Umwelt

Bloggerin Shia Su führt ein Leben (fast) ganz ohne Müll

Der Umwelt zuliebe produziert Shia Su seit mehr als einem Jahr keinen Abfall. Einschränken müssen sie und ihr Mann sich dabei kaum.

Im Müllglas sammelt Shia Su Abfälle, die sich nicht vermeiden lassen: Kassenzettel, Medikamentenverpackungen oder die Klarsichtfenster von Briefen.

Im Müllglas sammelt Shia Su Abfälle, die sich nicht vermeiden lassen: Kassenzettel, Medikamentenverpackungen oder die Klarsichtfenster von Briefen.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Plastikflaschen, Müllbeutel, Toilettenpapier – Dinge, die wohl fast jeder von uns jeden Tag benutzt. Shia Su verzichtet komplett darauf. Die Bloggerin lebt nach dem Motto „Zero Waste“ (Kein Abfall) – gemeinsam mit ihrem Mann Hanno verzichtet sie seit mehr als einem Jahr auf Müll. „Wir wollen so wenig wie es geht auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt leben“, sagt die 32-jährige, die in Bochum lebt.

Die Idee, ihren Lebensstil zu ändern, kam Su in einer Facebook-Gruppe für Veganer. „Eine Familie aus Kalifornien hat in einem Video gezeigt, wie sie ohne Müll lebt. Zuerst dachten wir, das geht in Deutschland nicht.“ Dass es doch klappt, haben Shia und Hanno Su recht schnell festgestellt. Nach und nach haben sie sich auf ihre neue Lebensweise umgestellt. „Wasser trinken wir nur aus der Leitung“, sagt Shia Su. Statt Säften aus PET-Flaschen gibt es Smoothies aus Früchten, Bier wird nur aus Glasflaschen getrunken.

Tägliche Hygiene ist kein Problem

Beim Lebensmittel-Einkauf wird es für die Veganer zwar etwas komplizierter, aber auch das funktioniere besser, als anfangs gedacht. „Wir kaufen fast nur frische Sachen ein. Die nehmen wir in Säcken aus Stoff mit“, sagt Su. Gemüse wird an der Kasse lose aufs Band gelegt. In Bioläden und speziellen „Unverpackt-Läden“ werde auf solche Bedürfnisse Rücksicht genommen. Trockennahrung – etwa Linsen, Erbsen, Nudeln, Studentenfutter – füllen sich Hanno und Shia Su in Einmachgläser ab. „Die beste Verpackung ist gar keine Verpackung.“ Ein Mülltonne hat das Paar nicht. Küchenabfälle werden in einer Wurmkiste in der Küche kompostiert – ohne Geruchsbelästigung.

Auch für die tägliche Hygiene gebe es umweltschonende Lösungen, erklärt die Bloggerin. Die Zahnbürste ist aus kompostierbarem Bambus, die Zahnpasta aus Kokosöl, Natron und weiteren schonenden Zutaten. „Statt Toilettenpapier nehmen wir Wasser und Seife. Das ist eh viel hygienischer“, sagt Shia Su. Schminke bekommt sie über Fehlkäufe von Freundinnen. „Da kommt genug zusammen.“

Manchmal wird es dann doch schwierig

Kleidung kaufen die Sus Second Hand oder Fair Trade. Gewaschen wird mit Kastanienmehl. Trotz aller Bemühungen: Etwas Müll fällt dennoch an. „Schwierig kann es generell bei Medikamentenverpackungen oder Kondomen werden, oder wenn Sachen kaputt gehen.“ Der Abfall der letzten acht Monate passt problemlos in ein Einmachglas.

Shia Su bloggt im Internet auf www.wastelandrebel.com über ihren Alltag und gibt Interessierten Tipps für ein müllfreies Leben. Rund 1500 Aufrufe pro Tag verzeichnet ihre Seite. Auch ein Buch hat sie über das Thema geschrieben. „Zero Waste – Weniger Müll ist das neue Grün“ erscheint am 1. Juni.

Verzichten müssen sie auf nichts

Freunde und Familie hätten zu Beginn mitunter etwas skeptisch auf den Lebenswandel reagiert. Inzwischen haben viele aber sogar Teile davon übernommen. „Meine Mutter nutzt beim Einkauf jetzt auch Stoffbeutel“, sagt Su stolz. Artikel, die sie noch loswerden wollen, stehen in der „Umverteilungsecke“ ihrer Wohnung: Ein Modem, eine Eieruhr, ein Dusch-Schlauch, eine Haarbürste und einiges mehr.

Verzichten, da sind sich die Sus einig, müssen sie auf nichts. „Unser Leben ist viel besser und stressfreier geworden.“ Und beide entdecken immer wieder neue Möglichkeiten, um Müll zu vermeiden.

Der Text ist zuerst auf derwesten.de erschienen.