Ex-Schwimmerin

Franziska van Almsick: „Auf meine Tiefen bin ich stolz“

Als junges Mädchen wurde sie zum Star – es folgten viele Niederlagen. Heute ist Franziska van Almsick eine erfolgreiche Geschäftsfrau.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin.  So ganz kommt Franziska van Almsick auch nach ihrer Schwimmkarriere nicht vom Wasser los. Allerdings ist die Perspektive längst eine andere: Sie moderiert am Wochenende für die ARD die 128. Deutschen Meisterschaften im Schwimmen in Berlin. Die 38-Jährige hat keine leichte Zeit hinter sich. Ihr Verlobter Jürgen B. Harder musste sich vor dem Frankfurter Landgericht wegen des Vorwurfs der Bestechung verantworten. Das Thema war beim Interview allerdings tabu.

Wie wichtig ist Schwimmen heute für Sie?

Franziska van Almsick: Ich gehe eigentlich gar nicht mehr schwimmen, denn wenn ich es tue, brauche ich Platz. Ein 25-Meter-Pool ist schon gut, aber 50 Meter sind noch besser. Doch die findet man relativ selten. Nur in öffentlichen Bädern, und die sind meistens voll mit Trainingsbetrieb oder mit gesundheitsbewussten Rentnern, die ihren Frühsport machen. Da fällt es mir schwer, meinen Platz zu finden. Aber es zieht mich auch nicht mehr hin, es freut mich, dass ich mich jetzt sportlich anders betätigen kann. Ich bin froh, wenn ich nicht mehr so viel ins Wasser muss.

Wie halten Sie sich denn fit?

van Almsick: Ich habe vor zwei Jahren das Fitnessportal Mybod-e gegründet, womit ich auch unterwegs viel machen oder zu Hause trainieren kann. Der Große ist in der Schule und der Kleine macht Mittagsschlaf und jetzt habe ich Zeit dafür. Mit festen Trainingszeiten ist das nicht mehr zu schaffen.

Muss man sich als Mutter so behelfen?

van Almsick: Mal ist Elternversammlung, mal muss man etwas für die Kleinen besorgen, da muss man schauen, wo Zeit für sich bleibt.

Fehlt Ihnen der Wettbewerb?

van Almsick: Gar nicht. Ich habe meine Karriere bewusst beendet, das war meine eigene Entscheidung. Heute bin ich dankbar dafür, dass ich verschiedene Sachen machen darf und Mutter von zwei Kindern bin.

Apropos Wettbewerb. Droht bei Olympia wieder so eine schlechte Ausbeute wie 2012, als keine Medaillen gewonnen wurden?

van Almsick: Ich sehe, dass die Schwimmnationalmannschaft sich sehr positiv entwickelt hat. Dass auch die von unserem neuen Bundestrainer angeschobene Richtung eine sehr gute ist. Ich glaube, dass wir Olympia mit Medaillen beenden werden. Erst an den beiden ersten Tagen der Olympischen Spiele wird man sehen, wie fit die anderen Nationen sind. Die Deutschen haben sich sehr konzentriert vorbereitet. Mit unserem Brustschwimmer Marco Koch haben wir jemanden, der von sich sagt, dass er nach den Erfolgen der letzten Jahre nun eine Medaille in Rio haben will. Ich finde es besonders toll, dass er sich eingesteht, dass er ein Medaillenkandidat ist.

Die Wettkämpfe starten spätnachts. Wie wird sich das auswirken?

van Almsick: Der Vorteil ist, dass sich alle Sportler umstellen müssen, um nachts ins Wasser zu springen. Ein klarer Vorteil für Nachtmenschen. Bei mir ist es anders. Wenn die Dämmerung einsetzt, dann falle ich in ein Delirium. Ich bin eher der Morgenmensch.

Wenn man so viel Höhen wie Sie erlebt hat, gehören dann auch Tiefen dazu?

van Almsick: Ich bin eher auf meine Tiefen stolz als auf meine Höhen. Es war toll, die Höhepunkte erlebt zu haben, aber wirklich weitergebracht haben mich meine Tiefen – und davon habe ich auch einige erlebt. Ich glaube, dass ich heute nicht die wäre, die ich bin, wenn ich die Tiefs nicht erlebt hätte. Ich finde, das ist das Leben. Es wäre langweilig, wenn es nur vor sich herplätschern würde, die Sonne immer schiene und alles toll wäre.

Wie gehen Sie damit um, wenn das Leben gerade mal schwer ist?

van Almsick: Man muss positiv denken, vorwärts blicken und nicht stehen bleiben. Keine Angst vor dem haben, was kommt. Wenn Wolken aufziehen, dann ist nicht die Zeit, unter dem Schirm abzuwarten. Sondern es geht darum weiterzukommen.