Egyptair

Kurz vor Airbus-Absturz gab es Rauchalarm in Bordtoilette

Nun ist es offiziell: Vor dem Absturz der Egyptair-Maschine meldete ein Warnsystem Rauch an Bord des Airbus. Die Ursache ist unklar.

Am Samstag zeigte das ägyptische Militär aus dem Mittelmeer geborgene Wrackteile, die zu der verunglückten Egyptair-Maschine gehören.

Am Samstag zeigte das ägyptische Militär aus dem Mittelmeer geborgene Wrackteile, die zu der verunglückten Egyptair-Maschine gehören.

Foto: Egyptian Defence Ministry / Hand / dpa

Kairo.  Unmittelbar vor dem Absturz der Egyptair-Maschine über dem Mittelmeer hat es Rauchalarm an Bord des Airbus A320 gegeben. Der Rauch sei aus dem Toilettenbereich im vorderen Teil der Maschine gemeldet worden, sagte eine Sprecherin der französischen Behörde für Sicherheit der zivilen Luftfahrt BEA am Samstag in Paris. Dieser Bereich befindet sich bei Maschinen dieses Typs in direkter Nähe des Cockpits.

Vor dem Absturz seien entsprechende Signale des ACARS-Systems des Flugzeugs gesendet worden, hieß es von der BEA. Ein Rückschluss auf die Ursache des Unfalls sei damit aber nicht möglich. Dazu müssten zunächst die Flugschreiber gefunden und die Daten ausgewertet werden.

Gleichzeitig präsentierte das ägyptische Militär am Samstag Teile des Wracks, die aus dem Mittelmeer geborgen worden waren. Auf einem Video ist zu sehen, wie Mitglieder der Suchmannschaften die Teile aus dem Wasser fischen.

Rauch auch in der Bordelektronik

Das Expertennetzwerk „Aviation Herald“ veröffentlichte einen Auszug des Datenfunksystems ACARS, das automatisch Nachrichten zwischen Verkehrsflugzeugen und Bodenstationen übermittelt. Diese deuten auf ein plötzlich auftretendes Ereignis im rechten vorderen Bereich des Flugzeugs hin. Innerhalb kurzer Zeit seien auch Sensoren an Fenstern auf der rechten Seite, unter anderem im Cockpit, aktiviert worden. Eine Minute nach dem Rauchalarm an der Toilette registrierte das System außerdem Rauch an der Bordelektronik, die sich unter dem Cockpit befindet.

Die Daten lassen darauf schließen, dass der Störfall im Inneren des Flugzeuges auftrat. Als letzte Nachricht schickte das ACARS-System einen Hinweis auf den Ausfall eines Steuerungssystems. Das geschah um 2.29 Uhr Ortszeit - Momente, bevor der Flug MS804 vom Radar verschwand.

Wichtige Datenverbindung zwischen Flugzeug und Boden

ACARS steht für Aircraft Communications Addressing and Reporting System. Es handelt sich um eine Datenverbindung, die kurze Informationen – zum Beispiel über das Wetter – zwischen Flugzeug und Bodenstationen überträgt. Genutzt werden Funkfrequenzen oder Satellitenverbindungen.

Die Linienmaschine mit der Flugnummer MS804 war am frühen Donnerstagmorgen mit 66 Menschen an Bord auf dem Weg von Paris nach Kairo abgestürzt. Am Freitag bargen Suchmannschaften erste Trümmerteile des Flugzeuges. Auch Körperteile der Insassen und persönliche Gegenstände wurden rund 290 Kilometer nördlich der ägyptischen Küstenstadt Alexandria gefunden.

Regierung in Paris hat keine Hinweise auf Ursache

Die französische Regierung sieht auch nach den Meldungen über Rauchalarm im abgestürzten Egyptair-Flugzeug keine konkreten Hinweise auf eine Ursache des Unglücks. Es werde weiterhin in alle Richtungen ermittelt und keine Möglichkeit ausgeschlossen, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault am Samstag in Paris.

Zuvor hatte Ayrault rund 70 Angehörige der Passagiere des Airbus A320 empfangen. Dabei informierte er die Familien über den aktuellen Stand der Suche von Einheiten aus Ägypten, Griechenland und Frankreich. Auch französische Ermittler berichteten über jüngste Erkenntnisse. Im Mittelpunkt steht weiter die Suche nach Wrack, Opfern und Flugschreibern. „Wir wollen so schnell wie möglich die Angehörigen und die Öffentlichkeit informieren, was passiert ist“, sagte Ayrault.

Die Suche nach Wrackteilen soll auch am Samstag weitergehen. Von besonderem Interesse für die Aufklärung der Absturzursache sind die zwei nach wie vor verschollenen Flugschreiber.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, der Absturz des Flugzeugs habe ihn „zutiefst traurig“ gemacht. Er richtete den Hinterbliebenen sein Beileid aus und dankte den Rettungskräften für ihren schnell organisierten Einsatz. Hinweise auf Überlebende des Flugs gab es nicht. An Bord der Maschine waren vorwiegend Ägypter und Franzosen; Deutsche saßen nicht in dem Flugzeug. (dpa)