Flugkatastrophe

Vater eines Absturz-Opfers verklagt Germanwings-Flugärzte

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Alle 150 Insassen starben, als der Co-Pilot die Germanwings-Maschine am 24. März 2015 in den französischen Alpen zum Absturz brachte.

Alle 150 Insassen starben, als der Co-Pilot die Germanwings-Maschine am 24. März 2015 in den französischen Alpen zum Absturz brachte.

Foto: Sebastien Nogier / dpa

Ein Düsseldorfer verlor beim Absturz der Germanwings-Maschine im März 2015 Tochter und Enkel. Nun verklagt er die Ärzte des Co-Piloten.

Frankfurt am Main.  Rund ein Jahr nach dem Germanwings-Absturz hat der Vater eines Opfers juristische Schritte gegen Fliegerärzte der Lufthansa und Verantwortliche des Luftfahrtbundesamtes (LBA) eingeleitet. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtete, hat der Düsseldorfer Unternehmer, der bei dem Unglück seine Tochter, deren Lebensgefährten und seinen 18 Monate alten Enkel verloren hatte, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gestellt. Die Behörde erklärte gegenüber der Zeitung, dass die Unterlagen derzeit gesichtet würden.

„Hätten die Flugmediziner und Gutachter sich an das jeweils geltende Recht gehalten, so hätte diese Katastrophe nicht stattgefunden“, zitiert die „Welt am Sonntag“ aus der Anzeige, die ihr vorliegt. Für den hinterbliebenen Vater kommt demnach etwa der Straftatbestand der fahrlässigen Tötung in Betracht. Der Mann wirft den Medizinern und der Aufsichtsbehörde LBA vor, den Co-Piloten des Flugs, der den Absturz offenbar absichtlich herbeiführte, trotz der bekannten schweren psychischen Erkrankung nicht vorschriftsmäßig begutachtet und kontrolliert zu haben.

Co-Pilot hätte keine Genehmigung erhalten dürfen

Der Kläger hatte laut Zeitungsbericht zusammen mit einem Juristen die Ermittlungsakte der französischen Staatsanwaltschaft ausgewertet. Dabei seien mutmaßlich schwere Versäumnisse der flugmedizinischen Dienstes der Lufthansa und des LBA ausgemacht worden, hieß es.

Der Kläger wirft den Verantwortlichen vor, dass bereits das mit Sondergenehmigung im Juli 2009 erteilte Tauglichkeitszeugnis des Co-Piloten zu Unrecht ausgestellt worden sei. Zudem hätten in den Folgejahren die bei einer solchen Erkrankung vorgeschriebenen psychologischen Untersuchungen nicht stattgefunden. Eine vollständige Dokumentation der durchgeführten Befragungen, der Labor- und Untersuchungsergebnisse würde fehlen, kritisierte er.

Noch keine Reaktion der Angeklagten

Sowohl die Lufthansa als auch das Luftfahrtbundesamt wollten sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Die Lufthansa verwies gegenüber „Welt am Sonntag“ auf das derzeit laufende Todesermittlungsverfahren der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft.

Am 24. März 2015 war ein Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf über den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Insassen kamen ums Leben. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der 27-jährige Co-Pilot, der unter einer Depression litt, die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht haben. (epd)

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