Flugzeugabsturz

Rätsel um angeblichen Notruf von EgyptAir-Flugzeug

Angehörige der verunglückten Egyptair-Maschine gedenken der Opfer. Derweil gibt es noch Zweifel an Ägyptens Darstellung des Absturzes.

In einer Trauerfeier in einer Kairoer Kathedrale gedenken Angehörige den Opfern des abgestürzten Egyptair-Flugzeuges.

In einer Trauerfeier in einer Kairoer Kathedrale gedenken Angehörige den Opfern des abgestürzten Egyptair-Flugzeuges.

Foto: MOHAMED ABD EL GHANY / REUTERS

Kairo.  Während sich an der Unglücksstelle vor der Küste die Suche auf den Flugschreiber der abgestürzten Egyptair-Maschine konzentrierte, fanden am Wochenende in Kairo muslimische und christliche Trauerfeiern für die 37 einheimischen Opfer der Katastrophe statt. Unter den Toten ist ein junges Elternpaar, die Wohnung und Auto verkauften, um eine Krebsoperation der Ehefrau in Frankreich zu bezahlen. Der Eingriff verlief erfolgreich, voller Hoffnung machte sich die beiden auf den Rückweg zu ihren drei kleinen Kindern, die nun zu Waisen wurden. In einer koptischen Kirche trauerten Familie und Freunde um eine 26-jährige Flugbegleiterin, die in wenigen Monaten heiraten wollte.

Ein französisches Spezialschiff, was die Black Box orten kann, wird am Montag im östlichen Mittelmeer erwartet. Ägypten beteiligt sich mit einem U-Boot, welches bis zu einer Tiefe von 3000 Metern operieren kann. Die Armee veröffentlichte erste Fotos von geborgenen Trümmern, darunter Teile von Sitzen, Schwimmwesten, Schuhen und Taschen der getöteten Passagiere. Egyptair informierte die Angehörigen, die in einem Hotel nahe des Kairoer Flughafens untergebracht sind, über die nächsten Schritte. Der Chef der Fluglinie versprach den Trauernden, alles zu tun, um die Leichen ihrer Angehörigen zu finden.

Zweifel an der offiziellen Darstellung

Gleichzeitig tauchten erste Zweifel auf an der offiziellen Darstellung der ägyptischen Seite, die Flugsicherung in Kairo habe bis zum Verschwinden der Maschine vom Radar keinerlei Kontakt mit dem Cockpit gehabt. Wie der französische Fernsehsender M6 berichtete, habe der Pilot dem Kontrollturm in „einem mehrere Minuten langen Gespräch“ Rauch im Cockpit des Flugzeugs gemeldet und erklärt, er werde die Maschine daher so schnell wie möglich nach unten steuern. Der Sender berief sich auf ungenannte Mitarbeiter der französischen Luftsicherheit, eine offizielle Bestätigung aus Paris gibt es jedoch nicht.

Auch Egyptair hatte nach dem Unglück zunächst erklärt, es habe einen Notruf gegeben, diese Information jedoch später zurückgezogen. Rauch im vorderen Teil des Flugzeuges legen auch sieben elektronische Signale nahe, die kurz vor dem Absturz noch aufgefangen wurden. „Die Analyse dieser Daten erlaubt es nicht, eine Abfolge von Ereignissen zu rekonstruieren, die den Absturz von MS 804 erklärt“, teilte der Flugzeugbauer Airbus mit.

Beschmierte Flugzeuge

Die „New York Times“ berichtete unterdessen, ausgerechnet auf dem Bauch des abgestürzten Airbus 320 sei 2014 in Kairo ein Graffiti entdeckt worden mit dem Text „Wir werden diese Maschine zum Absturz bringen“. Grund dafür könnten die letzten beiden Buchstaben der offizielle Jet-Kennung SU-GCC sein, die phonetisch dem Namen von Präsident Sissi gleichen. Der Ex-Feldmarschall hatte im Juli 2013 seinen Vorgänger Mohammed Mursi mit Gewalt abgesetzt.

Auch die französische Polizei fand nach den IS-Massakern in Paris auf den Flughäfen Charles de Gaulle und Lyon zwei Maschinen von Easyjet und Vueling, die mit arabischen „Allah ist groß“-Parolen beschmiert waren. Zu dem Bombenattentat auf einen russischen Ferienflieger im Oktober 2015 über dem Nordsinai hatte das Reuters-Büro in London Anfang des Jahres berichtet, ein Mechaniker von Egyptair habe die IS-Bombe an Bord geschmuggelt. Kairo bestreitet nach wie vor offiziell, dass dieser Absturz ein Attentat war.

Der Vorsitzende der damaligen Untersuchungskommission, Ayman el-Moqadem, wurde am Freitag nun auch zum Chef der MS 804 Kommission bestellt. Bisher hat sich keine Terrororganisation zu einem Anschlag auf Egyptair bekannt. IS-Sprecher Mohamed al-Adnani drohte am Samstag in einer längeren Audiobotschaft den USA weitere Terrortaten an. Zu dem Absturz über dem Mittelmeer jedoch verlor der Propagandachef kein Wort.