Stockholm –

Schwedens König kämpft um seinen Ruf

| Lesedauer: 4 Minuten
André Anwar

Carl Gustaf wird 70 Jahre alt. Seine Eskapaden haben ihm Kritik eingebracht

Stockholm. Seit Montag bringt sich das schwedische Volk in Stimmung für das royale Jubiläum: Am morgigen Sonnabend feiert König Carl Gustaf XVI. seinen 70. Geburtstag, und auf den zahlreichen Straßenfesten geht es hoch her. Es fällt kaum auf, dass die Beziehung zum König mehr als unterkühlt ist.

Carl Gustav nämlich steckt immer noch in der wohl größten Rufkrise eines schwedischen Monarchen überhaupt. Nach einer im Jahr 2010 erschienenen Skandalbiografie wackelte sein Thron so kräftig, dass 40 Prozent der Schweden seine Abdankung forderten. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Außereheliche Exzesse, Kontakte zu Kriminellen

Der Grund liegt in seinem ausschweifenden Leben. In der Biografie „Der widerwillige Monarch“ wird haarklein von zahlreichen außerehelichen Exzessen berichtet. Es geht um Bordellbesuche, die in Schweden verboten sind, und auch um Kontakte zu Kriminellen.

Enge Freunde und selbst die Polizei sollen eingeschüchtert worden sein, damit sie die Vorkommnisse vertuschen. Das Staatsoberhaupt dementierte nicht und verzichtete auf eine Klage gegen die Autoren.

Stattdessen bat König Carl Gustaf sein Volk darum, ihm noch eine Chance zu geben und „das Blatt zu wenden“, wie er sagte. Statt weiter auf den König zu schimpfen, befassen sich die Menschen lieber mit den makellos erscheinenden Kindern und fünf Enkelkindern des Monarchen. Vor allem Tochter Victoria und ihr Ehemann Daniel genießen einen allerbesten Ruf. Ihre Kinder Estelle (4) und Oscar (1 Monat) sind Schwedens Lieblinge. Auch beim jüngsten Spross von Prinz Carl Philip und Sofia, dem im April geborenen Alexander, geht ihnen das Herz auf.

Immerhin: Das Volk hat den König nicht gänzlich fallen gelassen. Das liegt wohl vor allem an ihr: Königin Silvia, die nur eine kurze Zeit nach den Enthüllungen nicht mehr an der Seite Carl Gustafs auftrat, genießt enormen Respekt – und sie hat großen Einfluss. Was außerdem dem König zugute gehalten wird: Er ließ es zu, dass seine Kinder sich mit einfachen Untertanen vermählten. Kronprinzessin Victoria durfte im Jahr 2010 ihren Fitnesslehrer Daniel heiraten. Ihr jüngerer Bruder Carl Philip ging im vergangenen Jahr eine Ehe mit dem Erotikmodell Sofia ein. Und Carl Gustafs jüngste Tochter Prinzessin Madeleine heiratete 2013 den Millionärssohn Christopher O’Neill. Dazu passt: Die Enkelkinder sollen auf gewöhnliche staatliche Schulen gehen, damit sie den Umgang mit dem Volke lernen.

Dass Volksnähe, Hochzeiten und Kindersegen bei den Untertanen gut ankommen, weiß der König aus eigener Erfahrung. Als er mit nur 27 Jahren den Thron bestieg, war Schweden nahe daran, eine Republik zu werden. Der schüchterne Legastheniker Carl Gustaf sei seiner Berufung nicht gewachsen, so seine Kritiker damals. Doch die Traumhochzeit mit der bürgerlichen Deutschen Silvia Sommerlath 1976 und die Geburten der Kinder machten das Königshaus wieder populär.

Mittlerweile tritt der König weniger hölzern auf. Als er jüngst bei einem Interview in einem viel zu tiefen Sofa Platz nahm, sagte Ihre Majestät: „Man sieht aus wie eine Kröte, wenn man darin sitzt“.

Der Monarch rät dem Volkzum Verzicht auf Fleisch

Manche Äußerungen des Königs kamen in der Öffentlichkeit allerdings nicht gut an. Dazu gehört auch sein Vorschlag, die schwedische Bevölkerung solle doch bitte nicht so viel Fleisch essen. Es sei nicht gesund. Und belaste zudem auch noch die Umwelt.

Trotz der Vorbehalte werden die Menschen ihrem König am Samstag wohl zuwinken, wenn er mit der Kutsche zum Rathaus fährt. Gefeiert wird auf dem Schloss, von nachmittags an bis spät in die Nacht. Am Jubiläumstag wird die Missstimmung vergessen sein.

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