TV-Produktion

Geiselgangster von Gladbeck wehrt sich gegen Verfilmung

Einer der Täter der Geiselnahme von Gladbeck will einen ARD-Film über die Ereignisse verhindern. Die Produzentin argumentiert dagegen.

Ein Archivbild von der Geiselnahme 1988: Die Geiselnehmer hatten auch einen Linienbus aus Bremen als Fluchtfahrzeug benutzt.

Ein Archivbild von der Geiselnahme 1988: Die Geiselnehmer hatten auch einen Linienbus aus Bremen als Fluchtfahrzeug benutzt.

Foto: imago stock&people

Gladbeck.  Einer der Geiselgangster von Gladbeck will sich juristisch gegen einen ARD-Film zur Wehr setzen. Der Aachener Rechtsanwalt Rainer Dietz sagte am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd), er habe im Auftrag seines Mandanten Hans-Jürgen Rösner der Berliner Produktionsfirma Ziegler TV eine Unterlassungsaufforderung zukommen lassen.

Er bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Die Produzentin Regina Ziegler plant ein zweiteiliges Doku-Drama über die Geiselnahme von Gladbeck aus der Opferperspektive. Die Dreharbeiten sollen in diesem Sommer beginnen.

Anwalt: „Personen der Zeitgeschichte“

Der Anwalt von Ziegler TV, Christian Schertz, sagte dem epd in Berlin, dass keine Unterlassungserklärung abgegeben werde. Das Geiseldrama von 1988 gehöre zu den spektakulärsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte: „Es hat sich in unserer aller, vor allen Dingen auch visuelles, Gedächtnis eingebrannt.“ Insofern seien die Täter bis heute im wahrsten Sinne des Wortes Personen der Zeitgeschichte und müssten von daher grundsätzlich eine filmische Darstellung der Tat hinnehmen, vergleichbar mit den Terroristen der RAF, sagte Schertz.

Dietz argumentiert, die geplante Verfilmung gefährde eine mögliche Wiedereingliederung seines Mandanten in die Gesellschaft. Eine tatsächliche Lockerung des Vollzuges sei indes unwahrscheinlich, sagte der Anwalt. Eine Einigung wäre aus seiner Sicht auch möglich, wenn sich Ziegler Film auf dem Gesprächsweg darauf einlasse, in dem Film eine „ausgewogene journalistische Perspektive“ einzunehmen und auch die Täterperspektive, etwa durch eine Stellungnahme Rösners, zu berücksichtigen. Andernfalls werde zu entscheiden sein, ob sein Mandant per einstweiliger Verfügung gegen die Verfilmung vorgehe oder Klage einreiche.

Rösner hatte 1988 mit seinem Komplizen Dieter Degowski eine Gladbecker Bank überfallen. Bei der anschließenden Flucht durch Deutschland und die Niederlande kamen zwei Geiseln und ein Polizist ums Leben. Rösner und Degowski wurden 1991 zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Rösner sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Aachen. (epd)

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