Tötungsdelikt

Ermittlungen in Höxter: Frau aus Großraum Berlin misshandelt

Das verdächtige Paar aus Höxter ist offenbar nicht nur für den Tod einer Frau verantwortlich. Ermittler geben grausame Details bekannt.

Vor dem Haus im nordrhein-westfälischen Höxter wurden Sichtschutzwände aufgebaut. Am Dienstag geht die Spurensuche auf dem Grundstück weiter.

Vor dem Haus im nordrhein-westfälischen Höxter wurden Sichtschutzwände aufgebaut. Am Dienstag geht die Spurensuche auf dem Grundstück weiter.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Höxter.  Neue Details im Fall Höxter: Die Ermittler haben auf einer Pressekonferenz am Dienstag bekannt gegeben, dass die wochenlang gefangengehaltene Frau in Höxter nicht das einzige Opfer des verdächtigen Paares war. 2014 sei bereits eine 33-Jährige aus Niedersachsen umgebracht worden, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer am Dienstag in Bielefeld.

Der mutmaßliche Täter und die 33-Jährige hatten im Jahr 2013 geheiratet, nachdem auch sie sich über eine Kontaktanzeige kennengelernt hatten. Im Zusammenleben entwickelte sich wohl eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung, in der es um Macht, Schmerzen und Unterwerfung gegangen sein soll, wie der leitende Ermittler Ralf Östermann am Dienstag bei einer Pressekonferenz berichtet. Denn mit im Haus lebte auch die Ex-Ehefrau des Verdächtigen. Die 47-Jährige soll das Opfer auf Befehl des Mannes gequält haben. In der Folge ist die Frau schwer misshandelt worden. Im Sommer 2014 sei die Frau gestorben, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer. Ihr Leichnam sei tiefgefroren und die Leichenteile im Kamin verbrannt worden. Diese Erkenntnisse stützen sich im Wesentlichen auf Aussagen der beschuldigten 47-Jährigen.

Opfer bei Einwohnermeldeamt an- und abgemeldet

Sie habe umfassende Angaben zum Tatgeschehen gemacht, sagte Oberstaatsanwalt Meyer. Das Opfer von 2014 habe noch mehrmals SMS verschickt und sei nicht als vermisst gemeldet worden, sagte Östermann. Ihr erstes Opfer habe das verdächtige Paar auf dem Einwohnermeldeamt von Höxter offiziell angemeldet, sagten die Ermittler. Nach ihrem Tod hätten sie die Frau wieder abgemeldet.

Die beschuldigte 47-Jährige habe ein umfassendes Geständnis abgelegt, sagte der Leiter der Mordkommission „Bosseborn“, Ralf Östermann. Das gesamte Haus werde „quadratzentimeterweise“ abgesucht, „um zu schauen, ob man Spuren anderer Frauen findet“.

Dem beschuldigten Paar ging es bei der Misshandlung nach Überzeugung der Ermittler nicht um sexuelle Motive, sondern darum, „Macht auszuüben“, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer. Der beschuldigte Tatverdächtige sei Hartz-IV-Empfänger, sagte Östermann. Er habe die Taten abgestritten und alles auf seine Ex-Frau geschoben. Der beschuldigte 46-jährige Mann habe auch seine Ex-Frau und Komplizin „massiv misshandelt“, sagten die Ermittler. Die 47-Jährige sei ihm „hörig“ gewesen.

Frauen waren mit Beschuldigten in Höxter unterwegs

Die Ermittler haben keine konkreten Hinweise, dass noch eine dritte Frau in dem Haus in Höxter gestorben ist, schließen ein drittes Opfer aber auch nicht aus. Weitere Frauen seien dort wohl misshandelt worden. Eine misshandelte Frau aus dem Großraum Berlin sei namentlich bekannt, sagte der Leiter der Mordkommission „Bosseborn“, Ralf Östermann. Diese Frau sei zwar schwer verletzt gewesen, aber nicht so schlimm, dass es Außenstehenden sofort aufgefallen wäre, sagten die Ermittler. Die Frauen habe der mutmaßliche Täter über Kontaktanzeigen kennengelernt, in denen er nach einer „Frau für eine feste Beziehung“ gesucht habe.

Die verletzte Frau sei von ihren Peinigern nach Braunschweig zum Bahnhof gebracht und dort in einen Zug nach Hause gesetzt worden. Den Opfern seien büschelweise Haare ausgerissen worden, sagten die Ermittler. Das sei wohl der Grund, weshalb sie kahlgeschoren worden sei. Die Frauen seien mit den beiden Beschuldigten auch in Höxter unterwegs gewesen. Die Frau aus Berlin habe sich selbst bei den Ermittlern gemeldet. Sie habe das Haus in Höxter in den Medien wiedererkannt.

An Heizkörper oder Badewanne gefesselt

Die Opfer hätten mit dem Paar „im Prinzip“ gemeinsam im Haus gelebt, sagten die Ermittler. Es habe keinen separaten Raum gegeben. Wenn die Frauen aber „aufsässig“ geworden seien, seien sie etwa an Heizkörper oder in der Badewanne gefesselt worden – oft die ganze Nacht.

Anhaltspunkte für eine verminderte Intelligenz bei den beiden Beschuldigten haben die Ermittler nach eigenen Angaben nicht. Die beiden seien im Gegenteil recht planvoll vorgegangen. Die Befragungen der Verdächtigen hätten auch erfahrene Mitglieder der Mordkommission „ziemlich mitgenommen“, sagte der Leiter der Mordkommission „Bosseborn“, Ralf Östermann. „Das waren Abgründe, die sich da auftaten.“

Nach den Geschehnissen im ostwestfälischen Höxter stellen sich die Ermittler auf eine längere Spurensuche ein. Um das Gehöft der festgenommenen 46 und 47 Jahre alten Verdächtigen wurden Sichtschutzwände aufgestellt, „damit in Ruhe gearbeitet werden kann“, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag sagte. Die Spurensicherung könne bis zu 15 Tage oder länger dauern. Das 41 Jahre alte Opfer aus Niedersachsen soll fast zwei Monate lang in dem Gehöft im Vorort Bosseborn festgehalten und misshandelt worden sein. Die Frau starb an Kopfverletzungen. Das verdächtige Paar sitzt wegen Totschlags in Untersuchungshaft. (dpa/les)

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