Braunkohle

Umweltaktivisten beenden Blockade von Lausitzer Kraftwerk

Nach drei Tagen beenden Umweltaktivisten ihren Protest gegen einen Kohlemeiler in der Lausitz. Dem Kraftwerk drohte die Abschaltung.

Seit Samstagnachmittag hatten Umweltaktivisten die Zugverbindung zum Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Brandenburg blockiert. Dem Meiler drohte die Abschaltung.

Seit Samstagnachmittag hatten Umweltaktivisten die Zugverbindung zum Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Brandenburg blockiert. Dem Meiler drohte die Abschaltung.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Welzow.  Das Protestbündnis „Ende Gelände“ hat die Blockade des Braunkohlekraftwerks Schwarze Pumpe im Süden Brandenburgs für beendet erklärt. „Die Massenaktion ist vorbei“, teilte ein Sprecher am Sonntagnachmittag mit. Aktivisten begannen damit, die Schienen zum Meiler wieder zu räumen. „Wir haben unsere politischen Ziele erreicht“, sagte der Sprecher. Einzelne Braunkohlegegner verharrten zunächst noch an Ort und Stelle.

Seit Samstagnachmittag hatten hunderte Menschen die Gleise der Kohlezüge besetzt gehalten und damit den Nachschub mit Braunkohle abgeschnitten. Am Sonntag drohte dem Kraftwerk die Abschaltung. „Wenn man ein Kraftwerk nicht mehr mit Kohle versorgen kann, bedeutet das in letzter Konsequenz die Abschaltung“, hatte ein Sprecher des Betreibers Vattenfall am Sonntagmittag gesagt. „Danach kann man es nicht in ein paar Minuten wieder anfahren. Das braucht bis zu einen Tag.“

130 Festnahmen bei Protestaktion am Samstag

Das Protestbündnis „Ende Gelände“ ist Teil der internationalen Umweltaktion „#breakfree2016“. Nach Polizeiangaben waren rund 1600 Aktivisten aus ganz Europa in die Lausitz gekommen. Am Freitag hatte die Protestaktion in der Nähe von Cottbus begonnen, tags darauf begannen die Gleisblockaden. Nach einer kurzzeitigen Besetzung des Geländes am Samstag hatte die Polizei rund 130 Menschen vorläufig festgenommen. Sie würden inzwischen schrittweise aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber hat die Besetzung des Braunkohle-Tagebaus in der Lausitz am Pfingstwochenende heftig kritisiert. Der SPD-Politiker bezeichnete die Aktivisten als „aus ganz Europa anreisende Rechtsbrecher“. Gerber sagte am Sonntag weiter: „Natürlich steht es jedermann frei, für Unsinn und Unfug zu demonstrieren. Aber es darf nicht sein, dass in unserem Land Gewalt und Selbstjustiz um sich greifen.“

Nur noch 20 Prozent der normalen Leistung

Ministerpräsident Woidke forderte die Demonstranten auf, das Recht auf Demonstrations-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit nicht zu missbrauchen. „Wenn Aktionen in Gewalt und Nötigung umschlagen, ist eine rote Linie erreicht“, sagte Woidke. Zu dieser Kritik sagte eine „Ende Gelände“-Sprecherin, bei einer „Massenaktion zivilen Ungehorsams“ müssten, wenn nötig, auch Zäune überwunden werden. Dass der Zaun des Kraftwerks Schaden genommen habe, bedauere sie. „Uns ist vor allem wichtig, dass es keine Gewalt gegen Menschen gibt.“

Ansonsten zog die Sprecherin am Sonntag eine positive Zwischenbilanz: „Die Ausdauer und Entschlossenheit der Aktivisten ist unglaublich. Diese Bewegung wird den Kohleausstieg durchsetzen.“ Das Bündnis teilte mit, Schwarze Pumpe erzeuge nur noch 20 Prozent seiner gewöhnlichen Leistung und bezog sich damit auf Zahlen der Leipziger Strombörse vom Samstagabend. Vattenfall machte dazu auf Nachfrage keine Angaben. Der Kohlemeiler Schwarze Pumpe versorgt die nahen Städte Spremberg in Brandenburg und Hoyerswerda in Sachsen mit Fernwärme. (dpa)

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