus würde etwa 40 übliche Busse ersetzen und damit im Jahr mehr als 800 Tonnen Benzin und rund 2480 Tonnen CO2 einsparen. Ob und wann die chinesischen Ingenieure das Projekt tatsächlich umsetzen, ist ungewiss. Laut Unternehmen wird derzeit eine Teststrecke in der Stadt Changzhou gebaut, wo Fachleute den Bus im Juli oder August testen sollen.

2. „Hyperloop“: Reisen in der Röhre

Verhältnismäßig weit fortgeschritten ist das Röhrenprojekt Hyperloop. Die Idee des amerikanischen Unternehmers und Investors Elon Musk, der Bekanntheit mit dem privaten Raumfahrunternehmen SpaceX und dem Elektroauto-Hersteller Tesla Motors erlangte: Ein hypermodernes Rohrpost-System, das Menschen oder Waren mit Hochgeschwindigkeit durch den Untergrund schießt. Die Transportkapseln sollen reibungsarm auf Luftkissen durch die Röhren rasen – und zwar mit einer Geschwindigkeit von etwa 1220 Kilometern in der Stunde. Zum Vergleich: Eine Boeing 747 hat eine Höchstgeschwindigkeit von 988 km/h.

Erst diesen Mai hat das Unternehmen Hyperloop One im US-Bundesstaat Nevada einen Test durchgeführt. Die Ingenieure ließen die Kapseln zunächst auf Schienen fahren, um den Antrieb des Fahrzeugs zu prüfen. In den USA haben sich zwei Unternehmen gegründet, die das neue Verkehrsmittel umsetzen wollen: Neben Hyperloop One führt das Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies (HTT) derzeit Versuche in Kalifornien durch. Mehrere andere Länder spielen mit dem Gedanken, das System auszuprobieren.

3. „Vilgard Pedal-Electric-Hybrid“: Zwischen Fahrrad und Auto

Minimaler Energieaufwand, maximale Geschwindigkeit: Das verspricht das Vilgard Pedal-Electric-Hybrid, ein Entwurf eines kleinen Berliner Unternehmens. Das Fahrzeug funktioniert nach dem Prinzip der Pedelecs, also einer Kombination aus menschlicher Muskelkraft und elektrischem Motor. So soll der Zweisitzer Geschwindigkeiten von rund 80 Kilometer pro Stunde erreichen. Das Fahrzeug wiegt dem Entwurf zufolge lediglich 300 Kilogramm und ist 2,50 Meter lang.

„Die Zielkunden für Vilgard sind Berufspendler in urbanen Ballungsräumen“, heißt es auf der Website der Firma. In Großstädten wie Berlin, Frankfurt oder Hamburg seien täglich Hunderttausende Menschen mit dem Auto zur Arbeit unterwegs, der Besetzungsgrad der Fahrzeuge liege bei im Schnitt 1,1 Personen, die Distanz bei rund 20 Kilometer. Diese Energieverschwendung will Vilgard eindämmen.

4. „Mycopter“: EU forscht an fliegendem Auto

Sehr viel weiter von der Umsetzung entfernt ist das EU-Forschungsprojekt „Mycopter“: Der futuristische Drehflügler ist eine Art fliegendes Auto, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt konzipiert wurde. Das Projekt versteht sich als Pionierarbeit auf dem Gebiet des künftigen Individualverkehrs. Sogenannte Personal Aerial Vehicles (PAV) sollen in ferner Zukunft das Auto auf der Straße ablösen.

„Die Handhabung zukünftiger PAVs für jedermann möglich zu machen ist eine große Herausforderung, denn das Hubschrauberfliegen mit der heutigen komplexen Steuerung erfordert nach wie vor viel Training“, so Professor Stefan Levedag, Leiter des DLR-Instituts für Flugsystemtechnik in einer Mitteilung. „Nun ist es uns gelungen, eine Lenkradsteuerung mit dahinterliegender automatischer Steuerungstechnik zu entwickeln, die das Fliegen deutlich vereinfacht. Wir können das nicht nur für ein PAV nutzen, sondern auch andere Luftfahrzeuge damit verbessern.“ Um den Platz in Städten bestmöglich zu nutzen, soll der „Mycopter“ senkrecht starten und landen können. Zunächst dürfte er aber vor allem eines bleiben: eine Zukunftsidee.

