Eurovision Song Contest

So „cosplay“ ist ESC-Kandidatin Jamie-Lee Kriewitz wirklich

Auch im Finale des „Eurovision Song Contest“ wird Manga-Mädchen Jamie-Lee ein schrilles Outfit tragen. Doch ist das wirklich Cosplay?

Ihre knalligen Outfits haben ESC-Kandidatin Jamie-Lee Kriewitz zum Spitznamen Manga-Mädchen verholfen.

Ihre knalligen Outfits haben ESC-Kandidatin Jamie-Lee Kriewitz zum Spitznamen Manga-Mädchen verholfen.

Foto: TT NEWS AGENCY / REUTERS

Berlin.  Bunt, schrill, auffällig – mit ihrer Kleidung, den ungewöhnlichen Accessoires und dem kreativen Kopfschmuck sorgt Jamie-Lee Kriewitz für Aufmerksamkeit. Schon seit ihrer Teilnahme bei „The Voice of Germany“ ist die 18-Jährige wegen ihrer knalligen Outfits als das Manga-Mädchen bekannt. Auch wenn sie am Samstag beim „Eurovision Song Contest“ (ESC) Deutschland vertritt, wird sie sich so extravagant kleiden, wie es die Fans von ihr gewohnt sind.

„Es wird auf jeden Fall im Manga-Stil bleiben. Ganz viel Haarschmuck, ganz viel Buntes, ganz viele Accessoires, einfach bunt und auffällig“, verriet sie jüngst in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur. Was aber hat es mit den kunterbunten Klamotten auf sich? Was haben sie mit Jamie-Lees Vorliebe für japanische Comics zu tun? Ist die Sängerin eine sogenannte Cosplayerin? Und was genau ist das eigentlich?

Cosplay – ein japanisches Kostümspiel wird zum Trend

Der Begriff Cosplay setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen „costume“ und „play“ und bedeutet frei übersetzt so viel wie „Kostümspiel“. Die Anhänger des Cosplay, sogenannte Cosplayer, verkleiden sich als Figuren aus Mangas und Animes, also aus japanischen Comics und Zeichentrickfilmen, aus Computerspielen oder Filmen. Dabei beschränken sich manche Cosplayer darauf, die Kleidung und Accessoires ihrer Helden zu tragen, andere benehmen sich aber auch wie die Charaktere und imitieren etwa Gestik und Mimik.

Ursprünglich entstanden in Japan, kam der Trend mit dem Manga- und Anime-Boom der 1990er Jahre nach Europa und damit auch nach Deutschland. „Bekannt war damals etwa die Serie ,Sailor Moon’“, sagt Lars Hilgefort aus Hamburg. Der 22-jährige Student ist seit sieben Jahren Cosplayer. Als „CodeKnightmare“ postet er auf Facebook Fotos seiner Kostüme. Häufig posiert er gemeinsam mit seiner Freundin, die ebenfalls Cosplayerin ist. Seit rund eineinhalb Jahren engagiert sich Hilgefort zudem im Berliner Anime Kultur Verein, der Anfang Juni eine Anime-Messe mit Cosplay-Wettbewerb in Berlin veranstaltet.

Cosplayer schlüpfen in die Rolle ihrer Comic-Helden

Obwohl Cosplayer in die Rolle fiktiver Charaktere schlüpfen, sei Cosplay keinesfalls ein Rollenspiel, erklärt Hilgefort. Vielmehr sei Cosplay ein Hobby oder eine Art Fankult. Die meisten Cosplayer seien weiblich und zwischen 16 und 25 Jahre alt. Zudem seien Cosplayer, anders als Anhänger anderer Jugendkulturen, im Alltag nicht unbedingt als solche zu erkennen. Die Kostüme tragen die meisten demnach nur auf Cosplay-Veranstaltungen wie Conventions, Messen oder bei – oftmals privaten – Fotoshootings. „Allerdings sieht man trotzdem häufig zum Beispiel durch entsprechende T-Shirts oder Merchandise, dass man es mit einem Gamer oder Manga-Fan zu tun hat.“

Bei den Cosplay-Outfits selbst sei Detailtreue wichtig. „Einfach ein buntes Kostüm zu tragen und dazu ranzige Schuhe, das ist kein gutes Cosplay“, sagt Hilgefort. Auf Facebook präsentiert erden Beweis: Für sein Kostüm als Lelouch aus dem Anime „Code Geass“ hat er Lederschuhe mit mehreren Schichten Farbe bearbeitet. „Sich einfach bunt anzuziehen, reicht auf jeden Fall nicht.“ Deshalb sei ESC-Kandidatin Jamie-Lee Kriewitz auch keine Cosplayerin im eigentlichen Sinne. „Sie kleidet sich im Harajuku-Style“, erklärt der Experte. Der Kleidungsstil zeichne sich durch eben die bunten Klamotten, Lolita-Kleider, auffällige Haarspangen und Kopfschmuck aus, die die Sängerin trägt.

Jamie-Lee zeigt Verbundenheit zur japanischen Jugendkultur

Harajuku ist eigentlich ein Stadtteil Tokios, der vor allem als Künstlerviertel und als Modezentrum mit vielen kleinen Läden und Boutiquen bekannt ist. Die dort angebotene Jugendmode gab einem eigenen Stil, dem sogenannten Harajuku-Kei, seinen Namen. „Trotzdem zeigt Jamie-Lee mit ihren Outfits die Verbundenheit zu Japan, Mangas und Animes“, sagt Hilgefort. „Sie ist ja auch in der Szene unterwegs und besucht Conventions.“ Einem Bericht der „Welt“ zufolge beschreibt die Sängerin selbst ihren Stil als „kawaii“, dem japanischen Ausdruck für „liebenswert“, „süß“, „niedlich“, „kindlich“ oder auch „attraktiv“.

Viele Cosplayer zieht es in die Öffentlichkeit. So lassen sich manche von Jurys auf Cosplay-Wettbewerben bewerten oder betreiben wie Hilgefort auf Facebook eigene Fan-Seiten. „Die Bewertung erfolgt dann durch die Resonanz der Facebook-Fans“, erklärt der Cosplayer. Auch das macht Jamie-Lee Kriewitz nicht. Was die Sängerin mit ihren bunten Outfits jedoch erreiche, sei, Manga- und Anime-Fans ein besseres Image zu verschaffen, vermutet Hilgefort. Anime-Fans würden häufig als Außenseiter belächelt. „Jamie-Lee erreicht so viele Fans, viele Leute fühlen sich von ihr angesprochen“, sagt Hilgefort, „dadurch werden Mangas, Animes und Cosplay bekannter.“ Auch wenn Jamie-Lee Kriewitz gar keine richtige Cosplayerin ist, hat sie doch das Potenzial, mehr Akzeptanz für Cosplayer in der Öffentlichkeit zu schaffen.