Ermittlungen

Serienmord: Bei jeder Leiche fehlte anderes Körperteil

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Frank Herrmann (links) und Holger Thomsen (rechts) von der Sonderkommission AG Alaska des hessischen Landeskriminalamtes (LKA): Die Ermittler haben neue Erkenntnisse zum Fall des mutmaßlichen Serienmörders vorgestellt.

Frank Herrmann (links) und Holger Thomsen (rechts) von der Sonderkommission AG Alaska des hessischen Landeskriminalamtes (LKA): Die Ermittler haben neue Erkenntnisse zum Fall des mutmaßlichen Serienmörders vorgestellt.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

In dem Fall des mutmaßlichen Serienmörder aus dem Taunus werden neue grausige Details bekannt. Er sammelte Körperteile seiner Opfer.

Schwalbach.  Im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S. aus Schwalbach am Taunus steigt die Zahl der Verdachtsfälle auf zehn. Die Polizei bringt ihn mit mindestens sechs Morden in Verbindung, wie sie in Wiesbaden mitteilte. Hinzu kommen mindestens vier weitere Fälle, die zumindest einzelne Ähnlichkeiten aufwiesen. Die Polizei hat Hunderte teils Jahrzehnte alte Spuren noch mal neu untersucht, sagte die Präsidentin des hessischen Landeskriminalamtes (LKA), Sabine Thurau.

Als ziemlich sicher gilt, dass der 2014 gestorbene Verdächtige eine Prostituierte tötete, deren zerstückelte Leiche in seiner Garage in Schwalbach gefunden wurde. Hinzu kommen zwei Morde an Prostituierten in den 90er Jahren in Frankfurt am Main sowie zwei Morde an Frauen ebenfalls in Frankfurt in den 70er Jahren, wie die Polizei am Donnerstag erklärte. Außerdem passe der Fall des 1998 in Frankfurt-Höchst getöteten 13-jährigen Tristan ins Bild, obwohl es sich beim Opfer um einen Jungen handelte. Auch bei Tristan habe der Täter sadistische sexuelle Fantasien ausgelebt.

Abbildungen sexueller Gewaltfantasien auf Computer gefunden

Bei den Opfern sind nach Angaben der Ermittler immer unterschiedliche Körperteile entnommen worden. Bei allen Taten gebe es die Gemeinsamkeit, dass Organe und Körperteile vom Täter mitgenommen worden seien, aber nie die gleichen. Ermittler Frank Hermann: Mal sei es ein rechtes Bein, mal ein linker Arm – „wenn Sie das zusammenrechnen, könnten Sie sich tatsächlich dadurch einen neuen Körper herstellen“. Mindestens einem seiner Opfer habe Manfred S. Organe entnommen. Dieses spezielle „Verletzungsbild“, welches bei der zerstückelten Frauenleiche in seiner Schwalbacher Garage festgestellt worden sei, sei auch bei fünf weiteren Morden in den vergangenen Jahrzehnten gefunden worden, sagten die Ermittler. Im Computer des Mannes seien außerdem Dateien mit Abbildungen sexueller Gewaltfantasien gefunden worden, die „fast eins zu eins“ den Verletzungen bei den mutmaßlichen Opfern entsprochen hätten.

Der mutmaßliche Serienmörder hatte möglicherweise einen Mittäter. Speziell eine Leiche lasse „daran denken, dass hier möglicherweise zwei Täter ihre Fantasien ausgelebt haben“, sagte einer der Ermittler.

Die Parallele zwischen den Morden an Prostituierten und dem gewaltsamen Tod des Schülers sei sicherlich mit dem Vorgehen des Täters zu erklären, sagte der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg der Deutschen Presse-Agentur. Die Analyse habe ergeben, dass der Mörder „so profiliert, so speziell vorgegangen ist, dass dies nicht einfach Zufall sein kann“. Zwar erscheine es ungewöhnlich, dass ein Täter, der auf Prostituierte fixiert ist, auch einen Jungen umbringe, dies hänge aber vom Opferprofil des Täters ab. Möglicherweise sei es diesem darum gegangen, Menschen in einer bestimmten Art zu ängstigen, zu terrorisieren, zu quälen und Trophäen zu sammeln.

Polizeilich nie aufgefallen

Nach dem Tod des 67-Jährigen im Sommer 2014 hatten Angehörige in einer von ihm gemieteten Garage in Schwalbach am Taunus Fässer mit Leichenteilen gefunden. Die Tote wurde später als Prostituierte aus dem Frankfurter Rotlichtmilieu identifiziert, die vermutlich mehr als zehn Jahre zuvor getötet worden war. Von der Polizei wird Manfred S. als „ganz normaler Familienvater“ beschrieben. Er sei bis zu seinem Tod 2014 im Alter von 67 Jahren polizeilich nicht aufgefallen, sagte Ermittler Frank Hermann.

Ein Serientäter könne nicht dauernd morden, sondern brauche Opfer und Zeit für die Vorbereitung seiner Taten, sagte Egg. „Es gibt sicher Phasen, in denen er nur davon träumen kann, so etwas wieder zu machen.“ In solchen Zeiten habe er sich möglicherweise an seinen Trophäen berauscht. „Er wollte das bei sich haben, um eben diese Glücksgefühle zu verlängern“, sagte Egg mit Blick auf die Leichenteile in der Garage. Möglicherweise habe er auch einige verspeist. „Das wäre nur noch ein weiterer Schritt.“ Ein Raub- oder Eifersuchtsmörder wolle mit seinem Opfer nichts mehr zu tun haben. Dieser mutmaßliche Täter habe zehn Jahre Zeit gehabt, die Leichenteile verschwinden zu lassen, es aber nicht getan.

Die Fahnder sehen derzeit laut Medienberichten unter anderem bei zwei Tötungsdelikten an Prostituierten aus den Jahren 1991 und 1993 konkrete Hinweise auf mögliche Parallelen. Im Sommer 1991 hatte ein Pilzsammler nahe Hofheim eine Tote entdeckt. Der damaligen Obduktion zufolge war die 36 Jahre alte Gisela S. aus Wiesbaden erdrosselt worden. Im Winter 1993 fanden städtische Reinigungsarbeiter in Frankfurt den Torso der 32 Jahre alten Dominique M.. Die Obduktion ergab, dass sie einen Stich ins Herz erlitten hatte. (dpa)

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