5. „Ehang 184“: Mit der Drohne zur Arbeit

Der chinesische Drohnenhersteller Ehang hat sich vorgenommen, die erste Drohne für den Personenverkehr zu bauen. Laut Hersteller kann das 180 Kilo schwere Gefährt mit acht Rotoren eine Person für rund 23 Minuten durch die Luft befördern. Auch einen Preis haben die Entwickler für die „Ehang 184“ bereits genannt: Er soll zwischen 170.000 und 260.000 Euro liegen. Der Hersteller hat die Drohne auf der Consumer Electronics Show (CES) 2016 in Las Vegas vorgestellt.

Doch ist die „Ehang 184“ wie vergleichbare Projekte noch weit davon entfernt, dass sie tatsächlich zum Einsatz kommt. Strenge Gesetze zum Flugverkehr sollen Gefahren und Zusammenstöße im Luftraum vermeiden. Ebenfalls ungeklärt sind Fragen zu Führerschein und Lizenzen zum Führen der Ein-Mann-Drohne. Technisch gesehen gibt es laut Experten wenige Hürden, doch fehlt es bislang an rechtlichen Grundlagen.

6. „Cargo Cap“: Transportkapseln für den Untergrund

Seit 17 Jahren hat der Bochumer Forscher Dietrich Stein eine Vision. Seine Forschergruppe an der Ruhr-Universität hat sich das Ziel gesetzt, den Warentransport unter die Erde zu verlagern. „Die Transporte werden durch individuell angetriebene „intelligente“ Fahrzeuge, die Caps, unabhängig von oberirdischen Verkehrsstaus und Witterungsverhältnissen durchgeführt“, heißt es auf der Website der Forscher.

Das Konzept: Die Kapseln fahren auf unterirdischen Schienen, der Antrieb erfolgt über Drehstrommotoren. Jede Kapsel hat eine Kapazität von zwei Europaletten und ist mit einem Transponder ausgestattet, über den das System die Ladungen lokalisiert. An Be- und Entladestationen scheren die „Caps“ automatisch aus der Reihe, um Waren zu liefern oder aufzunehmen. Zwar fahren die Kapseln mit geringer Geschwindigkeit, doch soll ein 24-Stunden-Betrieb dafür sorgen, dass die Transportzeiten im Vergleich zum LKW insgesamt kürzer sind. Seit dem Jahr 2005 betreibt die Ruhr-Universität eine Teststrecke, die allerdings oberirdisch liegt.

7. „Terrafugia TF-X“: Das Propeller-Auto

Der „TF-X“ ist ein Viersitzer-Hybrid-Auto mit ausfahrbaren Propellern. Er soll eine Geschwindigkeit von rund 320 km/h erreichen und eine Strecke von 800 Kilometer mit einer Batterieladung zurücklegen können. Allerdings: „Der TF-X befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium, mit einer Produktion kann in voraussichtlich acht bis zwölf Jahren gerechnet werden“, heißt es auf der Website des Unternehmens Terrafugia.

Der Hersteller verspricht bereits jetzt, dass die Fortbewegung mit dem fliegenden Auto sicherer sein soll als im Straßenverkehr: Andere fliegende Autos sollen genauso von der Technik erkannt werden wie die Vorhersage von schlechtem Wetter und Gewittern. Der Preis würde voraussichtlich deutlich über dem eines normalen Autos liegen, heißt es seitens des Unternehmens. Immerhin: Einen Anbau für sein Haus braucht der künftige Besitzer des „TF-X“ nicht mehr – er passt in eine ganz normale Garage.

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