Gewitter

Mega-Blitz vom Mittwoch war zu stark für das Messnetz

Es war einer der seltenen Mega-Blitze: Das Phänomen am Mittwoch hatte so viel Energie, dass dem Messnetz nicht mehr zu trauen war.

Ein Blitz bahnt sich seinen Zickzack-Weg zur Erde. Am Mittwoch wurde in Essen ein Blitz registriert, der auf 405.000 Ampere geschätzt wurde. Er war aber zu stark, um seine Stärke sicher bestimmen zu können.

Ein Blitz bahnt sich seinen Zickzack-Weg zur Erde. Am Mittwoch wurde in Essen ein Blitz registriert, der auf 405.000 Ampere geschätzt wurde. Er war aber zu stark, um seine Stärke sicher bestimmen zu können.

Foto: Fotoarena / imago stock&people

Essen.  „Megalaut“, „extrem“ beschrieben ihn Essener. Am Mittwochabend schlug dort vielleicht Deutschlands stärkster Blitz seit Jahrzehnten ein. Sicher bestätigen kann das niemand, weil es noch keine Methode gibt, die Stärke der seltenen besonders starken Blitze genau zu bestimmen. Einige Hundert Energiemonster gibt es im Jahr in ganz Deutschland – bei einer Million Blitzeinschlägen insgesamt.

Als 2014 in Menden im Sauerland ein Blitz einschlug, sprach der Blitzschutz-Experte Reinhard Schüngel von der Berufsfeuerwehr München vom „stärksten Blitz in Deutschland seit 33 Jahren“. 330 .000 Ampere soll dieser Blitz stark gewesen sein, so Schüngel. Er ist derzeit erkrankt, deshalb gibt es von ihm keine Stellungnahme zu dem Blitz beim starken Frühlingsgewitter im Ruhrgebiet am Mittwoch. Doch Meteorologe Jörg Kachelmann war er sofort aufgefallen:

BLIDS, der Blitzinformationsdienst von Siemens mit einem europaweiten Messnetz, hatte für den Blitz eine Stärke von 405.000 Ampere ermittelt.

Ein neuer Rekord? BLIDS-Experte Stephan Thern ist da vorsichtig: „Es war sicher ein außergewöhnlich starker Blitz. Aber wie stark er wirklich war, können wir nur schätzen.“ Blitze in dieser Stärke seien noch nie beim Einschlag in Messstellen in Türmen gemessen worden, deshalb gebe es noch keine Referenzwerte. „Und wenn so ein Blitz einschlägt, könnte es Messfehler geben oder die Anlage geht kaputt.“ Wenn große Schäden gemeldet würden, sei meist ein solcher Blitz registriert worden.

Netz von 150 Messantennen erfasst Blitze

Bei dem Großteil der Blitze kann die Stärke recht genau angegeben werden, erläutert der Experte. BLIDs greift in Europa auf ein Netz von 150 Antennen zurück, die die elektromagnetischen Felder durch Blitzeinschläge registrieren. Diese Felder sind auch in vielen Kilometern Entfernung noch zu ermitteln. So wird jeder Blitz, der irgendwo in Deutschland einschlägt, von bis zu 30 Messantennen registriert. Anhand der Daten mehrerer Messstellen kann die Software einen Einschlagsort auf bis zu 50 Meter genau bestimmen und auch verlässlich schätzen, wie stark ein Blitz war. Zumindest ist das so bei dem Großteil der Blitze, für die bereits von Messgeräten an der Einschlagstelle Vergleichsblitze direkt gemessen werden konnten.

Doch hier liegt das Problem bei den seltenen Super-Blitzen, so Thern: „Es gibt keine Referenzwerte, und aus dem Signal lässt sich nicht errechnen, wie stark ein Impuls war.“ Solche Vergleichswerte gibt es nur für Blitze bis zu einer Stärke von 100 Kilo-Ampere. Im Mittel haben Blitze eine Stärke von 15 bis 20 Kilo-Ampere. Zum Vergleich: Im Haushalt fließen in der Regel Ströme zwischen einigen Milliampere und 10 bis 15 Ampere, Hochspannungsleitungen führen einige hundert Ampere.

Die Intensität der Mega-Blitze ist aus den Daten schwächerer Blitze hochgerechnet. „Da kann es 20 Prozent Abweichung nach unten und oben geben, wir wissen es nicht. Wir können sagen, ein Blitz war gewaltig, aber nicht, wie gewaltig“, erklärt Thern. Deshalb wird bei BLIDS auch keine Rangliste der stärksten Blitze geführt. Rund 700 Blitze jenseits der Stärke von 200 Kilo-Ampere werden im Jahr in dem Messgebiet registriert, das Deutschland und angrenzende Regionen umfasst.

Monsterblitze meist am Ende von Gewittern

Es gibt zwar im langjährigen Vergleich Regionen, in denen es besonders häufig blitzt. 2014 veröffentlichte Siemens eine Auswertung für den Zeitraum 1999 bis 2013 mit der Grundaussage, dass es im Süden Deutschlands mehr Blitze gibt als im Norden.

Doch die Monster aus den Gewitterwolken lassen sich nicht vorhersagen. Sie können ganzjährig auftreten – im Februar, in dem ein Gewitter meist nur aus 5000 Blitzen besteht, registrierte BLIDS ebenso einen gewaltigen Blitz wie im Sommer, wenn ein Gewitter schon mal 100.000 Blitze mitbringt. Die starken Blitze treten aber meist erst gegen Ende eines Gewitters auf, wenn in den unteren Schichten der Wolken die negative Ladung nicht mehr so stark ist. Denn die meisten Super-Blitze kommen aus den oberen, positiv geladenen Wolkenschichten. Und wenn die Ladung in den unteren Schichten nachlässt, dringen die positiven Blitze leichter zum Boden durch, erläutert Thern.