Waldbrände

Hoffnungsschimmer in abgebrannter Stadt Fort McMurray

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Jörg Michel
Reste eines abgebrannten Hauses in Fort McMurray.

Reste eines abgebrannten Hauses in Fort McMurray.

Foto: CHRIS WATTIE / REUTERS

Das Zentrum Fort McMurray wurde offenbar vor den Flammen gerettet. An eine Rückkehr der Bewohner ist aber noch lange nicht zu denken.

Edmonton.  Der Kampf um das Stadtzentrum dauerten genau zwölf Stunden und am Ende errangen die Feuerwehrleute ihren wahrscheinlich wichtigsten Sieg. Mit vereinten Kräften gelang es ihnen, ein Übertreten der Flammen über das Ostufer des Clearwater River zu verhindern. Damit blieb die Innenstadt von Fort McMurray vor einer totalen Zerstörung verschont und viele wichtige Gebäude blieben erhalten: das Krankenhaus, die Schulen, die großen Einkaufszentren, die Gemeindegebäude.

Nach Tagen von Hiobsbotschaften aus den Waldbrandgebieten war es endlich einmal eine gute Nachricht, die Feuerwehrchef Darby Allen den Kanadiern am Montag überbringen konnte. Erstmals durfte an diesem Morgen auch eine kleine Gruppe Journalisten in Polizeibegleitung die Geisterstadt besuchen. Was sie zu sehen bekamen waren schreckliche Bilder der Zerstörung – aber auch Zeichen der Hoffnung.

„Wir könnten die Stadt wieder aufbauen“

So ist das Herz der evakuierten Stadt offenbar weitgehend intakt. Die Regierungschefin der Provinz Alberta sprach von einem „heroischen Einsatz“ der Feuerwehrleute und Einsatzkräfte. „Noch vor wenigen Tagen waren wir von einem Meer aus Feuer umgeben. Aber jetzt sieht es so aus, als habe die Stadt Fort McMurray überlebt und wir könnten die Stadt wieder aufbauen.“

Laut Notley wurden zwar 2.400 Gebäude zerstört, etwas mehr als bislang gedacht. Gleichzeitig aber trotzten immerhin 25.000 Gebäude den Flammen, die sich dank drehender Winde mittlerweile von der Stadt weg bewegen und durch weitgehend menschenleere Wildnis in Richtung Nachbarprovinz Saskatchewan ziehen. Auch die Ölförderanlagen scheinen derzeit nicht mehr bedroht.

Reporter des kanadischen Senders CBC, die an der Tour teilnehmen konnten, sprachen allerdings von einer Schneise der Zerstörung in den Randbezirken. Im Vorort Beacon Hill im Süden der Stadt etwa ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Von einst 700 Häusern ist nur noch Asche und verkohlter Zement geblieben. Auf den Straßen und Garageneinfahrten stehen ausgebrannte Autos mit geschmolzenen Reifen. Dazwischen sieht man unbrauchbare Küchengeräte wie Kühlschränke und Herde.

Kein Strom, kein Wasser, kein Gas

In einem anderen Bezirk ist ein Motel ausgebrannt und eine Tankstelle explodiert. Wo einst Kinder spielten häufen sich Trümmerberge und Schutt auf. Die Feuerwehrleute berichteten, dass sie manche Vororte angesichts der riesigen Feuerwalze und fehlendem Löschwasser früh aufgegeben hätten, um ihre Kräfte auf wichtige Infrastruktureinrichtungen und das Stadtzentrum konzentrieren zu können.

Das scheint gelungen – wenn an eine Rückkehr der Bewohner auch noch lange nicht zu denken ist. „Die Stadt ist nicht sicher und wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns“, betonte Notley. Noch glimmt an einigen Stellen das Feuer. In großen Teilen der Stadt gibt es kein fließend Wasser, kein Gas und kein Strom und es wird noch Wochen oder gar Monate dauern, bis die Stadt wieder bewohnbar wird. Frühestens in zwei Wochen soll es einen ersten Zeitplan geben. 1500 Arbeiter haben an einigen Stellen bereits mit dem Wiederaufbau begonnen.

Jenseits der Stadtgrenzen allerdings ist das Feuer weiterhin außer Kontrolle und hat sich auf mittlerweile 2.000 Quadratkilometern breit gemacht, das ist eine etwa doppelt so große Fläche wie Berlin. Damit wächst das Feuer jetzt langsamer als zuletzt befürchtet. Kühlere Temperaturen und vereinzelter Nieselregen haben den Feuerwehrleuten die Arbeit ein wenig erleichtert. Rund 1000 Feuerwehrleute bleiben rund um die Uhr im Einsatz.

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